Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1916-11 - Opfere deinen Isaak

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Opfere deinen Isaak

Das durch einen ewigen Geist gewirkte Sterben Christi ist allezeit wirksam, solange Fleisch existiert. Der Geist tauft zu einem Leib und wirkt später Tod in demselben Leib. Die Wirkungen des Geistes zum Sterben im Leib Christi waren für die Jünger so verborgen, dass sie dies nicht verstehen konnten, wenn er darüber sprach. Die Arbeit des Geistes in Christus war noch nicht vollbracht, sodass diese bei andern hätte getan werden können. Es war gut für uns, dass er wegging; sodass der Tröster vom Fleisch Christi freigemacht und gesandt werden konnte, um von dem Opfer zu zeugen, das zur Versöhnung und Erlösung der Welt gebracht worden war.

Jesus litt, als er versucht wurde; und er litt, wenn die Jünger ihn nicht verstanden. Er selbst war das Opfer und konnte durch natürliche Wesen nicht getröstet werden. Gott musste Engel schicken, um ihn zu trösten. Es gab keinen Vorläufer vor ihm; er selbst war der Vorläufer. Deshalb vermochte niemand, ihm den Weg zu zeigen, er selbst wurde der Weg.

Der Weg ist nun gebahnt und bereitet, die Opfer, das Blut, das Feuer, der Trost und die Herrlichkeit liegen im Leib bereit für diejenigen, die nachfolgen wollen.

Paulus konnte sich während seines Opferdienstes darüber freuen, dass er verstanden wurde; und dies ist sofort ein großes Vorrecht. Er schreibt: „Wenn ich aber auch wie ein Trankopfer ausgegossen werden sollte über dem Opfer und dem priesterlichen Dienst eures Glaubens, so bin ich doch froh und freue mich mit euch allen; gleicherweise sollt auch ihr froh sein und euch mit mir freuen!“ Phil. 2, 17-18.

Paulus lebte sein Leben im Leib Christi, er sagt: „Denn Christus ist mein Leben.“ In diesem Leib fand er alles, was zum Leben und zur Gottesfurcht dient. Hier gab es reichlich Trübsale Christi, aber auch den Trost. Er war ein Diener des Geistes; aber der Geist, dem er diente, nahm allezeit von dem, was Christus angehörte. Wenn er dann wie ein Trankopfer ausgegossen wurde über dem Opfer und dem priesterlichen Dienst für andere, konnte er sich über jeden freuen, der mit ihm der gleichen Herrlichkeit teilhaftig wurde innerhalb desselben Leibes, in dem er seinen Dienst für den Geist versah.

Dies war Jesus nicht vergönnt. Um der vor ihm liegenden Freude willen litt er geduldig, und freute sich darauf hinzugehen, weil dann der Tröster kommen und von dem reden konnte, was man in den Tagen seines Fleisches nicht begreifen konnte.

Wir können uns miteinander in der Gemeinschaft des Geistes freuen, Jesus dagegen konnte sich mit niemandem in einer Geistesgemeinschaft freuen; denn der Heilige Geist war noch nicht vom Vater gesandt worden. Dies verstärkte sein Leiden und bestärkte ihn in seinem Wunsch, wegzugehen.

Weil er nun in den Tagen seines Fleisches die Gemeinschaft mit dem Vater ohne uns aufrechterhalten hat, verlangt er gleichermaßen, dass wir alle Gemeinschaft fleischlicher Art aufgeben, um die Gemeinschaft zu erlangen, die er mit seinem Vater hat. Deshalb sagt Johannes: „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit eure Freude vollkommen sei.“ 1. Joh. 1, 3-4.

Will jemand also eine vollkommene Freude haben, dann muss er alle Gemeinschaft fleischlicher Art fahren lassen, um Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus zu gewinnen.

Diese Gemeinschaft wird durch den Gehorsam des Glaubens erlangt und hält uns mit ewigen Kräften mit dem Vater in Verbindung, der verheißen hat, in den kommenden Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte an uns in Christus Jesus zu erzeigen.

Wenn wir dann wie ein Trankopfer ausgegossen werden über dem Opfer und den Glauben anderer als Opfer darbringen, dann tun wir dies, um als Glied in seinem Leib aufzugehen und wir tun dies zu seiner Ehre, der zu seiner Zeit sagen wird: „Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat.“ Denn wenn Christus all diese Herrlichkeit ohne uns hervorgebracht hat und uns trotzdem daran Anteil gegeben hat, dann gebührt ihm auch all unsere Ehre, wie geschrieben steht: „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? […] durch das Gesetz des Glaubens.“ Röm. 3, 27. „Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.“

Paulus brachte den Glauben anderer als Opfer dar. Seine Arbeit war darauf ausgerichtet, Christus eine reine Jungfrau zuzuführen. Er band niemanden an sein eigenes Fleisch, sondern sagte: Wer ist Paulus? Wer ist Kephas? Das heißt, den Glauben anderer als Opfer darzubringen. Diejenigen, die man für Christus gewinnt, soll man zu Christus gehen lassen und sie nicht um Gewinnes willen durch alle möglichen Bande an sich selbst binden.

Man wird es zu spüren bekommen, was Paulus damit meint, geopfert zu werden, wenn man die, die man für Christus gewinnt, ihm opfert. Was man aber hier opfert, das wird man in der Auferstehung wiederfinden. Deshalb sagt der Apostel: „Denn wer ist unsre Hoffnung oder Freude oder unser Ruhmeskranz – seid nicht auch ihr es vor unserm Herrn Jesus, wenn er kommt?“

Im Leib Christi wird man selbst geopfert, und man opfert, was man gewinnt. All dies tun wir, damit das Leben Christi an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. Abraham bekam Isaak durch seinen Glauben; aber durch Glauben brachte er seinen Sohn Isaak wieder als Opfer dar, damit alle fleischlichen Verbindungen, die zeitlich sind, zerbrochen und die ewigen Verbindungen geknüpft würden. Und als einen, der von den Toten auferweckt ist, bekam er ihn wieder zurück – nun nicht mehr als einen zeitlichen Sohn, sondern als einen ewigen, von dem gesagt wurde: „Was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden.“ Hebr. 11, 18.

Wenn man seinen gewonnenen Isaak opfert, dann wird er durch die Handreichung, die Gott gibt, gut behütet im Leib, der die Gemeinde ist. Wird er aber nicht geopfert, dann hat man viel Mühe damit, Gemeinden zu organisieren und Zäune aufzustellen, um ihn gebunden zu halten. Isaak ist zur Freiheit geboren und kann sich als Gefangener unter Wächtern innerhalb einer fleischlichen, selbstgemachten Gemeinde nicht entwickeln. Deshalb sehen wir auch, dass viele von ihnen entfliehen, wenn sie von etwas Besserem überzeugt werden. Ihre Wächter stehen dann stumm vor Schreck da und fragen sich, wie es gehen wird, wenn jene aus ihrer leeren Form und ihrem fleischlichem Schutz freigelassen werden; aber es geht gut. Lass nur Isaak seines Weges gehen. Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib (zu einer Gemeinde) getauft. Eine andere Gemeinde hat Gott nicht geschaffen; die Menschen dagegen haben eine ganze Reihe anderer Gemeinden geschaffen, in denen die gewonnenen „Isaake“ in Parteiungen getrennt und mit Namen versehen sind, entsprechend der fleischlichen Parteiung, durch die sie gewonnen worden sind.

Wir verstehen, dass mehr davon nötig ist: Selbst geopfert zu werden und diejenigen, die man gewinnt, zu opfern.

Manche werden sagen: Aber sollen wir diejenigen, die wir im Herrn gewinnen, nicht behüten? Soll man sie einfach ihren eigenen Weg gehen lassen?

Nein, sondern wir sollen unserem Herrn und Meister auf so eine Weise dienen, dass er an jenem Tage sagen kann: Ich bin nackt gewesen, und du hast mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und du hast mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und du bist zu mir gekommen. Denn es ist das Leben Christi, das erbaut werden soll. Aber weil dieses Leben geistlich ist, kann es nicht durch fleischliche, gutgemeinte Ratschläge erbaut werden. Du musst deinen gewonnenen Isaak opfern, um ihm mit ewigen Werten dienen zu können. Wenn du geopfert bist, kannst du von allen frei sein, um dich für alle zum Diener zu machen. Bist du aber nicht geopfert, dann dienst du nur denen, die du selbst gewonnen hast und die du als dein Eigentum ansiehst, mit all dem Bärendienst, den das Fleisch zu leisten vermag.

Wenn du dich in diesem Spiegel wiedererkennst, dann mache es nicht so, dass du davongehst und vergisst, wie du aussiehst; sondern lass deinen Isaak frei und mach dich frei von allen. Vielleicht kann Gott sich dann über dich erbarmen und dich zu seiner Zeit für seinen Dienst geschickt machen. Denn so, wie es jetzt ist, bindest du mit deinem religiösen, fürsorglichen Streben viele Seelen an deine eigene Person, anstatt sie mit Christus in Verbindung zu bringen.