Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1916-06 - Herrschen im Leben

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Herrschen im Leben

Wo der Tod herrscht, wird das Leben verdrängt; aber wo man im Leben durch den einen, Jesus Christus, herrscht, wird der Tod verdrängt.

„Also auch ihr: Haltet euch selbst dafür, dass ihr für die Sünde tot seid, aber für Gott lebt in Christus Jesus, unserem Herrn!“ Röm. 6, 11. Wir haben in Skj. Sk. viel über das Sterben geschrieben, dass dieses in uns wirksam sein soll und dass wir der Sünde gestorben sein sollen. Ist nun dieser Tod wirksam, dann können wir mit Recht davon reden, dass wir uns dafür halten, dass wir in Christus Jesus leben. Die Folge davon, dass man sich dafür hält, dass man lebt, ist in Verbindung damit zu verstehen, dass man herrscht.

Wer die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen hat, wird herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus. Röm. 5, 17.

Ein Mensch kommt erst zu seinem Recht, wenn er so weit herangereift ist, dass er im Leben herrschen kann.

Was ist damit gemeint, zu herrschen im Leben?

Jeder von uns ist von allen Seiten von Sünde und Gottlosigkeit umgeben. Kannst du Überwinder sein, dann herrschst du im Leben.

Religiöse Heuchler und Pharisäer versuchen von allen Seiten, dich hinterlistig zu ermorden. Kannst du sie mit dem Schwert des Geistes schlagen und ihre Falschheit bloßstellen, dann herrschst du im Leben.

Korah erhebt sich aus Neid in deiner Mitte. Stehst du dann in Verbindung mit Gott, sodass die Erde sich auftut und diese verschlingt, dann herrschst du im Leben.

Sogenannte gebildete Menschen versuchen dich zu überrumpeln und einzuwickeln. Wenn du herrschst im Leben, weißt du, welchen Empfang du jedem bereiten sollst.

Stehst du in Gottes Rat, dann bist du fähig, zu herrschen im Leben. Du wirst selbständig und von solchen braucht man viele; denn es gebührt uns allen, zu dem hin zu wachsen, der das Haupt ist, Christus. Wenn du aber in Verbindung mit dem Haupt stehst, brauchst du keinen Mittler zu suchen, um zu hören, was der Geist in der Gemeinde sagt. Du kannst durch diese Stimme selbst herrschen im Leben.

Hast du aber kein Vertrauen zu dir selbst und wagst nicht, dich auf die Offenbarungen Christi zu verlassen, dann versuche nie zu herrschen. Sirach sagt: „Was du vornimmst, so traue dir selbst; denn auch das ist ein Halten der Gebote.“ Sir. 32, 27 (LUT 1912).

Dadurch, dass du in Christus Jesus herrschst im Leben, siegst du über dich selbst, über die Feinde des Kreuzes und über alle Macht Satans, soweit Gott dich hat erleuchten können.

Aber es ist Treue erforderlich. Etwas Schwäche hier und etwas Nachgiebigkeit dort, sei es aus Höflichkeit oder aus Feigheit, taugen nicht.

Wenn die Mehrheit in der Gemeinde Gottes anfängt, zu herrschen im Leben, kann man die große Offensive erwarten, die allen Widerstand gegen das Kreuz Christi besiegen wird. Die in die Welt gesetzte falsche Freiheitslehre, die durch Heuchelei falscher Lehrer herrscht und erhalten wird, wird den Todesstoß bekommen; und Christi Kraft und Evangelium werden wieder zu ihrem Recht kommen.

Wenn du durch Christus lebst, dann übe dich, auch im Glauben durch ihn zu herrschen.

Deshalb sagt die Schrift: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“ Gal. 5, 25. Das bedeutet dasselbe, wie im Geist vorwärts zu gehen. Hat aber jemand im Geist vorwärtsgehen können ohne Widerstand? Nein! Deshalb muss notwendigerweise derjenige, der im Geist vorwärts geht, durch Jesus Christus herrschen.

Wenn wir durch Jesus Christus herrschen, hat dies zur Folge, dass die Gemeinde zur Mannesreife heranwächst. Eph. 4, 11 ff. Will jemand aber dem Fleisch nach herrschen, dann umgibt er seine eigene Person, seine eigene Zeitschrift und alles, was mit seinem Ich zu tun hat, mit Herrlichkeit.

Die Gemeinschaft in Gottes Gemeinde ist auf Christi Tod und den Wandel im Licht gegründet, sodass der Tod wirksam wird.

Wo das Sterben Christi in der Gemeinde herrscht, da wird auch das Leben herrschen. In solchen Gemeinden wählt man nicht Hirten, Evangelisten, Propheten und Lehrer; denn Gott hat diese bereits eingesetzt.

Nun sagt man dagegen, dass es „biblisch“ sei, so viele wie möglich zusammenzukratzen und in ein Mitgliederverzeichnis einzutragen und danach auf menschliche Weise Personen anzustellen, die Gott in vielen Fällen nie eingesetzt hat.

Wer durch Christus Jesus herrscht, der kommt nie auf solche Torheiten. Gott selbst hat sich seine Gemeinde gebildet. Und wir haben in keinster Weise das Recht, jemanden von der Gemeinde auszuschließen, indem wir eine Gemeinde auf menschliche Weise organisieren. Dass man seinen Schafen auferlegt, sich mit anderen Gemeinden gut zu stellen, ist kein Ausgleich für diesen Unsinn.

Wir haben mehr als genug „Synagogen“, sodass man wohl keine weiteren zu gründen braucht. Aber wer etwas gründen und Personen einsetzen kann, wird ja selbst groß; und dies ist es wohl, was einem am wichtigsten ist. Man verlässt unter großem Bedauern die eine „Synagoge“ und setzt gleichzeitig seinen Fuß in eine neue.

Und so etwas nennt man dann, zu ihm hinauszugehen aus dem Lager.

Nein, außerhalb des Lagers bereitet es einem zu viel Mühe, auf die Schafe aufzupassen. Sind sie aber erst unter hinreichender Aufsicht in eine „Synagoge“ hineingepfercht, dann sind sie da fein verwahrt hinter Schloss und Riegel.

Und so etwas nennt man Freiheit.

Es sollte mich nicht wundern, wenn noch weitere damit anfingen, sogenannte „biblische“ Gemeinden zu organisieren. Es gibt genügend „religiöse Vagabunden“, die überhaupt noch nicht reif für die Freiheit außerhalb des Lagers sind. Was man das Kreuz nicht tun lässt, sollen nun die neu eingesetzten Gemeindewächter versuchen zu regeln.

Wir sehen, dass es viele gibt, die in der heutigen Zeit im Leben herrschen wollen. Aber ob sie alle durch den einen Jesus Christus herrschen, ist eine andere Frage.

Es gibt nämlich welche, die versuchen, über die Gemeinden zu herrschen und sich noch nie als ein nachfolgenswürdiges Vorbild erwiesen haben, sodass sie in Wahrheit sagen könnten: „Folgt meinem Beispiel, wie ich dem Beispiel Christi!“

Man kann sehen, wie Prediger regelmäßig in der einen Stadt bei „Christi Gemeinde“, in einer anderen bei den „freien Geschwistern“ und in einer dritten bei der „freien Mission“ auftreten – je nachdem, wo sie die größten und meisten Vorteile finden.

Heißt das, zu herrschen im Leben?

Für mich sieht es danach aus, dass der Irrtum des Bileam herrscht; auch er lief Gewinn und Ehre nach.

Gott hat in Christi Blut eine Gemeinde hervorgebracht. Schluss damit, Gemeinde auf menschliche Weise zu organisieren. Er hat einige als Apostel, einige als Propheten und einige als Lehrer usw. eingesetzt.

Lasst uns davon befreit sein, auf menschliche Weise jemanden zum Hirten und Lehrer zu bestellen. Und bitte Gott, dass er dich davon erlöst, eine solche Finsternis „biblisch“ zu nennen.

Das Wort „biblisch“ ist als Schlagwort sehr modern. Und man beabsichtigt, damit einen Doppelschlag auszuführen. Zunächst soll es den Gegner, der wirklich und wahrhaftig „biblisch“ ist, unterkriegen. Und danach will man sich selbst auf gleiche Höhe mit aller Torheit emporheben. Auch über diese sollen wir durch die Gnade Gottes herrschen durch den Einen, Jesus Christus. Er lässt sich seine Ehre nicht streitig machen und teilt sie nicht mit Fleisch, welcher Art es auch sei. Ob das Fleisch nun in einer „Synagoge“ gelehrt worden ist, sodass man es als Pastor bezeichnet, oder ob es zum Krieg ausgebildet worden ist, sodass es Kriegsmann heißt, ist beides genauso verkehrt vor Gott. Wir haben nur einen, der Gott ist, aber wir sind alle Brüder.

Manche geben sich selbst das Zeugnis und den Namen „Prediger“, andere „Evangelist“ und wieder andere „Pastor“.

So sieht es aus, wenn das Fleisch herrscht und das Volk verblendet genug ist anzubeißen. Und so eine Torheit nennt man „biblisch“. Möge Gott sein Volk von dieser sogenannten Bibel erretten.

Man maßt sich an, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind. Röm. 2, 19. Und im Gegensatz zu allem, was biblisch ist, will man sich Pastor nennen lassen, gerne auch Prediger oder Evangelist.

Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, dann haben wir Gemeinschaft. Aber nun nennt man es „biblisch“, Gemeinschaft auf menschliche Weise erzeugen und Gemeinschaft zu zerbrechen – ohne daran zu denken, dass der Wandel im Licht die Grundlage ist. Wenn nur der äußere Schein der Heiligkeit in Ordnung ist und der Name im Mitgliederverzeichnis steht, dann ist alles in Ordnung - ja sogar „biblisch“.

Gottes Volk geht von der einen Verrücktheit zur anderen und es sind Personen am Ruder, die all ihre Lebtage nie etwas anderes getan haben, als Schiffe auf Grund laufen zu lassen.

In letzter Zeit sieht es nun sogar danach aus, dass sich die „Bewegung“ so gründlich auf einer Klippe festgefahren hat, dass sie einen Versuch, das Schiff frei zu schleppen, nicht mehr für ratsam hält. Man hat sich jetzt daher entschlossen, auf dieser Klippe zu bauen und zu wohnen; denn da fühlt man sich doch noch am sichersten. Es war fürchterlich während der Fahrt: Dunkelheit, Finsternis und blinde Klippen, schlechte Kenntnis des Fahrwassers, ein Sturm nach dem anderen.

Aber nun ist alles still. Nun kann man in Frieden leben und dem Zeltdienst im Lager nachgehen. Dort draußen war das unmöglich. Nun aber kann man sich nach den Strapazen ausruhen.

Ja, ich möchte raten: Begib dich niemals auf eine solche Segelfahrt, ohne dass du vorher das Navigationsbesteck vorbereitest und dich mit dem Fahrwasser vertraut machst. Es ist gefährlich dort außerhalb des Lagers.

Aber sei auch innerhalb des Lagers auf der Hut; denn die Ruhe ist zwar süß, aber es ist trotzdem „biblisch“, dass ein Mensch, der vom Wege der Klugheit abirrt, in der Schar der Toten weilen wird. Spr. 21, 16.

Es ist gefährlich, wenn man sich, ohne Kreuz und ohne die Schmach zu ertragen, aus dem Lager hinausbegibt.