Der Vater und der Sohn
„Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ Joh. 6, 44. „Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.“ V. 45.
Das Ziehen des Vaters zum Sohn ist ein Ziehen der Gnade, ein Ziehen der Überzeugung, ein Fingerzeig auf das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Die Errettung liegt nicht in diesem Ziehen, sondern sie führt hin zu ihm, der erretten kann, Jesus Christus. Er ist es, der mit Wasser und Blut gekommen ist, d. h. mit der Erlösung selbst. Im Ziehen ist weder Wasser noch Blut, sondern Gottes Eifer für den Geist, den er in uns wohnen ließ und der nur durch ihn, der mit Wasser und Blut kam, freigemacht werden kann.
„Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen.“ V. 57.
Der Sohn lebte durch den Vater; seine Speise war, den Willen seines Vaters zu tun. Der Vater wird außerhalb des Leibes offenbart, denn er ist der Vater des Leibes. Aber er offenbarte seinen Willen dem Sohn, der durch den Vater lebte. Der Sohn nahm den Willen des Vaters und damit den Vater in seinen Leib auf, sodass er sagen konnte: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ Wenn nun der Vater im Sohn ist und der Sohn im Vater, so ist gleichwohl der Vater auch außerhalb des Sohnes; wohingegen der Sohn nie außerhalb des Vaters sein kann. Deshalb kann der Sohn sich dem Vater unterwerfen, aber der Vater kann sich niemals dem Sohn unterwerfen. Der Vater hat nicht nur den Sohn hervorgebracht, sondern auch das, was zur Verherrlichung des Sohnes dienen soll, d. h. alles, was ihn bewusst oder unbewusst als Vater anrufen kann. Das Werk des Vaters besteht auch darin, die Feinde des Sohnes, die sich außerhalb des Leibes befinden, zum Schemel seiner Füße zu sammeln. Weil der Wille des Vaters durch den Sohn in Fleisch eingepflanzt wurde, können wir durch den Sohn leben. Wie der Sohn sich immer im Vater befinden muss, müssen wir uns im Sohn befinden; denn er übertrifft alle Erkenntnis. Außerhalb des Sohnes vermögen wir nichts. Aber der Vater vermag viel außerhalb des Sohnes; denn er vermag, Mächte und Gewalten zu seinen Füßen zu sammeln. Doch diese äußere Macht würde der Vater aufgrund seiner Gerechtigkeit nicht dem Sohn beweisen können, wenn der Sohn die Mächte, die nun später zum Schemel seiner Füße gemacht werden, nicht schon in den Tagen seines Fleisches durch Gehorsam gegenüber dem Vater besiegt hätte. Die äußere Macht des Vaters beruht also auf dem inneren Gehorsam. Niemand kommt zum Vater denn durch den Sohn, und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Zum Vater zu kommen, bedeutet, zum Vollkommenen zu kommen, zur Einsicht in Gottes liebevolle Handlungsweise während des Auferziehens des Lebens des Sohnes zur Erbauung des inneren Menschen – und zur Erkenntnis zu kommen über die Herrlichkeit, die der Vater seinen Geliebten dadurch bereitet, dass er alle Feinde Christi wie Garben für das Feuer sammelt.
Wer den Sohn isst, wird durch ihn leben. Je konzentrierter wir in ihm bleiben, umso zufriedener sind wir, wo wir uns auch befinden. Der Gottlose hat keine Wohnung Gottes in sich selbst, deshalb sucht er äußerliche Erfüllung. Aber da die Erlösung nicht äußerlich, sondern im Fleisch Christi offenbart worden ist, wird das Ziehen des Vaters zu diesem Zentrum hin immer auf den nach außen gekehrten Menschen wirken. Erst wenn man nach innen gekehrt wird, wird das Leben des Sohnes unserem inneren Blick offenbart werden, und damit kommt die Zufriedenheit, die man im Äußeren vergeblich suchte. Darüberhinaus wird das Fleisch, während der Geist zum Zentralen hin strebt, verzehrt.
Doch das Ziehen des Vaters zum Sohn hat auch sein Opfer als gerechten Hintergrund. Wenn dem nicht so wäre, würde der Vater (der Gerechte) nicht von außen nach innen arbeiten können. Da alles, was Opfer heißt, in Christus Jesus gefunden wird, findet man auch dieses Opfer in ihm. Nach der Auferstehung Christi wurde die Verheißung des Vaters, der Heilige Geist, zur Erde gesandt. Dieser Geist war nun gesättigt mit dem Opferblut Christi, weil der Sohn sich selbst durch den ewigen Geist geopfert hatte. Mit diesem Opfer als Hintergrund kann der Vater zum Sohn ziehen und die Welt überführen von der Sünde, der Gerechtigkeit und dem Gericht. Wie niemand zum Sohn kommt als nur durch den Vater, so kommt auch niemand zum Vater als nur durch den Sohn.
Niemand kennt den Vater als nur der Sohn. Dies kommt daher, dass Christus selbst geopfert war. Er hatte keinen Vorläufer, sondern war selbst der Vorläufer. Er ging nicht mit fremdem Blut hinein, sondern durch sein eigenes Blut und erwarb eine ewige Erlösung. Niemand kannte den Vater vor dem Sohn. Er war der Erste. Nun können diejenigen, denen der Sohn den Vater offenbart, ihn kennenlernen. Der Sohn, im Fleisch geoffenbart, ist das zum Ausdruck gebrachte Bild des Vaters. Wer den Sohn sieht, der sieht den Vater; und wer den Sohn hat, der hat auch den Vater.
