An den Früchten erkennt man den Baum
„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ Mt. 7, 21.
Wie oft hören wir in Gebeten und Zeugnissen die Worte Herr, Herr; aber nicht alle, die das sagen, werden in das Himmelreich kommen. An ihren Werken wird man den Baum beurteilen können, denn ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.
Hast du bis heute nur diejenigen als gute Christen betrachtet, die am meisten „Herr, Herr“ gerufen haben, dann fange ab heute an, auf die Werke des Menschen zu sehen. Beachte die Motive für jedes Werk, ob die Absicht Gottesfurcht ist oder ob sich das Ganze nur um „ich“, „mir“ und „mein“ dreht. Untersuche eigene Werke und reinige sie von Egoismus und wähle, die Werke zu tun, die dich in eine tiefere Ruhe in Gott hineinführen. Und wenn du dein Werk getan hast, dann ruhe davon, ebenso wie Gott von seinen Werken ruht. Wenn dein Werk auch unnütz erscheint und nicht das zu bringen scheint, was du zunächst gedacht hattest, dann werde nicht bekümmert, denn wenn es in Gott getan ist und dir dein Werk Ruhe im Geist gebracht hat, dann ist es Gottes Sache, für den Rest zu sorgen.
Ist der Baum gut, dann werden die Beweggründe gut sein, und das, was ausgeführt wird, wird auch gut, selbst wenn es auf bittersten Widerstand stößt. Denn was versteht ein Mensch von seiner eigenen geistlichen Ausbildung? Oder wie können wir im Voraus wissen, für welche Werke Gott in seinem großen Erlösungsplan Verwendung hat – er, der all das Kleine zu einem zusammenhängenden Großen sammelt. Wir haben nur zu gehorchen und zu glauben. Geh die Wege des Herrn. Wer von den Propheten und Aposteln wurde für sein Lebenswerk geachtet und geehrt? Sie waren dazu gesetzt, auszureißen und einzureißen, zu zerstören und zu verderben, zu bauen und zu pflanzen. Jer. 1, 10. Für so ein Werk wird niemand geehrt. Wenn man zuerst bauen würde, dann könnte es vorkommen, dass man etwas Ehre erntet. Aber wenn man zuerst ausreißen und zerstören soll, dann erntet man nur Hass.
Doch dies ist Gottes Werk. Er lässt seine wahren Zeugen nicht auf lockeren Sandboden bauen. Ihnen wird aufgetragen, zuerst den Grund freizumachen und danach zu bauen. Obwohl diese Werke und diese Früchte von einem guten Baum kommen, glaubt man dennoch heute ebenso wie in alten Tagen, dass ein solcher Baum völlig verdorben sei. Die Sache ist aber die, dass das, was ausgerissen wird, verdorben ist, denn wie könnte man denjenigen ausreißen, der auf Fels gebaut hat und seine Zeltpflöcke in der Wahrheit eingeschlagen hat? Oder ist die Lüge die stärkere Macht geworden, sodass sie gegen die Wahrheit etwas ausrichten könnte? Nein, Gott sei gedankt. „Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’Dank dazu haben.“
Soll der Baum richtig gute Früchte tragen, dann muss man wachen; denn es liegt so sehr nahe, dass man, wenn zu einem aufgesehen wird, in den Armen der dem Fleisch nach Angesehensten landet; denn Reichtum hat viele Seelen verdorben. Oder ist es nicht so, dass der Erlöser selbst von Gott gesalbt war, das Evangelium den Armen zu verkündigen? Lk. 4, 18. Ob dann wir dazu gesalbt sind, es den Reichen und Mächtigen in dieser Welt zu verkündigen? Haben wir die Neigung, an der Brust des reichen Mannes zu liegen, dann ist der Baum nicht so ganz gut und die Früchte werden schlecht. Groß sein bei den Großen macht nicht in Wahrheit groß, aber wer in Liebe zu Christus dazu gesalbt ist, das Evangelium den Armen zu verkündigen, der hat innere Größe, und wenn er in seiner Aufgabe treu ist, wird er noch größer werden.
Gehe nicht auf zwei Wegen, denn auf einem davon wirst du zu Fall kommen. Der Irrtum Bileams ist unter den Gläubigen sehr verbreitet. Möge Gott uns vom Bösen befreien und uns seine Wege in Wahrheit lehren. Der Baum war vielleicht gut; aber dann wurde er durch die Verführung des Reichtums verdorben. Der Wohlstand nahm zu und damit das Ansehen. Die Eitelkeit fing an zu schmecken, und man begann in seinem Herzen, das Kleine gering zu achten, das nichts zu sein schien – und man war reif zu fallen. Vertraue nicht auf das, was du vor vielen Jahren von Gott bekommen hast, sondern verlasse dich heute auf Gott. Viele Christen sind in der Schlinge Satans und sind der Eitelkeit verfallen. Manche sind vom Wohlleben betört und das ist bei weitem nicht so „ganz rein“, wie man vorgibt. Der Baum ist verdorben und trägt schlechte Früchte. Wer die Ungerechtigkeiten rügt, wird gehasst; denn man liebt es zu fallen und pflegt seine Lüste. Die Eltern des blind geborenen jungen Mannes fürchteten sich davor, zu Jesus zu halten; denn sie hatten Angst davor, dass sie aus der Synagoge ausgestoßen würden. So verstehen auch in der heutigen Zeit viele, was wahr und richtig ist, aber sie fürchten um ihr Ansehen bei den Leuten und haben Angst davor, nicht in deren Häuser eingeladen zu werden. So geht man lieber auf zweierlei Wegen, um aus allem die größtmöglichen Vorteile zu ziehen. Aber auf lange Sicht wird es nicht gelingen, so zu heucheln. Wahrheit und Recht werden heute wie früher am Ende den Sieg davontragen. Gott ist mächtig, kraftvollere Zeugen aufzurichten; denn die Früchte des guten Baumes schmecken auf die Dauer am besten.
