Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1916-01 - Elend und jämmerlich, arm, blind und bloß

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Elend und jämmerlich, arm, blind und bloß

Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. Offb. 3, 17.

Die Wahrheit macht frei, auch wenn sie mich angreift. Wir sollten darüber Bescheid wissen, dass wir elend und jämmerlich, arm, blind und bloß sind. Es sieht danach aus, dass es an dieser Erkenntnis in unserer Zeit in höchstem Grad mangelt. Dagegen weiß man bestens darüber Bescheid, dass man reich ist, Überfluss hat und es einem an nichts mangelt. Man wetteifert darin, dies zu bezeugen und der eine sucht, den anderen an Reichtum und Herrlichkeit zu übertreffen. Wie all dieser Reichtum und diese Herrlichkeit ohne Leiden in Christi Gemeinschaft erreicht wurden, ist mir unmöglich, im Heiligen Geist zu begreifen. Doch, wenn ich der Torheit auf den Grund gehe, kann ich es verstehen.

Nimm die Gnade für einen Augenblick weg und Blöße, Armut und Blindheit sind in ihrer ganzen Hässlichkeit da. Wenn Gott dir dein ungeschöntes Bild noch nie hat zeigen können, dann deshalb, weil du nicht ertragen hast, es zu sehen. Aber dass du nicht erträgst es zu sehen, heißt nicht, dass du besser bist, sondern dagegen nur, dass du unwissender bist. Im Überfluss der Gnade dünkt man sich reich und mächtig, aber die Erkenntnis der Armut fehlt. Aus diesem Grund fehlt es auch an der Seligkeit, die in besonderer Weise für die Armen im Geist bestimmt ist. Die Gnade ist flüchtig; sie kommt und geht nach dem Willen Gottes, denn sie ist nicht unser rechtmäßiges Eigentum. Deshalb kann man sich in der Gnade leicht reich dünken und noch nichts von seiner Armut wissen.

Während großer Erweckungen, in denen die Gnade mächtig wirkt, glaubt man von sich, man sei für ewig wohl bewahrt und bereit, in die ewigen Wohnungen zu den Geistern der vollendeten Gerechten einzugehen. Welch ein Betrug! Wenn Gott nach der Erweckung die Gnade wegnimmt, dann teilt man sich in unzählige Parteiungen auf, redet übel voneinander, sucht eigenen Ruhm und Ehre; und das Ganze endet in lauter Elend. Hätte man mitten in der Herrlichkeit der Gnade Erkenntnis über seine Armut gehabt, dann hätte man die Gnade benutzt, um die Herrlichkeit der Gerechtigkeit zu erlangen, die die Herrlichkeit der Gnade so weit übertrifft, wie das Geliehene von dem übertroffen wird, was man sich erwirbt.

Selig ist deshalb derjenige, der seine Armut, sein Elend und seine Blindheit und Blöße kennt. Er rühmt sich nicht seines Reichtums, er rühmt sich nicht dessen, was er zu haben meint. Die Liebe zur Wahrheit ist ihm wertvoller als der Reichtum, selbst wenn diese Wahrheit Armut, Elend, Blindheit und Blöße beinhaltet.

Die Liebe zur Wahrheit zieht es vor, Erkenntnis über die eigenen verborgenen Sünden zu erlangen, als eine Menge Worte zu hören, mit denen man sich bemüht, die Fäulnis zu überdecken.

Es ist unsere Sache, unsere Blöße und Blindheit zu erkennen; und dann wird es Gottes Sache, zu erlösen und Herrlichkeiten zu schenken. Aber wenn Gott Herrlichkeiten schenkt, werden uns diese zum Schaden, wenn wir darin aufgehen und unsere Blöße, Blindheit und Armut vergessen.

Ein Geiziger hat Reichtum vor Augen, aber ein Freigiebiger sucht die Armut.

„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“