Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 15.10.1917

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
K/B Viking, Kirkenæs, 15. 10. 1917
Lieber Bruder Aksel,

wie du siehst, sind wir nun in Kirkenæs. Wir kamen in der Nacht zum Sonntag hier an. Br. Ellefsen ging gestern Vormittag (Sonntag) an Land. Er sprach mit einer Schwester Lillevik und sie wollte Leute zur Versammlung um 17 Uhr einladen. Br. Ellefsen kam an Bord und wollte mich abholen; aber leider hatte ich Wache; doch ging ich zum 1. Offizier und bekam frei. Schw. Lillevik begleitete uns zur Versammlung. Dort war volles Haus; eine große Stube. Vom Aussehen her waren es richtig solide Menschen, Männer und Frauen. Br. E. hatte am Vormittag erfahren, dass es dort beträchtliche Auseinandersetzungen über Christus geoffenbart im Fleisch gegeben hatte. Zwei Prediger, Lied und Modal?, hatten vor Br. E. gewarnt, aber Schw. Lillevik, die den Geist in sich hat, hatte E. und die Lehre verteidigt. Sie hatte mehrere auf ihre Seite bekommen. Als die Versammlung um 17 Uhr anfing, stand ein Mann aus Vadsø auf und sagte, dass er die Leitung übernähme, da es eine ernste Sache sei, Gottes Wort zu verkündigen. Ich wunderte mich etwas, da ich glaubte, dass wir die Versammlung leiten sollten, und ich hatte unterwegs E. gebeten anzufangen. Der Leiter sagte, es seien zwei Brüder anwesend, die Gelegenheit bekommen sollten zu reden. Br. E. stand auf und hielt eine übersichtliche Rede. Es wurde gesungen und Gitarre gespielt. Danach stand ich auf und sprach über Hebr. 2, 14 bis Ende des Kapitels sowie über Röm. 8, 3 und 1. Petr. 4, 1. Ich versuchte, die Streitfrage direkt anzugehen. Das schien zu gelingen; denn es dauerte nicht lange, bis der Leiter anfing, hin und wieder zwischendurch Amen zu sagen. Es wurde zu Gottes Ehre eine richtig gesegnete Versammlung. Nach der Versammlung schlug der Leiter vor, dass wir die Versammlung beenden und um 21 Uhr weitermachen sollten. Doch wir setzten die Gesprächsrunde fort. Ich bat diejenigen, die evtl. etwas, was für sie schwierig ist, auf dem Herzen haben, dies anzusprechen. Bis 19:30 Uhr sprachen wir weiter über Christus geoffenbart im Fleisch. Kein Widerstand. Frau Holst, die Frau des hiesigen Vertreters der Bergener Dampfschifffahrtsgesellschaft war einig; ebenso Frau Lillevik, Frau Olson und weitere. Frau Olson (sie arbeitet in einem Modegeschäft) sagte nach der Versammlung: Ihr seid Botschafter Christi. Wir gingen, um uns bis 21 Uhr die Zeit zu vertreiben; doch ein Bruder lud uns zum Abendessen ein. Der Leiter kam mit. Wir unterhielten uns über den Wehrdienst usw. Um 21 Uhr war der Leiter startklar; er setzte sich in eine Ecke und überließ uns die Versammlung. Wir sprachen miteinander über Röm. 8. Zum Schluss war der Leiter richtig auf unserer Seite, und als ich um 23 Uhr an Bord ging (ich musste um 3.45 Uhr aufstehen), wollte er E. nicht verlassen, der noch bis 24 Uhr blieb.

Die Sache ist: Br. Madsen verkauft Obst und schreibt an Schw. Lillevik, und außerdem ist Sigrid Dannell hier gewesen, sie hatten also ein gutes Verständnis von der Lehre; aber sie brauchten mehr Unterweisung. Skj. Sk. kam gerade bei Lillevik an, als wir am Nachmittag dort saßen. Ihr Mann ist abgefallen und ein Trinker.

Br. Ellefsen ist ein Mann, der schlimm darin ist, sich überall festzusaugen. Er heißt zwar E.; aber man kann ihn geistlich gesprochen auch „Blutegel“ nennen; denn er lässt seine Beute nicht mehr los. Von Kirkenæs ist die Lehre auch nach Vadsø gelangt, wo nun Sigr. D. als Krankenschwester arbeitet und wo Br. Ellefsen früher gewesen ist. Wir warten nun auf das Postschiff und werden, wenn die Post gekommen ist, nach Vardø ablegen. Es war wie ein Wunder, dass Gott uns Gnade gegeben hat, hierher zu kommen. Am Ende baten sie uns wiederzukommen. Hier ist ein guter, im Aufschwung begriffener Ort. Es soll genug Erz in den Gruben sein, um noch 300 Jahre lang graben zu können. Hier gibt es große Fabriken. Wir wären gerne heute an Land gegangen, um uns näher mit ihnen zu unterhalten. Diejenigen, die für uns waren, waren prächtige Leute. Sie hatten voll und ganz die Macht in den Versammlungen; das erkannten wir sofort. Br. Madsen reist und schreibt. Kurz nachdem wir Vardø verlassen hatten, hatte Br. Strømme einen Brief von ihm erhalten, und als wir bei Lillevik zur Tür hereinkamen, hatte diese gerade einen Brief von ihm geöffnet. Madsen hat sich in Bergen etwas mit Br. E. überworfen. Aber er hat nun Strømme geschrieben und eingeräumt, dass er sich geirrt hat und will E. darüber schreiben.

Wir erkannten deutlich in der Versammlung, dass die zwei Prediger nicht geschafft hatten, etwas auszurichten. Die vier einflussreichsten Frauen hatten Br. E. verteidigt. Die eine sagte zu dem Prediger, dass sie nur eine halbe Stunde mit Br. E. gesprochen habe; aber in dieser Zeit habe er ihr Dinge gesagt und Schwierigkeiten gelöst, wie es in ihrem ganzen Leben noch kein Prediger vermocht hat; dies war Frau Olson. Nach diesem mussten sie klein beigeben.

Es ist verwunderlich, wie Gott überall segnet. Hier in Kirkenæs könnte viel getan werden. Könnten wir sie nur mit Vardø in Verbindung bringen. Es fehlt ihnen an Leitung. Kirkenæs ist ein schöner, mit etwas Birkenwald umgebener Ort. Die Tochter von Heidenstrøm aus Bodø ist Fotografin hier. Sie spielte gestern Gitarre. Ich erinnere mich an ihren Vater damals in der Altstadt. Er fuhr als Steuermann.

In der letzten Versammlung gestern waren vier Männer und wir zwei anwesend. Drei von ihnen waren ziemlich jung. Ellefsen hat von jedem Einzelnen hier im hohen Norden eine ganze Geschichte zu erzählen. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass er solche Fangarme hat, aber es ist das Wort, das Macht verleiht.

Ja, nun hast du von unserem kurzen Besuch in Kirkenæs gehört. Grüße dein Haus und die Geschwister.

Liebe Grüße, dein Bruder

Johan

15.10. am Nachmittag. Danke für deinen sehr lieben Brief sowie für Helgas Brief, die jetzt ankamen. Ebenso herzlichen Dank für das übersandte Paket, das der Postbote gerade an Land abholt. Es war schön, das Foto von den Jugendlichen zu sehen. Was den Kauf des Hofes angeht, bin ich, wie du weißt, kein Geschäftsmann. Ich kann dir berichten, dass der Leutnant in der Heilsarmee in Vardø kurz davor ist, das Ganze zu verlassen. Neulich waren er, Br. E. und ich alleine in der Offizierswohnung. Er bat uns, für ihn um Gottes Geist zu beten. Wir beteten viel zusammen und erörterten viele Dinge. Er sagt, dass er volles Vertrauen hat und bereit ist, den Willen Gottes zu tun, was es auch sei. Seit der Arzt mir gesagt hat, was auf meine Atmung einwirkte, ist es mir besser gegangen; denn ich kann dies selbst innerhalb gewisser Grenzen regulieren. Sich zu viele Gedanken zu machen, ist nicht gut; ich habe mich zu sehr dem hingegeben, über dieses und jenes nachzudenken. In einzelnen Bereichen war jedoch kein Ausweg zu erkennen; doch da habe ich nun in der letzten Zeit entdeckt, dass Gott auf wundersame Weise in die Verhältnisse eingegriffen hat. Dies habe ich vorher nicht verstanden, früher auch nicht bemerkt. Wenn Gott dies jedoch nicht tun würde, müsste ich meine Wirksamkeit aufgeben; denn es gibt viele Widerspenstige. Hierüber können wir uns mündlich austauschen. Br. Ellefsen und ich haben schon viele Verhältnisse im Hinblick auf den Dienst in der Gemeinde erörtert.

Herzlichen Dank für die Schachtel mit Inhalt; diese kam nun zusammen mit einer Kiste Birnen von Pauline an. Alles war schön eingepackt und hat den Transport gut überstanden außer dem großen Glas Pflaumen, das zerbrochen war. Ich musste es durch das Bullauge rauswerfen. Doch die Kuchen und die anderen Gläser waren ganz. Ja, nun ist dieser Geburtstag vorbei. Das Schiff wird durchgerüttelt; wir sind unterwegs nach Vardø. Ich bekam nun einen Brief von Br. Johan Lohne, der sehr im Kampf steht. Er hat eine gute Gesinnung. Er schickte neulich 50,00 Kr. für die Miete eines Saales in Vardø. In Kirkenæs wollen sie am kommenden Dienstag die Loge für uns mieten. Es freut mich, dass Gottes Reich überall vorangebracht wird.

Ich habe einen Brief von Br. Oldeide bekommen, der nun in der letzten Zeit nicht in den Versammlungen gewesen ist. Ich habe ihn ermahnt, an der Gemeinschaft festzuhalten und den Dienst zu tun, den er wahrzunehmen hat: Sonntagschule, mit Sündern zu sprechen usw. Wenn er sich hierin mit Br. Kvalheim versöhnt, dann werde ich an Br. Kvalheim schreiben, dass er ihn nicht verdächtigen soll, seinen Platz einnehmen zu wollen, was hiernach jetzt schwierig sein wird. Br. Nils Strand ist nach Sundfjord gezogen. Br. Ellefsen hat sich heute riesig über die Versammlungen gestern gefreut und über einen Brief, den er von Br. Madsen erhielt, der gründlich in sich geht und E. um Vergebung bittet. Die Arbeit hier im Norden ist über alle Erwartungen gelungen. In Vardø halten sich einige fern, da sie mit uns zusammengestoßen sind; aber sie werden bestimmt kommen - mehrere von ihnen. Das Heim von Br. Strømme ist ein Aufenthaltsort für viele Gläubige, und Frau Strømme hat spezielle Gaben, Menschen zu überzeugen. Eines Tages kam ein Mann von einem Fjord aus der Nähe von Nordkynd. Er sah Skj. Sk. bei Strømme auf dem Tisch liegen. Sie fingen an sich zu unterhalten, und der Mann sagte, dass er Skj. Sk. im Altenheim gelesen und Licht bekommen hatte. Er war völlig einig mit Strømme und seiner Frau. Schw. Dannell hatte das Monatsblatt ins Altenheim geschickt. Der Mann war von Tanafjord und war ein Wehrdienstkamerad von Br. Strømme.

Nun musst du Helga von mir grüßen und ihr herzlichen Dank sagen für das, was sie geschickt hat, und für den Brief und das Foto von den Jugendlichen in Drøbak.

Dein Bruder

Johan