Das Verborgene soll offenbar werden
„Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, was nicht an den Tag kommen soll.“ Mk. 4, 22.
Ein Mensch, der aus der Finsternis ins Licht kommt, wird erfahren, dass dieses Wort wahr ist; und diejenigen, die in der Finsternis bleiben, werden bei der endgültigen Abrechnung erfahren, dass es wahr ist.
Das, was verborgen wird, wird verborgen, um an den Tag zu kommen.
An dem Tag, an dem das Verborgene an den Tag kommt, wird Gott verherrlicht und werden seine Gerichte gepriesen.
Warum soll denn das Verborgene ans Tageslicht? Wäre es nicht besser, wenn es bis in alle Ewigkeit verborgen bliebe?
Das Verborgene liegt im Bereich der Übertretungen, um derentwillen Christus gestorben ist. Es befindet sich im Bereich des Gerichtes Gottes über Christus als Opferlamm. Wenn nun mit vollem Tageslicht all das beleuchtet wird, wovon zu reinigen Christi Blut Macht hat, wird das Verborgene als Sünde ans Licht kommen; und wer Sachen verborgen hat, wird sein Urteil und seine Schande tragen müssen – sowohl Gott gegenüber als auch den Menschen gegenüber, vor denen er die Dinge verheimlicht hat.
Wenn auch der Mensch, der die Sache verheimlichte, keinen Vorteil davon hat, so wird doch Gottes Macht offenbar, indem er sich als derjenige erweist, der in der Lage ist, das Verborgene zur Schau zu stellen. Seine Herzensgesinnung wird auch dadurch offenbar, dass er durch Christus für das Verborgene Erlösung zurechtgelegt hatte. Aber der Mensch liebte die Finsternis mehr als das Licht und verbarg daher seine Sünde in der Finsternis, bis Gott durch das Tageslicht die Gesetze der Finsternis brach und aus ihren Verstecken all die Bosheit hervorholte, die im Lauf der Zeiten so viel Leiden und Gram für die unschuldigen Wesen verursacht hat, die Betroffene all der Bosheit gewesen sind, die verborgen gewesen ist.
Deshalb, wenn du etwas verborgen hältst, dann lass es jetzt ans Licht kommen, denn die Zeit ist da, dass das Gericht am Haus Gottes anfängt. Nichts, was verborgen ist, kommt ohne Leiden hervor, aber diese Leiden darfst du nicht Christi Leiden nennen, sondern eher Reinigungsleiden. Wenn du sie Christi Leiden nennen willst, dann wisse, dass das seine Leiden sind, um sich den Leib zu erwerben und nicht seine Leiden im Leib zur Heiligung. Wenn du darunter leidest, dass dein Bruder etwas vor dir verborgen hält, dann ist es deine Liebe zu ihm, die leidet; weil sie nicht vollkommenen Widerhall im Herzen bei dem findet, der etwas zu verbergen hat. Dies werden bei dir Christi Leiden; aber wenn dein Bruder sich reinigt, dann ist sein Leiden ein Reinigungsleiden.
Im Lauf der Zeiten ist das Verborgene so viel geworden, dass man glauben sollte, es gäbe nicht genug Finsternis, um es darin zu verbergen.
Sieh nun, welche Kraft im Licht ist, das trotz der Feindschaft der Finsternis, trotz des Verlangens zu verbergen, dennoch vermag, in all diese Feindschaft hineinzuleuchten – und nicht genug damit, sondern auch all das Verborgene hervorzuholen und zu richten.
Diese überwältigende Macht über Satan und seine Finsternis ist etwas von der Macht, die Gott an Christus erzeigt hat, als er ihn von den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten im Himmel einsetzte. Eph. 1, 18-23.
Das Verborgene ist durch den Leib verborgen und hat seinen Ursprung in dem Leib, durch dessen Begehrlichkeit es ausgeführt wurde. Aber durch das Kreuz wird das Verborgene ans Tageslicht gebracht. Der Fürst der Finsternis verliert seine Macht, denn das Tageslicht erträgt er nicht. Im Licht wird dann das Verborgene durch das Blut Christi gerichtet und getötet.
Was ist also zu tun? Lass das Verborgene an den Tag kommen und das Blut Christi wird dich von aller Sünde reinigen.
Aber, sagst du, soll dann alles Verborgene ans Licht und wem soll ich dies offenbaren?
Hierzu kann man antworten, dass Gott selbst sich das Opfer ausersehen wird und auch die Person, die das Opfer schlachten wird. Alles geschieht durch die Wirkungen des Geistes. Wenn du aufmerksam und gehorsam bist, wirst du es verstehen. Tritt aber niemals mit deinen Opfern als Knecht herzu, der sein Leben hinter dem Opfer versteckt hat. Dein Leben soll im Opfer sein, wenn du ein echter Sohn bist.
Nachdem du dich gereinigt hast, wird der Geist der Weisheit zu dir kommen, wie auch Sirach sagt. Mit dem Licht kommt Sieg über die Finsternis, deren Fürst und deren Kinder. Darin liegt die Auferstehungskraft.
In diesem Licht und in dieser Auferstehungskraft kannst du in die nächsten Leiden hineingehen, das sind die Leiden Christi. Dabei bekommt die Sünde im Fleisch ihr Gericht. Diese Leiden sind keine Reinigung von begangenen Sünden, sondern Reinigung von der innewohnenden Sünde oder vom Leib der Sünde.
Die innewohnende Sünde ist nicht durch meine persönliche Sünde hervorgekommen; sie ist von den Vätern geerbt. Deshalb kann von ihr nicht gesagt werden, dass sie verborgen sei; denn alle wagen zu bekennen, dass sich das Gesetz der Sünde in ihren Gliedern befindet. Ausnahmen hiervon sind manche verirrte Menschen, die von sich glauben, dass sie mit aller Sünde im Fleisch fertig seien, und das glauben sie, obwohl sie täglich sündigen.
Deshalb gibt es keine Verdammnis für die ererbte Sünde. Jeder wird nach seinen Werken gerichtet werden. Die Erbsünde ist die Sünde, die vor der Tür lauert und nach mir Verlangen hat; aber wir sollen herrschen über sie. Eine Sünde, über die ich herrsche, ist mein Knecht, Christi Knecht; herrscht die Sünde aber über mich, dann bin ich der Sünde Knecht.
Denk darüber nach. Sei so mutig, dass du zu denken wagst. Gehe nun nicht zum Vorsteher mit der Bitte, dass er für dich denken soll; denn meistens bist du sein Lebensunterhalt, und deine Bande und deine Finsternis sind seine Einnahmen. Wenn der Wolf kommt, dann flieht der Mietling. In deiner geistlichen Not kann er dir nicht helfen.
Lasst uns – so viele von Gott dazu Gnade bekommen haben – helfen, die Gebundenen zu lösen und die Gefangenen in Freiheit zu setzen. Die meisten Gebundenen und Gefangenen werden von den Mietlingen bewacht. Willst du sie befreien, dann wirst du zuerst einen Kampf mit den Gefängniswärtern bekommen; aber sie sind nicht so gefährlich, wie sie sich den Anschein geben. Ein Wort Gottes kann sie binden.
