Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Brief an Elias Aslaksen, 13.09.1914

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
„Valkyrjen“, den 13. September 1914
Lieber Bruder Aslaksen,
Gottes Friede.

Nun habe ich einen Brief von Bruder Andresen aus Sarpsborg erhalten. Er öffnet sich, wie du siehst, und sagt, wie es ist. Es ist nicht so einfach für ihn. Doch es ist wahr, wie er sagt, er wurde aufgrund der Verhältnisse genötigt, sich der Dinge anzunehmen. Gott kennt sein Herz und hat ihn in seinem Dienst gebraucht. Es muss hart für ihn gewesen sein, meinen Brief über diese Angelegenheiten mitten in der Versammlung vorzulesen, für die er zum Vorsteher gesetzt ist. Wenn er es dennoch getan hat, dann zeigt das, dass er sich selbst hintenan gestellt hat, um Wahrheit und Recht den ersten Platz zu geben. Eine solche Gesinnung ist recht vor Gott. Von der Aussprache, die danach folgte, wissen wir ja nichts.

Ich schicke dir diesen Brief vom 8. 8. (soll 8. 9. 14 sein), da du nach einem Brief von Br. Andresen gefragt hast. Ich bitte dich, dass du diesen Brief an Aksel schickst mit der Bitte, ihn an mich zurückzusenden. Aksels Brief aus Kristiansand liegt auch bei; bitte schicke diesen an Br. Ellefsen, Adr.: Kanonenboot Viking, Vardø.

Ich möchte dich fragen, was du meinst: sollen wir eine Einsammlung in Gang setzen, um Br. Andresen zu unterstützen? Ich bin geneigt zu glauben, dass das richtig ist. Kannst du diesen Gedanken bitte an Aksel weitergeben, wenn du ihm den Brief von Andresen schickst?

Adr. ab 16. 9. ist Aalesund.

Wir erkennen aus Andresens Brief, wie das Christentum um uns her aussieht. Das ist etwas Schreckliches. Wie dankbar wir Gott sein können, dass er uns in seiner großen Gnade vom Weg der Ungerechtigkeit weggeführt hat, und dass dies in unserer Jugend geschah. Wie wir doch Furcht davor haben müssen, unsere Wege zu besudeln und das Fleisch zu pflegen. Hier gibt es nahezu jeden Tag Auseinandersetzungen im Geist und Kämpfe. Es ist nicht einfach, mit den Menschen zu tun zu haben. Und besonders schwierig ist es, das militärische Kommando über widerspenstige Menschen zu führen und dennoch jederzeit dem Geist nach auf der richtigen Seite zu sein. Man wird versucht, dieses und jenes durchgehen zu lassen, denn selbst diejenigen, die über uns gesetzt sind, tun dies in aller Stille. Aber auf Dauer gesehen erzeugt dies in dem Maß Verfall und Faulheit, dass der Dienst von selbst ruiniert wird. Einige müssen für zwei arbeiten, andere machen so gut wie nichts. Über diese Ungerechtigkeiten kann unser Inneres ergrimmen, und genau hier bricht der Kampf los. Bis hierher ist es gegangen und es geht wohl auch künftig; doch wir bekommen zu spüren, dass die Menschen prahlerisch sind, selbstsüchtig, ungehorsam u.v.m. Doch dies dient wohl auch zur Ausbildung unseres Geistes. Es ist eine harte Schule; eine Schule ist es aber dennoch, da denen, die Gott fürchten und lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Ich habe dir schon vor ein paar Tagen einen Brief geschrieben. Ich nehme an, dass du diesen bekommen hast.

Liebe Grüße.

Dein Bruder in Christus Jesus

Johan