Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1913-03 - Jesus bei einem Pharisäer zu Tisch

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Jesus bei einem Pharisäer zu Tisch

Lk. 11, 37 ff. „Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch.“

Jetzt hatte der Pharisäer den Friedefürsten bei sich zu Tisch und man sollte meinen, dass dort im Hause nun Herrlichkeit und Jubel sein würde. Als aber der Pharisäer sah, dass Jesus sich vor dem Essen nicht wusch, wunderte er sich. Dieses „Wundern“ war mehr als genug für Jesus, der jede Sache bei der Wurzel zu packen versteht und sich nicht betören lässt, auch nicht, wenn er Gast am Mittagstisch ist. Denn ganz entgegen allem, was fleischliche Höflichkeit heißt, sagt er: „Ihr Pharisäer, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier.“ So einen Gast hatte der Pharisäer wohl noch nie an seinem Tisch gehabt. Hätte es Jesus nun bei dieser einen Bemerkung belassen, so hätte sich das Ganze vielleicht noch einrichten lassen. Aber unbarmherzig fährt er fort: „Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das Innere geschaffen? Weh euch Pharisäern! Denn ihr sitzt gern obenan in den Synagogen und wollt gegrüßt sein auf dem Markt.“ Man sollte meinen, dass es jetzt genug war und sie jetzt hätten essen sollen, um später einen friedlichen Ausklang als Lohn für die Gastfreundschaft zu bekommen. Aber entgegen allem menschlichen Verständnis für die Situation fährt Jesus fort: „Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten Gräber, über die die Leute laufen, und wissen es nicht.“

Wären der Pharisäer und Jesus allein gewesen, hätte diese Szene beim Essen vielleicht verborgen bleiben können. Nun stellt sich jedoch heraus, dass auch ein Schriftgelehrter mit am Tisch sitzt; denn auch er scheint sich durch Jesu Angriff auf die Pharisäer angesprochen zu fühlen.

„Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch.“ Der Schriftgelehrte war vielleicht der Meinung, dass das für den Pharisäer nützlich sein konnte und vermutlich hatte er schon etwas auf Lager, um Jesus in dessen Rede zu unterstützen. Als es aber so weit ging, dass auch er sich getroffen fühlte, konnte er nicht mehr schweigen.

Jemand anders als Jesus hätte es gewiss mit diesem Angriff auf die Pharisäer genug sein lassen und lieber etwas Beifall und Unterstützung gesucht bei den anderen Anwesenden. Aber dies entsprach nicht der Gesinnung des „Meisters“, weshalb er mit mächtigen Worten das Schwert gegen den Schriftgelehrten richtet und sagt: „Weh auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an.“ „Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hinein wollten.“

Nun waren sie wahrscheinlich fertig mit dem Essen; denn es heißt weiter:

„Und als er von dort hinausging, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, heftig auf ihn einzudringen und ihn mit vielen Fragen auszuhorchen, und belauerten ihn, ob sie etwas aus seinem Mund erjagen könnten.“

Wir lernen aus diesem kurzen Bericht, nicht vom Weg abzukommen, wenn die Heuchler versuchen, uns dem Fleisch nach zu gefallen.