Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 30.11.1917

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
Vadsø, 30. 11. 1917
Lieber Bruder Aksel,
Friede.

Danke für deinen lieben Brief, dem ich entnehme, dass 60 Personen bei dir zuhause zu einem Fest versammelt waren. Das war ja eine ganze Versammlung! Es freut mich, dass es in Drøbak so gut vorwärtsgeht. Ich denke, dass Helga jetzt besser als je zuvor versteht, dass man durchaus von Interesse für diese Arbeit ergriffen werden kann und dass die Lehre lebenstüchtig ist und zur Gottesfurcht führt. Du schreibst von Ystrøm; er hat eine ganze kleine Jugendschar in Horten. Wenn er ergriffen wird, folgen die Übrigen nach. Ich sehe, dass du bei der Heiligkeitsversammlung der Heilsarmee warst. Ja, ich glaube, dass sich das lohnen kann. Heiligkeitsversammlung und Soldatenversammlungen sind die einzigen Versammlungen, in denen jemand etwas ausrichten kann. Wir waren gestern bei einem Fest der Heilsarmee hier in Vadsø. Es war jedoch ein Trubel unter den Jugendlichen im Saal, sodass wir es am besten fanden, nichts zu sagen. Schw. Sigrid Dannell ist am Krankenhaus von Vadsø. Br. Ellefsen war neulich Abend dort oben und sprach mit ihr und einer der anderen Schwestern, die nun so ergriffen ist, dass sie hören will. Am Tag darauf, gestern, waren wir dort oben und sprachen mit ihnen, und sie (die andere Schw.) betete um die Geistestaufe. Sie hat noch nie hiervon gehört, sagte sie, doch sie wurde so ergriffen, dass sie geradezu jedes Wort verschlang. Verwunderlich schien ihr, dass sie mit Christus gekreuzigt werden sollte. Vielleicht hat Gott aus diesem Grund unseren Weg hierher geführt, dass einige Gottes Wort hören sollten. Wir kamen hierher, weil die Wasserleitung in Vardø kaputtging.

Jetzt ist es leicht, überall zu arbeiten. Die Gläubigen in Vardø stehen all diesem machtlos gegenüber. Sie haben aufgehört, von einer gefährlichen Lehre zu reden, denn ihre besten Kräfte haben sich dem angeschlossen. Hier in Vadsø gibt es zwei Laestadianerversammlungen. Mit dem Pedersen aus Kjøllefjord, der an Skj. Sk. geschrieben und nach alten Schriften gefragt hat, haben wir gesprochen, als wir dort waren. Er ist Laestadianer, er und seine Frau, aber sie wollen gerne hören, denn Schw. Dannell ist mehrere Monate bei ihnen gewesen. Er sagte zu uns, dass wir Versammlung für die Laestadianer halten sollten, von denen es in der Finnmark sehr viele gibt. Wir haben darüber gesprochen, die Offiziere der Heilsarmee hier zu besuchen; wir werden nun sehen, wie es geht. Leutnant Bekkevold hat bereits mit ihnen gesprochen, sagte er. In nichts von unserer Arbeit gibt es vorgefasste Pläne, aber dennoch geht es planmäßig vor sich. Kürzlich kollidierte ich mit dem einen und anderen hier an Bord, sodass einer von ihnen in seiner Kajüte saß und weinte, dass er richtig schluchzte. Er musste sich waschen, bevor er ging. Ich selbst war richtig erschüttert, denn es kam mir so vor, als ob sie mir hier an Bord regelrecht ans Leben wollten. Als er wegging, legte ich mich aufs Sofa und schlug das alte Buch Mose von Mme Guyon auf Englisch auf und meine Augen fielen direkt auf diese Worte:

I am your protector wherever you go. (Ich bin dein Beschützer, wo immer du dich befindest.)

Ich legte das Buch weg – und warf die Schwierigkeiten über Bord und musste mich im Geist freuen. Das passte zur Situation. Von dem Augenblick an drehte sich die Situation hier an Bord. Diejenigen, die sich im Kampf zusammengetan hatten, haben die Macht verloren. Ich kann niemandem schmeicheln und wenn sie es verlangen, nicht direkt, sondern indirekt, dann komme ich in Kampf mit ihnen. Denjenigen, die die Macht haben, liegt es dann nahe, diese bald im einen, bald im andern auszuspielen, bis der Krieg in vollem Gang ist. Aber dann lenkt Gott jeden Schritt und er zerbricht den Nacken des Gottlosen und lässt alle Furcht über ihn kommen, sodass es für ihn nur einen Ausweg zum Frieden gibt und das ist, sich zu versöhnen.

Gott hat in den Kämpfen an Bord auf wundersame Weise Gnade und Sieg gegeben. Satan hat dermaßen seine Macht verloren, dass sie, wenn sie etwas sagen wollen, von dem sie wissen, dass dagegen Widerspruch kommen wird, sich vorher umsehen, ob sie es zu den Anwesenden zu sagen wagen. Andresen kommt ab und zu ins Feuer, wenn er allein ist. Wenn aber mehrere von uns hereinkommen, dann wird es still wie im Grab. Wenn Gott hinter uns steht, dann liegt der Sieg in der Luft und die Gegner fühlen sich dadurch eingeschüchtert, noch bevor sie ihren Mund zum Kampf öffnen. Nicht nur unter den Gottlosen ist es so, sondern auch in den Versammlungen. Ich habe mich oft darüber wundern müssen, aber es ist so.

Wenn man von Gefühlen reden will, dann fühle ich mich elend, fast wie „never mind“. Ich habe nichts zu verteidigen, keine Ehre zu verteidigen, keine Stellung zu wahren, keine Gemeinschaft, für die ich fürchte, dass sie meinetwegen in Verruf kommt. Dies wiederum macht die Ungebundenheit und die Freiheit soviel größer, dass man, wenn der Kampf anfängt, in keinster Weise Rücksicht auf Fleisch zu nehmen braucht. Der Kampf wird rücksichtslos und furchtbar, aber der Sieg winkt bereits in der Hitze des Kampfes und jedes Argument des Fleisches muss fallen. Das ist eine für das Fleisch furchtbare Situation, doch wehe mir, wenn ich nicht in dieser Weise wandle. Dies ist mein Zeugnis im Dienst. Der Geist, das Wasser und das Blut bestätigen dies, wenn es auch von Menschen nicht anerkannt wird.

Wir müssen auf dem Rückweg in Vardø anlegen, weil wir dort Wachposten haben. Br. Ellefsen ist so gut wie in der ganzen Finnmark ortskundig. Er kennt die Häuser und die Menschen, er ist aber auch bei nahezu jedem Wetter unterwegs.

Br. Johan Lohne ist nun vom Hardangerfjord heimgekommen. Er ist Gott dankbar für die Reise und hat vor, in den nächsten Tagen Haugesund zu besuchen. Er hat ein ganzes Gebiet, in dem er arbeitet. Ellefsen hat sein Gebiet; sie halten viel von ihm hier in der Finnmark. Er gibt nicht auf, bevor er den Leuten nicht das Leben genommen hat, wird gesagt, er peinigt sie, er macht weiter bis ins Unendliche und gibt nie auf, bis er sein Ziel erreicht hat. Ja, er ist ein richtiger „Blutegel“. Ich habe mehrere getroffen, die von Ellefsen ohnmächtig geschlagen sind, aber noch nicht den Todesstoß erhalten haben. Über eine solche Ausdrucksweise wären die Leute wahrscheinlich sehr entsetzt, aber du verstehst, wie ich es meine. Das Ziel ist ja, die Leute dahin zu bringen, dass sie „mit Christus gestorben“ sind. Hierin sind wir Diener des Geistes.

Grüße die Geschwister und dein Haus.

Liebe Grüße, dein Bruder

Johan