Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1917-10 - Die Lust zu herrschen mitten unter uns

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Die Lust zu herrschen mitten unter uns

Mitten unter uns haben in der letzten Zeit Personen an verschiedenen Orten für Unordnung gesorgt, indem sie sich im Glauben, sie könnten es so viel besser, in den Dienst anderer eingemischt haben. Eine Zeitlang kann es sogar so aussehen, dass solche Personen das Recht auf ihrer Seite haben; und in der Regel bekommen sie mehrere auf ihre Seite – und der Kampf der Parteiungen beginnt.

Da man in die Irre geht, wenn man nicht Gottes Erkenntnis hat, so kommen auch diese Verirrungen aus Mangel an Gottes Licht. In jedem Einzelnen von uns wohnt genug von Korah, um Aufruhr zu machen, wenn wir nicht auch Korahs Macht in die übrigen Mächte und Gewalten einschließen, die überwunden, besiegt und durch Gott am Kreuz im Triumph einhergeführt wurden. Lass der Lust zu herrschen freien Lauf, und du wirst Korah in seiner wahren Gestalt zu sehen bekommen. Aber diese Person – wo immer sie sich im Fleisch offenbart – ist seit Jahrhunderten zum Untergang verurteilt.

Von Urzeiten her erwählte Gott Personen für die verschiedenen Aufgaben. Petrus sagte: „Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisst, dass Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.“ Apg. 15, 7.

Und zu Ananias sagte der Herr: „Geh nur hin; denn dieser (Saulus) ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel.“ Apg. 9, 15.

Wir sehen, dass Gott für die verschiedenen Aufgaben bestimmte Brüder auswählt. Wer sich nun mit Macht über diese Auserwählung Gottes hinwegsetzt, um selbst den Platz des Auserwählten einzunehmen, nimmt es auf sich, gegen Gott selbst zu streiten, gegen ihn, der am besten weiß, wie er jeden gebrauchen kann.

Wenn man erleuchtet worden ist, liegt es nahe, in diesem Licht eine kritische Haltung gegenüber der Arbeit seines Bruders einzunehmen. Man kann hinter seinem Rücken eine ganze „Volksmeinung mobilisieren“; und wenn die Anzahl der Unzufriedenen zunimmt, glaubt man, dass die Zeit gekommen sei, um zum offenen Kampf antreten zu können – so wie sich Korah seinerzeit zusammen mit 250 angesehenen Männern, die von der Versammlung berufen waren, gegen Mose empörte. Sie standen auf und sagten: „Ihr beansprucht zu viel; denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig, und der Herr ist in ihrer Mitte! Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?“

Jetzt wollten Korah und seine Männer die Führung übernehmen. Sie würden Israel eilends aus dem heißen Wüstensand herauszuführen wissen. Nun sollte Ordnung und Schwung in die Dinge kommen. Als aber Gott in dieser Sache sein Urteil sprach, tat die Erde ihren Mund auf und verschlang Korah und alle Menschen, die Korah angehörten mit all ihrer Habe. Und sie fuhren lebendig zu den Toten hinunter, 4. Mos. 16, 32. Und Feuer fuhr aus von dem Herrn und fraß die 250 Männer.

Judas schreibt: „Weh ihnen! Denn sie gehen den Weg Kains und fallen in den Irrtum des Bileam und kommen um in dem Aufruhr Korahs.“ V. 11.

Wenn das Licht in die Gemeinde hineinkommt, wird eine große Anzahl erleuchtet, die in ihrer Lebenserfahrung nicht so weit gekommen sind, wie das Licht bei ihnen scheint. Die Sünde im Fleisch kann sich deshalb leicht geltend machen, sodass man sich in der Kraft seines Lichtes in die Aufgaben anderer einmischt und die Dinge korrigieren und regeln will. Im Fleisch gibt es Kräfte genug, um derart auf etwas zu beharren, dass man bereit ist, alles aufs Spiel zu setzen, wenn man seinen Willen nicht durchbekommt. Das Licht scheint hell; aber die Leiden im Fleisch sind nicht vollkommen ausgelitten, sodass man mit der Sünde fertig geworden wäre. Leib, Seele und Geist haben mit der Erleuchtung nicht Schritt gehalten, deshalb hat man keinen Augenblick Bedenken, sogar Personen anzugreifen, die die Werkzeuge gewesen sind, die einem Gottes Wort verkündigt haben.

Oder wie Madame Guyon sagt: „Es gibt drei Personen in der Gottheit: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Und diese drei sind eins. Um in der Gemeinde recht dienen zu können, müssen diese drei Personen auch in unserem Leib eins gemacht werden.“

Hierdurch entsteht die wahre Fürsorge, die väterliche Fürsorge; denn man hat selbst im Fleisch gelitten. Wo jedoch das Licht etwas beleuchtet hat und das Leiden nicht zu Ende gebracht ist, wird man, wenn man lenken und leiten will, nur aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn. Darum heißt es: Nachdem ihr erleuchtet wart, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens. Hierin liegt das Geheimnis. Man soll im ersten Licht nicht herrschen, sondern das Licht so in sich herrschen lassen, dass man große Leiden im Fleisch erduldet. Wenn diese in Treue vollendet sind, kannst du, weil du selbst im Fleisch gelitten hast, denen helfen, die versucht werden.

Gottes Gerechtigkeit verbietet es, dass solche herrschsüchtigen Personen an die Macht kommen. Deshalb sehen wir auch, dass sie mit ihren Aufruhren nichts erreichen, außer dass sie sich als Aufwiegler brandmarken, die man im Auge behalten muss.

Die Engel der Gemeinden in Kleinasien hatten gewiss viele Fehler und waren mit vielerlei Schwachheiten behaftet, aber nicht ein einziger von ihnen wurde aufgrund von Untauglichkeit abgesetzt. Seine Berufung und seine Gnadengaben gereuen Gott nicht. Wer also danach trachtet, jemanden abzusetzen, den Gott eingesetzt hat, der nimmt eine Arbeit auf sich, die nicht gelingen wird.

Wenn wir Sieg nach außen haben wollen, dann muss jeder sich befleißigen, drinnen Sieg zu haben; denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Niemand darf sich auf seine Gerechtigkeit verlassen, denn das bietet wenig Rückhalt am Tag des Gerichts. Es gibt genug Arbeit, sowohl in Gottes Gemeinde selbst wie auch damit, Sünder zu Christus zu ziehen, weshalb man seine Kräfte und seine Zeit nicht zum Grübeln darüber, wie man an die Macht kommen könnte, verwenden soll. Zuerst muss man sich mit der Erniedrigung abfinden und danach warten, bis Gott erhöht. Denn es hat nicht derjenige die Prüfung bestanden, der sich selbst ehrt, sondern derjenige, den Gott ehrt.

(Dieser Artikel wurde auch im Missionæren 1917.11.26 veröffentlicht, unterschrieben: J. O. S. „Skjulte Skatte“ Anm. d. Red.)