Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1913-05 - Gemeinschaft

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Gemeinschaft

Gott hat die Gemeinschaft geschaffen, die Gemeinschaft der Heiligen, wo Juden und Griechen und Arme und Reiche zusammenschmelzen zu einer vertrauten Einheit im Geist. Denn durch ihn (Christus) haben wir beide in einem Geist den Zugang. Eph. 2, 18. Es gibt nun Hunderte von Gemeinschaften, aber nur eine Gemeinschaft im Geist und nur einen Zugang zum Vater in demselben Geist.

„So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Hebr. 13, 13-14.

Diejenigen, die darin ihre Ehre haben, die zukünftige Stadt zu suchen, und dafür auf die Rechte innerhalb des Lagers verzichten, werden bald einander finden und lernen, einander in ein und demselben Geist zu lieben.

„Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften.“ Eph. 2, 14-15.

Wegen der Übertretungen gab Gott das Gesetz. Der eine Mensch fügte dem anderen Schaden zu, sodass die Feindschaft wegen der Sünde im Menschen herrschte und jegliche Gemeinschaft hinderte. Da nun Gott in Christi Fleisch die Feindschaft niederbrechen konnte, zunächst zwischen Jude und Heide und dann zwischen Mann und Mann, ob sie nun der einen oder anderen Nationalität angehören, kam die Versöhnung von selbst zustande. Denn als die Feindschaft verschwand, trat der Friede ein und damit Gemeinschaft. Er versöhnte sie beide in einem Leib mit Gott am Kreuz, indem er daran die Feindschaft tötete.

Nun sagen manche, dass Christus die Feindschaft am Kreuz getötet habe und damit sei sie für ewig weg.

Aber trotzdem sehen wir, dass sie in höchstem Maß herrscht – sogar innerhalb der Lager der Christen: Man hat sich in eine Menge Gemeinschaften aufgeteilt, die isoliert voneinander leben, weil sie in keiner Weise Gemeinschaft miteinander haben können. Dies zeigt besser als Worte, dass diese alle nicht in ein und demselben Geist Zugang zum Vater gesucht haben. Es zeigt, dass sie nicht durch das Kreuz die Feindschaft in ihrem Fleisch getötet haben, um einen Weg aufzutun und einen Zugang für uns zu öffnen, um dasselbe zu tun.

So viele nun durch das Kreuz die Feindschaft töten, bekommen Gemeinschaft im Heiligen Geist. Es wird viel vom Geist geredet, dagegen weniger vom Kreuz, welches das Werkzeug des Geistes ist, um Geisteseinheit unter Brüdern zu schaffen.

Und er ist gekommen und hat Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

Frieden ohne das Kreuz ist vom Fleisch, von der Welt, von Satan. Der Friede Christi setzt das Kreuz voraus, bevor er im Herzen seinen Einzug hält.

Der Fresser muss aufhören, seinen eigenen Bauch zu pflegen, der Säufer muss aufhören, sein Verlangen nach dem Saufen zufriedenzustellen, der Eitle muss seinen Schmuck ablegen, der Geizige sein Herz und seinen Geldbeutel öffnen usw. Das, was Feindschaft brachte, soll niedergebrochen werden – und nicht das allein, sondern die Feindschaft selbst, die Sünde im Fleisch, soll zunichtegemacht werden.

Das Kreuz ist der Friedensstifter, herrliches Kreuz. Man sagt: Das ist ja Knechtschaft! Ja, es ist Knechtschaft für denjenigen, der die Sünde und die Welt lieb hat, aber für die Seele, die die Sünde, die Welt und sich selbst hasst, ist es ein gesegnetes Werkzeug, um Frieden, Liebe, Geduld, Bruderschaft und alle anderen göttlichen Tugenden hervorzubringen, die aufgrund der Sünde nicht hervorbrechen konnten, aber nun freien Lauf bekommen, weil die Sünde ans Kreuz genagelt ist. Die göttliche Natur wächst durch die Verheißungen hervor, wenn man dem Verderben entflieht, das durch die Begierde in der Welt herrscht. 2. Petr. 1, 4.

Aber wie kann man ohne das Kreuz Gemeinschaft erreichen? Unzählige Menschen haben im Lauf der Zeiten versucht, etwas zusammenzuleimen, und eine Zeitlang hat dies auch gehalten; aber dann ist der eine oder andere wegen diesem oder jenem beleidigt geworden; und so hat sich die Leimung aufgelöst, und das Ganze hat wie früher in Feindschaft geendet.

Wenn man Christ geworden ist, denkt man: jetzt sollte doch die Gemeinschaft schön sein und die Knoten sollten weg sein. Nein, mein lieber Freund, Satan entfaltet sich mit Macht – besonders in jenen christlichen Lagern, in denen man das Kreuz nicht aufnimmt. Das Kreuz zermalmt die Feindschaft und die Gemeinschaft kommt von selbst.

So schlicht und einfach diese Wahrheiten auch sind, scheinen sie doch ein absolutes Mysterium für die Menschen zu sein, die am liebsten Christen sein wollen, aber trotzdem der Welt Freund sein und deren Ansehen genießen wollen.

Wirf weltliches Ansehen und weltliche Genusssucht von dir und verleugne dies, und wir haben Gemeinschaft in demselben Geist. Von dem Tag an wird Zusammenleimen überflüssig sein, dafür werden die Nägel des Kreuzes sorgen. Will man es aber gut mit Gott und gut mit der Welt haben, dann wird Gott dafür sorgen, dass der Friede mit ihm zerbrechen wird.

Man kann einen tiefen geistlichen Schlaf schlafen und meinen, dass dies Friede sei. Und wenn mehrere in ein und derselben Versammlung ruhig schlafen, dann kann man von sich meinen, man habe Gemeinschaft; aber in der Schrift werden solche Versammlungen folgendermaßen bezeichnet: Die Schar der Toten; sie sind vom Wege der Klugheit abgeirrt. Spr. 21, 16.