Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1914-10 - Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern

Hast du ein anderes Gesetz in deinen Gliedern gesehen? Oder gehörst du zu denen, die glauben, schon hier auf der Erde den Engeln gleich zu sein? Paulus diente dem Gesetz Gottes in seiner Gesinnung, sah aber ein anderes Gesetz in seinen Gliedern. Röm. 7, 23. Dieses Gesetz in den Gliedern, das gegen das Gesetz in meiner Gesinnung streitet, ist uns angeboren. Es liegt in der menschlichen Natur, und wir werden es nicht los, solange wir im Leib sind. Es gibt keine Verdammnis für den, der dieses Gesetz in seinen Gliedern hat, solange es keine Erlaubnis bekommt wirksam zu werden. Aber lebt man nach demselben, wird die Verdammnis kommen.

Unser alter Mensch wurde mit ihm gekreuzigt, damit der Leib der Sünde zunichte gemacht werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen. Röm. 6, 6. Der Leib der Sünde soll zunichtegemacht werden; das Gesetz in den Gliedern soll durch Gehorsam gegenüber Christus Stück für Stück außer Wirksamkeit gesetzt werden. Doch solange das Fleisch existiert, ist es dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn es vermag’s auch nicht. Was wir tun können ist, die Taten des Leibes durch den Geist zu töten, Röm. 8, 13, und so werden wir leben. Diese Werke bahnen sich einen Weg an die Oberfläche und wir vermögen nicht, sie zurückzuhalten, weil das Gesetz in den Gliedern das Gesetz in unserm Sinn gefangennimmt. Aber was ist jetzt zu tun? Nun, wir können diese Werke töten. Das Fleisch kann dem Gesetz Gottes nicht untertan sein; und es kann bewiesen werden, dass man, auch nachdem man Gottes Geist bekommen hat, mit so vielem behaftet ist, was vom Geist nicht für gut befunden wird.

Manche werden dies Knechtschaft nennen. Wenn ich die Werke des Leibes nicht töten würde, wäre ich schnell ein Knecht der Sünde. Aber dadurch, dass ich sie töte, bin ich frei und werde leben. Man kann im ersten Gnadenrausch leben und sich einbilden, dass das Gesetz in den Gliedern weg ist. Die Gnade schmeckt so vortrefflich und ist so überwältigend, dass man bei sich selbst nichts zu richten findet. Das kommt nicht daher, dass man so vollkommen geworden ist. Es ist nur Gottes Gnade. Wenn Gott eines Tages die Gnade zurückzieht, dann wird es trocken und meistens fällt man ab. Dies alles beweist, dass die Gnade kein persönliches Eigentum war. Gott hatte sie aufgrund des Opfers Christi gegeben, aber er nimmt sie zurück, wann er will, besonders wenn er sieht, dass der Mensch in der Gnade nur prasst und schwelgt. Paulus hatte auch Gnade bekommen, aber die Gnade Gottes an ihm war nicht vergeblich. Dagegen scheint die Gnade Gottes an vielen in unsern Tagen ganz vergeblich gewesen zu sein. Ganze Versammlungen jubeln in den Erweckungszeiten in der Gnade. Aber sobald Gott im Gegenzug Gehorsam verlangt, versagt man. Es geht gut, solange Gott gibt, wenn er aber etwas verlangt, dann ist es vorbei mit dem Jubel. Und oft ist es dann so, dass das Gesetz in den Gliedern sich zu regen beginnt, das Gesetz, von dem man unter dem überschwänglichen Jubel der Gnade glaubte, es für ewig los zu sein. Die Lehre darüber, dass man vom Gesetz in den Gliedern los ist, bekommt auch den Todesstoß. Aber aufgrund der Heuchelei falscher Lehrer hält man an diesem Unsinn fest, ja selbst noch lange, nachdem man angefangen hat, den Gesetzen der Sünde und des Todes zu dienen.

Haben wir ein anderes Gesetz in den Gliedern, so lasst uns diesem in die Augen sehen und einen gesetzmäßigen Kampf dagegen aufnehmen. Schon lange hat man sich eingebildet, es los zu sein. Aber solange der Mensch bald in die eine, bald in die andere Sünde fallen kann, wagen wir mit Paulus festzustellen, dass dieses Gesetz in den Gliedern wirksam ist.

Was ist also zu tun? Ja, wir müssen die Werke des Leibes durch den Geist töten. Aber nun kommt die Frage: Was sind Werke des Leibes? Nachdem sie durch den Geist getötet werden sollen, können es keine guten Werke sein. Sie haben ihre Wurzel im Fleisch, sind aber ganz und gar nicht dasselbe wie Werke des Fleisches. Was steht von den Werken des Fleisches geschrieben? Nun, sie sind offenbar wie zum Beispiel: Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit, Götzendienst, Zauberei usw. Gal. 5, 19. Glaubt jemand, dass diese Werke durch den Geist getötet werden können? Nein, die Menschen die solche Werke tun, haben Gottes Geist nicht bekommen und können sie daher selbstverständlich auch nicht durch den Geist töten. „Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ V. 21. Diejenigen aber, die die Werke des Leibes durch den Geist töten, haben ja schon Gottes Reich geerbt, denn sie haben den Geist und werden leben.

Wenn man nun den sündigen Begierden nicht gehorcht und die Werke des Leibes durch den Geist tötet, dann wird der Leib der Sünde schließlich zugrunde gehen. Die Sünde im Fleisch bekommt ihr Gericht. Im Fleisch vermochte das Gesetz nicht, der Sünde beizukommen; aber nun hat Gott die Sünde in Christi Fleisch verdammt, Röm. 8, 3, und jetzt ist er durch das Blut Christi dabei, sie in unserem Fleisch zu verdammen. Groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott geoffenbart im Fleisch. Hierdurch bahnte er einen Weg, indem er das Gesetz der Sünde in den Gliedern verdrängte und stattdessen die ganze Fülle der Gottheit in den Leib pflanzte. Diese Fülle ist nun dabei, uns zu erfüllen, und von ihr haben wir alle Gnade um Gnade bekommen.