deinen Brief an Br. Ellefsen habe ich gelesen, in dem du ihn bittest, mit mir zusammen zu untersuchen, was du schreibst. Das haben wir getan, und durch Gottes Gnade will ich versuchen, dir das Ergebnis zu übermitteln.
Soweit ich verstehe, legst du Eph. 4, 11-15 dahingehend aus, dass Gott in die Gemeinde einige als Apostel, einige als Propheten, einige als Evangelisten, Lehrer usw. eingesetzt hat, bis wir alle zum vollen Maß der Fülle Christi hingelangen. Beachte „bis“, sagst du. Ich muss deine Erklärung so verstehen, dass die Brüder nach Ablauf einer gewissen Zeit soweit heranwachsen, dass sie für Apostel, Propheten, Lehrer keinen Gebrauch mehr haben. Dieses „bis“ sei erreicht und diejenigen, die weiterhin Bedarf für die Diener haben, die Gott in die Gemeinde eingesetzt hat, seien nur Parasiten (Schmarotzer) an den Betreffenden.
In Vers 15 steht: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ Wer wagt nun zu sagen, dass er dadurch, dass er wahrhaftig war, in allen Stücken zum Haupt hin gewachsen ist, sodass er da am Haupt den Leib Christi überblicken kann und diejenigen als Parasiten bezeichnen, die diese Diener noch in Anspruch nehmen, die Gott selbst in die Gemeinde eingesetzt hat.
Vers 16 erklärt das Ganze: Denn von Christus aus wird der ganze Leib fest zusammengefügt und zusammengehalten und vollzieht durch jedes Glied, das seinen Dienst nach der Wirksamkeit verrichtet, die dem Maß jedes einzelnen Teiles entspricht, das Wachstum des Leibes zu seinem eigenen Aufbau in Liebe.
Beachte „zusammengefügt“ und „zusammengehalten“ wird, das ist Gegenwart. Man vollzieht das Wachstum als Leib und nicht als eine selbständige, isolierte Person. Alles nach der Wirksamkeit, die jedem einzelnen (Glied) zugemessen ist. Hieraus sehen wir, dass die Wirksamkeit zum Wachstum im Leib in größerem oder kleinerem Maß zugemessen sein kann. Wer nun Gegenstand für eine solche Wirksamkeit wird, die sein Wachstum im Leib fördert, kann wohl kaum Parasit genannt werden.
Ich verstehe gut, dass es als Freude empfunden werden kann, sozusagen „selbstständig“ zu werden: denn dann entgeht man der Kontrolle und der Zucht, die die Wirksamkeit der Glieder im Leib ausübt; aber ich verstehe auch, dass diese Selbstständigkeit ein Loch in der Mauer ist, durch das man schlüpft, um sich dem Gericht zu entziehen, das Gott innerhalb der Gemeinde entwickelt. Gegen diese Art von Löchern wird Gott uns Gnade geben, dass wir solche sein können, die die Lücken zumauern, sodass die Freude nicht von langer Dauer sein wird.
Es lohnt sich auf lange Sicht am meisten, dort zu sein, wo man zusammen mit den andern zu einer Wohnung Gottes im Geist heranwächst. Sich auf seelische Weise abzusondern, um „selbständig“ zu werden und Schlupflöcher zu benützen, lohnt sich nie. Daher hat Gott einige in die Gemeinde eingesetzt, um vor der Erkenntnis zu warnen, von der man bei weitem nicht sagen kann, dass sie zur Erkenntnis eines Mannes gehört, der zum Haupt hin hätte gewachsen sein sollen.
Der Leib wächst sein Wachstum zur Auferbauung seiner selbst in Liebe. Diese Liebe im Leib muss eindeutig von der Liebe getrennt werden, auf die sich viele berufen und behaupten, dass sie diese besitzen. Denn das Wachstum im Leib wird in Liebe gefördert. Die sogenannte Erkenntnis hinterlässt einen Geruch von Aufgeblasenheit. Und wenn diese als reine Torheit entlarvt wird, dann liegt es deren Inhaber nahe, unbesonnen zu handeln.
Sei darum verständig – und beweise, wie nahe du durch Demut und den Geist der Sanftmut dem Haupt gekommen bist, denn Gott widersteht den Hochmütigen; aber den Demütigen gibt er Gnade. Die Lehre über Selbstständigkeit und Parasiten zieht weg vom Kreuz, weg von der Gemeinschaft mit den Brüdern, hin zu Verachtung sowohl desjenigen, der in Wort und Schrift unterweist als auch desjenigen, der Unterweisung annimmt. Diese ist darum nicht von Gott, sondern von einem Vater, dem Teufel. Selbst der Engel Michael wagte nicht, ein lästerndes Urteil über Satan zu fällen, sondern sagte, der Herr strafe dich! Mögen wir uns daher sehr davor hüten, unsere Brüder im selben Leib Parasiten (Schmarotzer) zu nennen; denn ich kann es nicht anders nennen als ein lästerndes Urteil.
Durch diesen Brief will ich vor der sogenannten Selbstständigkeitslehre warnen. Wenn du sie aufgibst, ist es gut für dich und uns alle; wenn du aber mit dieser arbeitest und eine solche Lehre verbreitest, werde ich unverzüglich deren weitere Verbreitung verhindern.
Grüße die Geschwister.
Liebe Grüße
Dein Bruder J. O. Smith