Der vergängliche Leib, getrieben vom Geist Gottes – oder von der Sünde
Die Schrift spricht von:
Zu 1. Der Leib der Sünde ist die innewohnende Sünde in Verbindung mit dem Leib. Diese Sünde ist für tot anzusehen, wenn es ihr nicht gelingt, dass unser Sinn ihren Forderungen zustimmt. Der alte Mensch ist mit Christus gekreuzigt, damit der Leib der Sünde zunichtegemacht werde, sodass wir der Sünde hinfort nicht dienen. „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Röm. 8, 10. Die treibende Kraft ist der Heilige Geist, der uns ganz entgegengesetzt zu den Lüsten im Leib führt. Der Leib kommt dadurch in den Tod, weil er seine sündigen Forderungen nicht zufriedengestellt bekommt. Er wird ein Opfer für die Forderungen des Geistes und geht zugrunde. Christus hat sich selbst durch den ewigen Geist als ein Gott wohlgefälliges Opfer dargebracht. Hebr. 9, 14.
Der Leib der Sünde ist jedoch nicht ganz unwirksam. Wo uns Erkenntnis und Licht fehlen und wir nicht lebendig gemacht sind, steht unser Menschengeist in Verbindung mit der Sünde und ist Ursache für etwas, das die Schrift Werke des Leibes nennt. Diese Werke kommen wider unseren besseren Willen und wider unsere bessere Gesinnung hervor, die dem Gesetz Gottes dienen. Darum müssen diese Werke auch durch den Heiligen Geist getötet werden, nachdem sie hervorgekommen sind. Röm. 8, 13. Von diesen Werken sagt Paulus. „So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ Röm. 7, 17. Wenn nun ich es getan habe, warum kann man dann sagen, dass nicht ich es getan habe, sondern die Sünde, die in mir wohnt? Dies kommt daher, dass meine Gesinnung nicht daran beteiligt war; sondern die Sünde in den Gliedern nahm mich, d. h. meine Fleischlichkeit, gefangen und zwang mich, Dinge zu tun, die ich in Wirklichkeit hasse. Denn was vom Fleisch geboren ist, vermag es nicht einmal, dem Gesetz Gottes untertan zu sein.
Nachdem wir nun von neuem geboren sind und den Geist Gottes als Pfand bekommen haben, streitet der Geist gegen das Fleisch und das Fleisch gegen den Geist. Dort, wo mein menschlicher Geist noch nicht lebendig gemacht ist, bekommt das Fleisch die Oberhand und es kommen Werke des Leibes hervor. Aber im Gegenzug kommt der Geist dadurch zu seiner Revanche, dass wir diese Werke durch den Geist töten, sobald sie hervorgekommen sind. Das Licht der Erkenntnis kommt dabei unserer Gesinnung zugute, während wir gleichzeitig durch Gericht, Leiden und Tod allezeit nach dem Fleisch unten gehalten werden. Wenn wir dann über ein solches Werk des Leibes Licht bekommen haben, gehört es zukünftig zum alten Menschen und ist zusammen mit ihm am Fluchholz gekreuzigt, um schließlich im Leib Christi mit ihm zusammen zu sterben.
Es gibt keine Verdammnis für Werke des Leibes; und Paulus dankt sogar Gott durch unseren Herrn Jesus Christus dafür, dass er mit seinem Gemüt dem Gesetz Gottes dient, mit seinem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. Röm. 7, 25. Es kann auch nicht anders sein, denn Fleisch ist Fleisch, solange es existiert.
Doch es besteht Hoffnung, dass der Leib der Sünde zugrunde gehen wird, wenn der alte Mensch gekreuzigt ist. Was ist denn der alte Mensch, kann man fragen. Das ist der Mensch, der wider besseres Wissen nach seinen Lüsten im Fleisch lebte. Nun aber sind wir allem gekreuzigt, von dem wir verstehen, dass es Sünde ist. Aber wo uns Licht fehlt, kommt noch Sünde hervor, doch werden wir für diese nicht gerichtet, weil wir sie noch nicht sehen. Aber auch diese verborgenen Sünden werden durch das Licht, das der Geist über die Werke des Leibes gibt, vor den Blick unserer Gesinnung gezogen und müssen dann durch den Geist getötet werden, damit wir leben werden.
Zu 2. Der Leib des Fleisches ist der Leib, der sich der Sünde im Leib als Werkzeug zur Verfügung stellt. Die Sünde herrscht. Die Werke, die hierdurch hervorkommen, werden im Gegensatz zu den Werken des Leibes als Werke des Fleisches bezeichnet. Die Gesinnung dient dem Gesetz der Sünde, wohingegen sie bei Werken des Leibes dem Gesetz Gottes diente. Die Werke des Fleisches sind daher offenbar, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Gal. 5, 19 ff. Diese Werke können nicht durch den Geist getötet werden; denn wer so etwas tut, hat das Reich Gottes nicht ererbt. Er dient dem Gesetz der Sünde mit seinem Sinn, und die Lust empfängt und gebiert Sünde und Tod. Für die Werke des Fleisches muss eine Abwaschung (Reinigung) stattfinden, eine Vergebung der Sünden. Die Vorhaut des Fleisches muss weggeschnitten werden. Der Leib des Fleisches muss durch die Beschneidung Christi abgelegt und in der Taufe mit ihm begraben werden. Kol. 2, 11-12.
Der Leib des Fleisches tut Werke des Fleisches, die Übertretungen des Gesetzes sind. Deshalb wirkt auch der Fluch des Gesetzes und der Betreffende wird der Sünde überführt, weil er nicht an Ihn glaubt. Ein Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Der alte Mensch ist der Mensch, dessen Gesinnung mit der Sünde im Fleisch verbunden ist und der sich des Leibes des Fleisches bedient. Der neue Mensch dient dem Gesetz Gottes mit seinem Sinn und gibt seinen Leib als ein Gott wohlgefälliges Opfer und als Waffe der Gerechtigkeit hin. Nun soll und kann der alte Mensch abgelegt und der neue Mensch angezogen werden, was gleichbedeutend damit ist, dass die Sünde im Fleisch ihr Urteil und ihren Tod im Leib des Fleisches Christi bekommt; und man bekommt Auferstehungskraft genug, um die Glieder seines Leibes zur Gerechtigkeit zu gebrauchen, soweit man Licht und Leben besitzt.
Eben hierin wird die wahre Freiheit für den Geist offenbart, und das Fleisch wird als Sklave Christi auf seinem Platz gehalten und darf sich nicht seiner Freiheit rühmen.
Zu 3. Der Leib des Todes ist der Leib, der wegen der Sünde, die in ihm wohnt, den Gesetzen der Vergänglichkeit unterworfen ist, ob er nun als Waffe der Gerechtigkeit hingegeben ist oder im Dienst der Sünde benutzt wird. Sterben wird dieser Leib in jedem Fall. Wenn man die Wiederkunft Christi erlebt, wird er vom Leben verschlungen werden. Er soll nach dem Willen Gottes entkleidet werden. Er ist aus Erde, irdisch, und ist wie alles andere in der Natur den Gesetzen der Vergänglichkeit unterworfen. Die ganze Schöpfung seufzt bis zu diesem Augenblick mit uns und ängstet sich. „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.“ Röm. 8, 22-23; 2. Kor. 5, 2. Solange wir uns in unserem Leib befinden, sind wir fern vom Herrn; aber wenn wir den Leib verlassen, sind wir zuhause beim Herrn. Wir sollen beim Schall der letzten Posaune in einem Augenblick verwandelt werden. Dieses Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Und wenn dieses Verwesliche die Unverweslichkeit anziehen wird und dieses Sterbliche die Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt, das geschrieben steht: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ 1. Kor. 15, 52-56.
Wenn man dann am Morgen der Auferstehung den unverweslichen Leib anzieht, dann braucht man nicht mehr wie Paulus zu seufzen: „Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“ Das Sterbliche ist vom Leben verschlungen und alle Lehren über den Leib der Sünde, den Leib des Fleisches und den Leib des Todes verschwinden im Lichtglanz des Herrlichkeitsleibes. Aber solange wir in dieser Hütte sind, hat man diese Lehren Christi nötig, damit man lernen kann, alles auf den richtigen Platz zu verweisen und die Sünde zu besiegen, damit der Herrlichkeitsleib desto herrlicher werden kann. Denn in der Auferstehung der Toten wird der eine den Glanz der Sonne, ein anderer den Glanz des Mondes, ein anderer den Glanz der Sterne haben. Lasst uns Fleiß tun, einen solchen Eingang in Gottes ewiges Reich zu bekommen!
