Gottes Friede.
Ich sehe aus Aksels Brief, dass du von Dänemark aus nach Kristiansand kommst. Ich bin nun mitten in der Kriegsmaschinerie und in der Regatta der Europa-Woche. Wenn auch der Körper darin anwesend ist, so ist doch der Sinn abwesend. Der Sinn möchte am liebsten dem Geist folgen und den Zustand verbessern. Der geistliche Zustand eines Menschen kann als permanent und als die individuelle Grundlage für geistliche Stärke bezeichnet werden. Man kann diesen weder ermahnen noch tadeln. Er ist erworbenes Leben und erworbene Kraft. Wir können jedoch als bewusste Wesen gelobt oder getadelt werden, je nachdem, wieweit wir in unserem sterblichen Fleisch den Tod oder das Leben wirken lassen.
Ebenso kann man auch nicht den Sündenleib angreifen, aber man kann den alten Menschen gekreuzigt halten und dann wird der Leib der Sünde zunichte werden. Wo sich die Sünde im Leib vollkommen und ganz mit dem Sinn vereinen kann, entsteht der „Mensch der Sünde“ (Antichrist). Wo aber der Wille Gottes durch Glauben in allen Bereichen ausgeführt wurde, wurde Christus offenbar, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt.
Es ist absolut nötig, zu leiden und getröstet zu werden, um trösten zu können. Denn eine in der Wahrheit und im Gehorsam leidende Seele wird nie durch etwas anderes getröstet als durch den Trost, den ein anderer unter gleichen Bedingungen erfährt. Lehre über Trost ist hohl und verdoppelt den Schmerz und vergrößert den Abstand.
Wir sollen aber nicht Trost um des Trostes willen suchen, sondern um unserer Schwachheit willen, damit wir im Feuer nicht gar zugrundegehen. Denn dort, wo kein Trost zu finden ist, führt Gott die größte Arbeit aus. Doch wer hat ein solches Maß an Schwachheit erreicht, dass der Tod ein Trost ist?
Das Vollkommenste ist, die Wahrheit ohne Gnade zu ertragen. Wenn die Gnade aber nicht vergeblich ist, dann wird ihr Trost das Leben bis zum Tod aufrechterhalten, sodass der „Zustand“, solange wir hier im Leib sind, entwickelt werden kann und der Sündenleib vertrieben wird vom Leben Christi. Würde dieses Verhältnis von Gnade und Wahrheit unausgewogen, würde der Mensch sich verhärten und die Erlösung wäre nicht vollkommen. Doch was ist Gnade ohne Gottes Langmut? Diese Langmut hört auf am Tag der Rache, der über alle diejenigen kommt, bei denen die Gnade vergeblich gewirkt hat. Denn wo die Gnade vergeblich wirkt, wird die Rache nicht vergeblich wirken.
Lass daher unseren Lauf nicht vergeblich sein, sodass wir von der Rache eingeholt würden. Denn Gnade und Rache sind von ein und demselben Herrn ausgesandt und beide werden diejenigen einholen, zu denen sie gesandt werden.
Lass uns den geistlichen Zustand Stunde um Stunde entwickeln, denn in diesem sind der Inhalt unseres Lebens und der Lohn für unsere Mühe verwahrt.
Das Leben an Bord ist Trübsal nach dem Fleisch, ist aber immer zu großem Segen für mich gewesen. Gott steht bei und lenkt die Herzen so passend, dass jeder Einzelne das Seine zu unserer geistlichen Ausbildung beiträgt.
Grüße zuhause. Grüße Aksel und sei selbst in der Gemeinschaft des Geistes herzlichst gegrüßt.
Dein Bruder
JohanAdr.: „Valkyrjen“, Horten.
