Baue mit an der Mauer
„Als sie nun dies Gesetz hörten, schieden sie alles fremde Volk aus Israel aus.“ Neh. 13, 3.
Wenn du, liebe Seele, alle Fremden von Israel absonderst, dann hörst du das Wort des Gesetzes, das heilige Gebot Gottes im Innersten deines Herzens. Vermag der Geist, dir heilige Dinge kundzutun, und hast du Liebe zu dieser Stimme gefasst, sodass du allezeit, um diese Stimme hören zu können, alle die von dir absonderst, deren Reden und Verhalten nur der Natur entspringen? Es herrscht tiefer Friede im Herzen dessen, der ein hörendes Ohr hat, aber er prahlt nicht mit seinem Frieden, denn er weiß, dass das Reich Gottes nichts ist, auf das man zeigen kann. Es blüht im Verborgenen und wird dort durch verborgene Opfer genährt. Leere Tonnen poltern am lautesten, sagt ein Sprichwort. So poltern auch die religiösen leeren Tonnen fürchterlich. Alles muss zur Schau getragen werden. Alles ist darauf ausgerichtet, dass es einem religiösen schaulustigen Publikum vorgeführt werden kann. Lässt man sich taufen, so macht man so ein Aufhebens darum, dass sogar Weltmenschen sich über so viel Torheit wundern müssen. Die Fremdlinge in Israel versucht man mit allen möglichen Seilen und Stricken an sich zu binden. Es soll ja niemand meinen oder auf den Gedanken kommen, dass man nicht von Herzen Allianz und Verbindung sucht mit den Fremden in Israel und mit den Einwohnern von Gibeon, die Josua und die Ältesten Israels mit ihrer Allianz und ihrem Friedensangebot täuschten. Jos. 9, 3 ff. Die Worte des Gesetzes auf den fleischernen Tafeln des Herzens sind einem eine Pest geworden. Die Stimme des Geistes in der Gemeinde ist Knechtschaft. Aber große Worte über die eigene Person und Würde werden vom Publikum, das keinerlei Übung darin hat, zwischen Heiligem und Unheiligem zu unterscheiden, hingenommen, als ob dies Worte wären, die der Mund des Herrn geredet hat.
„Am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Israeliten zu einem Fasten zusammen, in Säcke gehüllt und mit Erde auf ihren Häuptern. Und es sonderten sich die Nachkommen Israels von allem fremden Volk ab und traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. Und sie standen an ihrem Platz auf, und man las vor aus dem Buch des Gesetzes des Herrn, ihres Gottes, drei Stunden lang und drei Stunden bekannten sie und beteten zum Herrn ihrem Gott.“ Neh. 9, 1 ff.
Soll das geistliche Israel aus all diesen Verirrungen herausfinden, in denen es sich nun befindet, dann wäre es äußerst nützlich, wenn man in diesem Punkt das alte Israel als Beispiel nähme. Trenne dich von allen Fremden, kleide dich geistlich gesprochen in Sack und Asche und trage Leid über dein Elend. Stehe still, wo du bist, und lies im Gesetz des Herrn, deines Gottes, und sinne darüber nach und lege ein Bekenntnis über all deine Torheit ab, dass du dich von blinden Wegleitern hast führen lassen.
Steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Baue mit an der Mauer, aber wirf vorher alle deine Feinde hinaus über die Mauer; solche, die sich ihrer Freiheit rühmen und doch nur religiöse Vagabunden sind.
Diejenigen, die an der Mauer bauten, nahmen Lasten auf sich und trugen sie - mit der einen Hand arbeiteten sie am Werk und mit der andern hielten sie die Waffe. Neh. 4, 11.
Du hast vielleicht bis jetzt kein Verständnis oder geöffnete Augen dafür gehabt, dass du Lasten tragen sollst und mit der einen Hand die Mauer bauen und mit der anderen Hand das Schwert führen. Du bist natürlich wie die übrigen „Vagabunden“ dazu erzogen worden, den Tag damit zu verbringen, diejenigen zu verspotten, die an der Mauer arbeiten. Aber sieh dich jetzt vor, dass dabei nicht die Mauer so hoch wird, dass du nicht über diese und in die Stadt kommen kannst.
Und ein jeder, der baute, hatte sein Schwert um die Lenden gegürtet und baute also. V. 18 (LUT 1912).
Du bist wahrscheinlich gelehrt worden, dass nur der Leiter bauen soll, während du nur still dasitzen und das gemütliche Beisammensein genießen sollst. Der Leiter soll das Schwert führen, aber du sollst dich hinter seinem Rücken verstecken. Das alte Israel lernte etwas anderes – sie mussten bauen und das Schwert alle wie ein Mann führen.
Die Priester bauten das Schaftor. Das Fischtor bauten die Söhne Senaa. Neben ihnen baute Meremot und neben ihm die Leute von Tekoa, aber ihre Vornehmen beugten ihren Nacken nicht zum Dienst für ihren Herrn. Neh. 3, 5. Diese Letzteren genossen ihre „Freiheit“, wie es die Angesehenen der heutigen Zeit tun, aber sie beugen nicht ihren Nacken für ihren Herrn.
„Und als alle unsere Feinde das hörten (dass die Mauer fertig war), fürchteten sich alle Völker, die um uns her wohnten, und der Mut entfiel ihnen [norw. Bibelübers.: da sanken sie sehr in ihren eigenen Augen]; denn sie merkten, dass dies Werk von Gott war.“ Neh. 6, 16.
Halte nur aus, liebe Seele, die du deinen Nacken gebeugt hast, um Lasten zu tragen, die du mit der einen Hand mauerst und mit der anderen Hand das Schwert führst. Es kommt der Tag, an dem die Mauer fertig ist. An diesem Tag werden unsere Widersacher in ihren eigenen Augen sinken und erkennen, dass dies Werk von Gott war.
Ertrage eine kleine Zeit Widerstand und Hohn von denen, die sagen, dass man es aufgeben soll, die Mauer zu bauen. Neh. 4, 11-12; denn die Mauer wächst schon. Lass dich nicht erschrecken von den religiösen Leitern und lass dich auch nicht von ihnen locken; denn sie sind wie Geschäftsleute der gleichen Branche, die es nicht aushalten, zusammen im gleichen Haus zu wohnen. Und dies ist das Zeugnis gegen sie, dass sie das Ihre suchen und nicht das, was des Herrn ist, der gesagt hat, dass sie alle eins sein sollen, wie der Vater und der Sohn eins sind. Joh. 17, 22.
