Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 31.10.1917

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
K/B Viking, Vardø, 31. 10. 1917
Lieber Bruder Aksel,

nun sind wir von Kjøllefjord gekommen, wo wir ein englisches Kohlenschiff entluden. Dort sprachen wir auch mit Pedersen und seiner Frau aus Dyfjord, die Laestadianer sind. Sie wollten gerne hören und wünschten, dass wir hätten dableiben und ein paar Versammlungen bei den Laestadianern abhalten können, die Gott durch ihren Bruder finden, wie sie sagen. Am Sonntag hatten wir von morgens bis abends einen richtigen Arbeitstag, zuerst in der Heilsarmee, dann bei der Freien Mission und danach bei Strømme. Viele freuen sich jetzt, wenn wir ihre Versammlungen besuchen. Die Soldaten in der Heilsarmee murren, doch die Offiziere fordern uns zum Reden auf. Der Leutnant ist jetzt von der Wahrheit ergriffen, und während wir in Kjøllefjord waren, teilte er dem Oberst telegrafisch seinen Abschied mit. Der Adjutant Lindvik ist auch nicht abgeneigt zu hören; aber mit ihm geht es nicht so schnell. Ich bin oft bei ihnen privat. Br. Andresen hat sich wieder aufgerappelt; er weint und betet. Am Sonntagabend in der Freien Mission griffen wir die Themen auf, weswegen sie uns verdammt haben. Röm. 8, 3. Aber das Ergebnis war, dass sie sehr zufrieden wirkten, der Widerstandsgeist war von ihnen weggeblasen; ich weiß nicht, ob sie ihn wiederfinden. Abends kamen zwei Frauen der Freien Mission zu Strømmes in die Versammlung; sie waren mit allem einig, ebenso brach auch Schw. Døvle hindurch und sie weinte über ihr Leben, das so lange nachlässig gewesen war. Sie war es gewesen, die uns anfänglich so beschimpft hatte – sie ist schon etwas älter. Danach waren sie und eine andere Schwester bis 2.00 Uhr nachts umhergegangen und hatten miteinander gesprochen, wurde uns später erzählt. Es war merkwürdig am Sonntagabend; sie bildeten mehrere Gruppen und sprachen so eifrig miteinander, dass es fast nicht möglich war, in diesem Stimmengewirr etwas zu verstehen. Die christlichen Versammlungen hier in Vardø haben ihre Widerstandskraft nun völlig verloren.

Gestern wurde eine größere Anzahl Skjulte Skatte an die Murman-Küste (Russland) zur Verteilung in den Hütten dort verschickt, wo ziemlich viele Norweger wohnen. Gestern kamen 40 russische Soldaten von der französischen Front hierher; sie sahen wohlbehalten aus; einige wenige von ihnen waren aus deutscher Gefangenschaft entflohen.

Wenn der Krieg einmal zu Ende geht, sollte Br. Ellefsen eine Rundreise durch die Finnmark machen. Er ist eifrig und ausdauernd. Es ist für mich etwas schwierig hier gewesen; da ich in Br. Ellefsens Arbeit hineingekommen bin; und es besteht kein Zweifel, dass mehrere von denen, mit denen Br. E. gearbeitet hat, die Flucht ergriffen haben. Doch einige von ihnen scheinen nun zurückzukommen. Br. Strømme ist eifrig geworden. Susanne Norum, Frau Strømme und Magda Johansen arbeiten sowohl in den Versammlungen als auch außerhalb der Versammlungen sehr gut mit.

Ich schicke einen russischen Rubel mit; er war früher ca. 200,- Kr. wert, jetzt habe ich ihn für 40 Öre gekauft. Einen habe ich auch an Kristian geschickt. Nun bleiben wir noch ca. einen Monat hier in der Finnmark. Jetzt bin ich seit Anfang des Krieges kein Weihnachten zuhause gewesen; auch weiß ich nicht, ob ich es dieses Jahr sein werde.

Grüße die Deinen.

Liebe Grüße, dein Br.

Johan