Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1914-08 - Die Gebote des Herrn

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Die Gebote des Herrn

„Ich bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.“ Ps. 119, 19.

Unter dem Eindruck, dass man nur ein Gast auf Erden ist, hat man Lust zum Gebot des Herrn. Ist man als geistlich Armer unter Reichen und Satten im Geist, wünscht man sich weit fort. Die Reichen und Mächtigen tischen allezeit einen Überfluss an fetten und üppigen Speisen auf. Davon spricht und singt man. Ich habe versucht, von diesen Speisen zu essen, habe aber leider herausgefunden, dass sie nur Leere und Trug sind. Es ist Luft, es sind hohle Phrasen, Einbildungen und Träume von Herrlichkeiten, die nicht existieren. Es sind Versprechungen von Freiheit unter der Knechtschaft der Sünde, große Worte von Reichtum unter Armut, Blindheit und Blöße. Offb. 3, 17.

Die Gebote des Herrn nennt man Knechtschaft und Annäherungen an die Welt Freiheit. Aber was sagte der Mann, der nach dem Herzen Gottes war:

„Ich werde wandeln in weitem Raum; denn ich suche deine Befehle.“ Ps. 119, 45. „Ich will mich erfreuen an deinen Geboten, die ich liebe.“

Wenn wir dahin gekommen sind, dass wir uns an den Geboten des Herrn erfreuen, dann sind seine Gebote keine Knechtschaft mehr. Aber für den, der sich nach dem Fleisch in Geldliebe und an den Gütern dieser Welt ergötzt, für den sind die Gebote des Herrn Knechtschaft und Weltlichkeit ist für ihn Freiheit.

„Dein Gebot macht mich weiser, als meine Feinde sind; denn es ist ewiglich mein.“ V. 98.

Die Zielstrebigkeit und das energische Eindringen in den Willen und die Gesetze Gottes, die zu Weisheit führen, hat man gegen phlegmatisches und widerlich oberflächliches Geschwätz über einen Haufen Versprechungen und Verheißungen eingetauscht und glaubt, diese empfangen zu haben, ohne dass man eine einzige Bedingung erfüllt hat.

Man glaubt bei sich selbst, man könne alles bekommen, was in Christus ist, ohne mit ihm den Kelch zu trinken, indem man sagt: Christus musste in den Tagen seines Fleisches leiden, aber wir sollen nur genießen, Christi Aufmerksamkeit war immer darauf gerichtet, den Willen Gottes zu finden, damit es uns erspart bliebe, uns auch nur im Geringsten anzustrengen. Nein! Er ist der Weg geworden, damit wir ihm nachfolgen und auf diesem Weg wird man davor verschont, unter süßen Träumereien vor sich hin zu schlafen.

Die ganze „Bewegung“ ist beim Träumen von Freiheit eingeschlafen. Das Kreuz Christi betrachtet man nur als Störfaktor. Ihren Fortschritt gibt es nicht mehr, weil sie das Gebot des Herrn verworfen haben. Die Welterweckung existiert nicht mehr.

„Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer; denn über deine Mahnungen sinne ich nach.“ V. 99.

Ja, selig ist der Mann, der „seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und alles, was er tut, gerät wohl.“ Ps. 1, 2-3.

Der Weg zur Weisheit, zur Klugheit und zum Glück liegt also darin, dass man über die Befehle des Herrn nachsinnt. Im Gegensatz dazu liegt der Weg zum Abfallen darin, dass man Tag und Nacht darauf aus ist, herauszufinden, wie der Weg freier, breiter und bequemer werden kann.

Ein Kind, das Lust zur Gottesfurcht hat, versteht dies. Aber viele von denen, die sich der Geistestaufe und der Gnadengaben rühmen, können diese einfachen Wahrheiten nicht fassen. Ihre Augen sind trüb geworden, und ihre Leiter fragen mehr danach, was sie im Geldbeutel haben, als danach, was sie im Herzen haben.

Doch für die von Herzen Aufrichtigen wird Licht aufgehen; und der Gerechte wird aus der Gewalt des Totenreiches befreit.

Anmerkung: Eine Reihe von Briefen von JOS an seinen Bruder Aksel ist im Lauf der Jahre auf die eine oder andere Weise abhanden gekommen. Man sieht dies am Datum des folgenden Briefes. (Anmerkung der Herausgeber der Briefe von J. O. Smith, 1949.)