(Original fehlt)
Gottes Friede.
Herzlichen Dank für deinen lieben Brief. „So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, usw.“ Eph. 4, 1.
Jeder von uns hat seine besondere Berufung innerhalb des Leibes, der eine so und der andere so. Es geht darum, sich an seinem Platz rein zu bewahren und dort heranzuwachsen. Ich habe oft unter den Brüdern bemerkt, dass in diesen Dingen kein völliges Verständnis vorhanden ist. Ohne dass man selbst darüber nachdenkt, erhebt sich das Fleisch zu einem solchen Maß an Aufgeblasenheit, dass man von sich glaubt, man sei fähig und verständig genug, in die Berufung und Arbeit anderer einzugreifen, um dort gründliche Revisionen vorzunehmen. Diese Art von Unverstand habe ich selbst Mal für Mal zu spüren bekommen. Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf. Denn ihr seid stark, steht von den jungen Männern geschrieben. Doch um dies beten wir, um eure Vollkommenheit. 2. Kor. 13, 9.
Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Man kann in der Kraft seiner Jugend auf den Tisch hauen und von sich meinen, dass man sich nicht scheut, wem es auch sei die Wahrheit zu sagen. Das hört sich mutig, kühn und unerschrocken an, denn das Stück, das man sieht, stellt man in den Vordergrund. Wenn aber das Vollkommene kommt, wird das Stückwerk weggetan. So auch, wenn das Stückwerk als ein Glied in dem Vollkommeneren verwendet werden soll, dann verschwindet das Stück in dem Ganzen. Man glaubt in seinem Eifer für die Wahrheit, sein Stück für sich selbst behalten zu können. Das taugt jedoch nicht, alles muss für das Ganze geopfert werden. Stärke ist gut; aber wenn sich die Stärke der weisheitsvollen Zusammensetzung eines vollkommenen Ganzen widersetzt, dann wird die Stärke, wie stark sie auch zu sein glaubt, von der Kraft Gottes, die sich im Schwachen offenbart, einen Knacks bekommen.
Da ich nun auf solche getroffen bin, die in sogenanntem Eifer stark waren, erwähne ich dies, denn man kann in all seiner Stärke leicht selbstklug werden. Doch bei alledem ist es unweise, sich für so stark zu halten, dass man meint, Väter in Christus nach eigenem Gutdünken einstufen zu können und in ihre Arbeit eingreifen zu können. Ich befürchte, dass man auf diese Weise in seinen übermütigen Gedanken Gott widersteht. Doch wahr ist das: „Wenn ihr auch zehntausend Lehrmeister hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter.“ Ich habe Brüder gerühmt, die kaum reif für all diesen Ruhm waren. Ist mein Vertrauen aber in dieser Hinsicht zu weit gegangen, will ich von nun an auch hierin das Vollkommenere suchen, damit ich soweit wie möglich in allem die Wahrheit treffe. Denn ich gehe wohl kaum zu weit, wenn ich sage, dass ich innerhalb meiner Grenzen in Christus und innerhalb meiner Bereiche und meines Dienstes Aufsässigkeit im Geist bemerkt habe. Doch durch Gottes Kraft – die Kraft, die zugemessen ist – ist alles wieder zum Schweigen gebracht worden. Gegen mich können sie ruhig Sturm laufen, denn was ist ein Mensch? Ich befürchte jedoch, dass sie als Lehrmeister über ihre Berufung hinausgehen. Doch vielleicht sollen manche auf diese Weise niedergebrochen werden, um schwach zu werden. Doch ich glaube es kaum, denn in der Schrift ist uns der Weg der Demut zur Schwachheit vorgegeben.
Am Pol gibt es mehr als genug Licht. Es wächst dort aber nichts, weil es an Wärme fehlt. Man kann gut schlagen und mit der Wahrheit schlagen; das wird auf sie selbst nur zerstörend wirken, wenn nicht die Gnade, die immer der Wahrheit Christi folgt, dabei ist. Erkenntnis ohne Liebe ist ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. – Die Lehre Christi sagt, dass man den schwächeren Gliedern umso größere Ehre erweisen soll. Tut man dies, dann verschwindet der Neid.
Johannes kam, um die Herzen der Väter den Kindern und die Herzen der Kinder den Vätern zuzuwenden. Aber der Geist, der die Herzen der Kinder von den Vätern wegzuziehen versucht, ist von Satan.
In Zion hat Gott einen Stein des Anstoßes gelegt. Ich habe dir dies geschrieben, weil du davon wissen sollst; denn man kann Dinge aufgetragen bekommen, die nicht alle sofort verstehen können. Kann man es aber erst verstehen, wenn es einem lange und oft vorwärts und rückwärts erklärt wurde, dann ist ein voreiliges Urteil nur nach dem Fleisch.
Lebe wohl, lieber Bruder. Deine Fürsorge für die Gemeinde ist mir und anderen zu großer Freude gewesen.
Grüße deine Familie und die lieben Geschwister in Hønefoss.
Dein im Herrn streitender Mitdiener
J. O. Smith