Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Brief an Elias Aslaksen, 14.10.1914

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
„Valkyrjen“, Trondheim, 14. 10. 1914
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Gottes Friede.

Danke für deinen lieben Brief, den ich gestern erhalten habe. Was Br. Andresen betrifft, hat Aksel ihm geschrieben und ihm Geld geschickt, mit einer Anfrage, wie viel Schulden er noch hat. Er hat eine Postkarte bekommen mit Dank für das Geld; aber Andresen informiert ihn nicht darüber, wie viel Schulden er hat. Diese Karte hat Aksel mir geschickt und du findest sie beigelegt.

Wenn es sich nun so verhält, dann glaube ich, dass es am besten ist, nichts mehr in dieser Sache zu unternehmen. Wir sind Kinder des Lichts und sind nicht Schuldner der Finsternis. Br. Andresen hat sich teilweise geöffnet und ihm ist teilweise geholfen worden; ich glaube, dass dieses Verhältnis im Hinblick auf die Hilfe gerecht sein muss. Ich schrieb hierüber an Aksel. Möge Gott uns in allen Dingen Verstand geben. Br. Pettersen hat die Versammlungen wieder besucht. Würde sich Andresen ganz öffnen, könnte vielleicht auch Pettersen eine ganze Entscheidung treffen. Aber nun ist das Vertrauen halb und das Verhältnis halb. Ältere Leute können nur schwer die Notwendigkeit einer gründlichen Reinigung begreifen. Sie sind in Gewohnheiten verwachsen und fühlen sich auch wohl, wenn nicht alles so rein ist. Wir haben ihm gegenüber jedenfalls eine gute Gesinnung erwiesen und ihm Gelegenheit gegeben, in derselben Spur weiterzugehen; doch ohne Selbsterkenntnis wird ihm nichts helfen.

Es wird also vor weiterer Hilfe noch weitere geistliche Arbeit notwendig sein. Verflucht ist, wer sein Schwert aufhält, dass es nicht Blut vergießt. Mögen wir das Schwert allezeit so gebrauchen, dass es mit Blut gesättigt ist. Der Geist fordert, damit in Verbindung zu kommen; und es ist nur Feigheit, wenn dies nicht geschieht.

Du bittest mich, Andresen zu fragen, wie viel Schulden er hat. Nun hat Aksel das bereits gemacht und keine Antwort bekommen. Wir sollten dann eine Zeit verstreichen lassen, bevor wir die Sache wieder in Angriff nehmen, vielleicht kann er in sich gehen. Aber völlige Gemeinschaft können wir nicht haben, außer in vollem Licht. Er hat hierin seinen schwachen Punkt, und wir dürfen auch nicht verursachen, dass er sich verhärtet. Ich habe ihm nochmals wegen dieser Sache geschrieben und bin einen Schritt weitergegangen, ohne ihn zu fragen, wie viel er schuldet. Vorerst ist also kaum anzunehmen, dass er mehr erträgt.

Er hat ja einen guten Anfang gemacht und wird bestimmt weitermachen, wenn wir in unserem Eifer für ihn nicht zu weit gehen. Wie schwierig das ist, aber wie gesegnet, wenn es gelingt.

Letzten Samstag hatten wir eine sehr gesegnete Bibelstunde in Trondheim. Joh. Olsen war anwesend. Ich sprach von Werken des Leibes und Werken des Fleisches, vom Gesetz des Geistes und dem Gesetz der Sünde und des Todes. Sie hatten noch nie davon gehört. Joh. Olsen versteht alles, hat aber kaum Verständnis dafür, sein Schwert mit Blut zu sättigen. Es wird ihm deshalb wohl kaum gelingen, jemanden zu gewinnen. Möge dieser Dienst bekannter werden; aber es ist wohl „Schone dich selbst“, was einen viel zu großen Einfluss ausübt. Dadurch, dass man das Schwert des Geistes gebraucht, riskiert man alles, ja man wird gehasst; aber im Gegenzug gewinnt man entweder nichts oder alles.

Aksel wird im Herbst die Ehe mit Helga Haanes eingehen. Er hat es als den Willen Gottes empfunden, sie fürs Leben zu erwählen. Dass er sich eine Zeitlang von ihr getrennt hat, hatte geistliche Gründe. Aber sie ist nun in sich gegangen und will Christus nachfolgen. Möge Gott sie beide segnen.

Die Priester im Alten Bund waren als Schlächter tätig; ich glaube, dasselbe haben wir wieder im Neuen Bund. Verstehen wir nicht, das Schwert zu gebrauchen und das Blut hervorzubringen, dann verstehen wir unsere Aufgabe als Priester überhaupt nicht.

Grüße Judith und die Geschwister.

Liebe Grüße, dein Br.

Johan

Adr: Trondheim