Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Brief an Elias Aslaksen, 5.10.1914

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
„Valkyrjen“, Trondheim, 5. 10. 1914
Lieber Bruder Elias Aslaksen,

herzlichen Dank für den Brief und die Karte. Wir liegen nun in Trondheim und bleiben hier bis zum 15. des Monats. Karl ist zum Dienst auf der Oscarsborg einberufen. Er tut Dienst als Beobachtungsposten bei Ellegaardene, ca. ½ Stunde zu Fuß von Drøbak. Er ist oft zusammen mit Aksel und den anderen Geschwistern. Er hat fleißig Briefe geschrieben; Ellefsen erwähnt dies. Skj. Sk. Nr. 9 ist kürzlich erschienen.

Gestern (Sonntag) besuchte ich den (Fisch-) Großhändler Jacobsen. Er ist ein sehr lieber Bruder, der ein beträchtliches Verständnis von Gottesfurcht besitzt. Ich war mit ihm in zwei Versammlungen. Die letzte war bei den „Freien Geschwistern“. Als ich dastand und ein Zeugnis ablegte, kam Olsen aus Brevik herein. Ich nehme an, du erinnerst dich an ihn von einer der ersten Konferenzen, bei der er unter den Geschwistern aus Sarpsborg war. Als er das letzte Mal nach Horten kam, war er in fürchterlichen geistlichen Kämpfen, sodass wir fürchteten, dass es mit ihm schiefgehen würde. Aber jetzt leuchteten sein Gesicht und seine Augen vor Frieden und Glück. Es war eine Freude, ihn zu treffen. Er ist in Nordnorwegen gewesen und hat von Gott Zeugnis abgelegt. Jetzt arbeitet er hier als Schmied.

Sie mögen Skj. Sk. hier oben und aufgrund des Monatsblatts wurde ich schnell bekannt. Aber die Zeit war kurz. Trondheim ist sicherlich eine Stadt, in der man etwas machen könnte. Gott hat uns überall Türen geöffnet. Die Macht, die uns widerstand, ist gebrochen und ständig werden Zeugnisse abgelegt, dass sie Gottes Geist untertan und gehorsam sein wollen. Es ist jetzt eine gute Zeit, um zu arbeiten. Aksel schreibt, dass Helga Haanes jetzt überzeugt ist. Sie hält sich nun zu den Geschwistern in Kristiansand. Ebenso geht Vater viel zu diesen kleinen Versammlungen. Gott ist mit uns, Lob und Dank! Helga Haanes hat in einer Versammlung bei Grøntoft hart widerstanden, wurde dann aber von der stärkeren Macht der Überzeugung überwunden – und sie ließ sich überzeugen. Frau Schwendsens Mann in Drøbak hat 1000 Kr. für einen neuen Saal in Drøbak geschenkt. Er ist nicht bekehrt, aber Gott hat seine Geschäfte gesegnet, seit seine Frau sich bekehrt hat, sagt er. Christi Lehre ist hart, sie fordert viel, aber dafür gibt Gott auch viel.

Nun, da Gott mit uns ist und die Geschwisterschar größer wird, müssen wir unerschütterlich an dem festhalten, was wir von Anfang an als Voraussetzung für Gemeinschaft gefordert haben, nämlich Reinheit. Hierfür sind sowohl du als auch wir alle, die von Anfang an dabei gewesen sind, verantwortlich. Denn du weißt selbst, wie leicht es ist, in gewöhnliche Religiosität abzugleiten, die schließlich in der Versammlung der Toten endet. Nicht die Menge trägt den Sieg davon, sondern die persönliche Gottesfurcht. Besser ein Gottesfürchtiger als hundert, auf die man sich nicht verlassen kann. Möge dies unser zukünftiges Programm sein. Man muss vom Zentrum der Gemeinschaft aus aufmerksam sein, denn die Peripherie vermag das nicht. Ich weiß ja, dass du dies schon lange praktiziert und davon gesprochen hast. Es kann jedoch notwendig sein, einander daran zu erinnern, sodass wir gemeinsam darüber wachen können. Br. Pettersen in Sarpsborg ist wieder zu den Versammlungen gekommen und hat Zeugnis abgelegt. Sie haben wieder „Fremtiden“ gemietet. Dass Br. Andresen sich gedemütigt hat, wird wie ein Sog auf Pettersen wirken und ihn vielleicht ganz gewinnen. Dies ist ein treffender Beweis dafür, dass Reinheit nötig ist, was es auch koste. Gott bekennt sich zu ehrlicher Arbeit und segnet sie. Und wenn wir uns befleißigen, untereinander Langmut, Geduld und Barmherzigkeit zu erweisen, wird die Bruderliebe zunehmen und die Gemeinschaft gestärkt werden.

Grüße die lieben Geschwister. Grüße Judith.

Liebe Grüße

Johan

Adr. Trondheim

Øverby ist zu Gott zurückgekehrt. Er ist zusammen mit Birkeland und Berg. Er hatte sich mit einem weltlichen Mädchen verlobt und ist nun mit ihr verheiratet, was, glaube ich, den Verhältnissen entsprechend richtig war.