Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1912-10 - Gehorsam des Glaubens

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Gehorsam des Glaubens

Er, der „nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden.“ Röm. 1, 4-5.

Bevor der Glaube kam, hatten wir einen Glauben, einen gesetzlichen Glauben, der so stark war, dass er es vermochte, uns unter dem Gesetz in Gewahrsam zu halten auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte. Gal. 3, 23. Der gesetzliche Glaube kann nicht als der Glaube Christi bezeichnet werden, sondern als menschlicher Glaube an Christus. Deshalb ist er auch nicht der endgültige Glaube, sondern nur ein vorläufiger, der zusammen mit dem Gewissen und der Überführung des Geistes wie ein gesetzlicher Zuchtmeister zu Christus hin wirkt. Sind wir zu ihm gekommen und mit ihm eins gemacht, wird der Glaube Christi wirksam werden durch Werke, die als eine Frucht des Glaubensgehorsams hervorkommen und zu denen die Triebkraft vom Vater der Geister ausgeht. Im Reich Gottes hängt alles vom Gehorsam ab. Der Sündenfall kam durch Ungehorsam, aber die Wiedergutmachung geschieht durch Gehorsam. Der Glaube Christi ist das Gesetz des Leibes – der Gemeinde – ohne den keine Heiligung stattfinden kann; denn durch diesen Glauben warten wir im Geist auf das, wovon uns die Gerechtigkeit Hoffnung gibt. Gal. 5, 5. Wir sehen hier, dass es die Gerechtigkeit ist, die Hoffnung gibt; aber ohne Gehorsam des Glaubens kann man unmöglich gerecht sein. Denn „mein Gerechter wird aus Glauben leben“.

Unter dem Gesetz gibt es keine Gnade, weil es außerhalb des Leibes keine Opfer gibt. „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.“ Gal. 5, 4. Im Leib dagegen wird uns Gnade und Wahrheit gegeben. Und dies kann Gott genau hier geben, weil der Leib geopfert ist. Alles, was zum Leben und zur Gottesfurcht dient, ist uns in Christus Jesus geschenkt. Dort bekommen wir Gnade durch ihn, damit Gottes Langmut an uns wirksam werden kann, bis wir am Opfer Christi Anteil bekommen und uns dadurch Gottes Reichtum an Langmut und Gnade offenbar wird.

Durch den Glauben werden wir mit der Person Jesus Christus und auch mit der Gnade vereinigt und von der Zeit an gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern nur der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Meistens ist es so, dass man seine eigenen Vorstellungen davon hat, was man glauben und was man nicht glauben soll. Dieser Glaube hat nichts mit dem Glauben Christi zu tun. Der Glaube Christi wird uns in unserem menschlichen Geist und Bewusstsein offenbar und wird allezeit in die Richtung von größerer Gottesfurcht, mehr Hingabe, größerer Fürsorge und größeren Opfern nach dem Fleisch weisen. Der Glaube Christi hat seine Wurzeln in Gott selbst und man kann ihn mit dem Verstand nicht erfassen, obwohl er in vollkommener Harmonie mit dem Verstand Gottes und seinen Heiligkeitsplänen mit uns ist. Nur im Vertrauen darauf, dass Gott unser Bestes will, können wir durch Gottes Gnade nach dem Glauben handeln, der uns offenbart wird – ohne dass wir den Ausgang und die Resultate sehen, die Gott sich selbst vorbehalten hat auf die Offenbarung unserer Herrlichkeit mit Christus an jenem Tag, an dem wir alle vor den Richterstuhl Christi gestellt werden und Lohn empfangen für das, was wir bei Lebzeiten getan haben, es sei gut oder böse.

Über aller Herrlichkeit liegt eine Decke. Deshalb ist es nicht angenehm für den äußeren Menschen, dem Weg des Glaubens blind zu folgen. Aber in der Praxis werden wir immer wieder dadurch überrascht, dass wir die Herrlichkeiten Gottes sorgfältig verborgen finden unter den Decken, die bei den Menschen nicht angesehen sind. Wenn man sich darin übt, unter diesen Decken nach Gottes verborgenen Schätzen zu graben, kommt man mit der Zeit so weit weg von dem, was in der religiösen Welt groß und angesehen ist, dass man nur als ein armseliges Ding betrachtet wird, das zwar ein paar abweichende Meinungen hat, das aber niemals dazu kommen kann, auf den sehr begehrten religiösen Höhen zu glänzen. Durch Gottes Gnade ist es weiterhin unsere Absicht, uns zum Geringen zu halten, zu dem, was nicht angesehen ist. Und durch Glauben wissen wir, dass wir da unten in der Kraft Gottes die Fundamente untergraben werden, auf denen die religiösen Höhen ruhen, und uns mit unendlicher Freude freuen werden, wenn wir das einstürzen sehen, worauf der eitle religiöse Mensch sein Vertrauen und seine Ehre gesetzt hat.

Nach Gottes Gesetzen und seinem Willen geht der Weg abwärts – aufwärts.

Der Glaube Christi leitet uns durchs Leben; und wer den Glauben Christi hat, muss notwendigerweise auch die Werke Christi haben. Und hat man Christi Werke und Glauben, muss man notwendigerweise auch das Leben Christi haben.

Wir können unmöglich etwas glauben, ohne dass etwas verkündigt wird. Denn der Glaube kommt durch das, was wir hören. Unser Tröster, der Heilige Geist, ist allezeit wirksam – zuhause und unterwegs, ob wir arbeiten oder ruhen. Wovon er uns überzeugt und was er im Innern der Seele und im Gewissen redet, das müssen wir glauben und befolgen. Dies wird in der Bibel Gehorsam des Glaubens genannt, um dessentwillen Paulus zum Apostel der Heiden berufen war. Ohne Gehorsam des Glaubens gibt es kein Wachstum – keinen Fortschritt und keine Früchte. Man kann zwar aus Gewohnheit treu den einen oder anderen Versammlungssaal besuchen und sich hin und wieder scheinbar freuen; aber eine geradlinige, zielbewusste Person wird man nicht, solange man nicht gelernt hat, in diesem tiefen Geheimnis zu wandeln: dem Gehorsam des Glaubens.