Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an die Eltern, 2. Juni 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 2. Juni 1908
Liebe Eltern,

ich sitze nun an Bord der „Sleipner“ und habe nur dieses Papier, auf dem vermutlich Johanne Lovise oder Christian mit dem Bleistift herumgekritzelt haben. Gott steht mir von Tag zu Tag mächtig bei. Gewiss leben wir im Getümmel, aber ich brauche dies vermutlich, um so ausgebildet zu werden, wie Gott mich haben will. Alle Dinge dienen uns zum Besten. Der Ton kann keine Meinung darüber haben, wie er bearbeitet werden soll. Wir haben nur alles als von Gott anzunehmen, sei es nun Böses oder Gutes. Denn wir können sicher sein, dass er alles zum Allerbesten für uns macht, auch wenn er mit uns außerhalb der Reichweite unserer Sicht und unseres Verstandes arbeitet. Denn gerade dadurch, dass er uns dort bearbeitet, wo wir noch nicht fassen können, wozu es dienen soll, beweist er, dass er so viel größer ist als wir. Hierdurch verstehen wir auch, dass wir sein Werk sind, geschaffen in Christus Jesus (dem Leib) zu guten Werken. Zu diesen Werken werden wir ausgebildet und Gott ist es, der zuerst das gute Werk mit uns tut. Der da heiligt und die da geheiligt werden, sind alle von einem (Gott). Darum schämt er sich nicht, uns Brüder zu nennen. Dass aber Gott einen Menschen zu guten Werken tüchtig macht, ist bereits ein gutes Werk. Gottes Werk wird bewährt und ist fertig, wenn wir es ausführen. Daher ist jedes gute Werk zuvor von Gott selbst bereitgelegt und wir haben darin zu wandeln. Doch all dies ist zuerst in Christus selbst gewirkt worden. Darum ist der ganze Leib zuerst in Christus Jesus vom Geist Gottes durchpflügt worden. Aber hierdurch hat der Teufel die Schlacht an jedem Punkt innerhalb des Leibes verloren und hat weichen müssen, um dem Geist Gottes Raum zu geben, der nun leibhaftig in Christus wohnt. Er ist der schöne Morgenstern für den Neubekehrten und hellichter Tag für den Vollkommenen und alles in allen für alle. Er ist ein kalter Planet für den, der unter dem Gesetz ist, denn er hat selbst unter dem Gesetz gelebt. Er ist ein selbstleuchtender Fixstern für den, der mit ihm gekreuzigt ist, und nimmt für den Vorwärtsschreitenden an Glanz zu. All dies findet man in derselben Person. Christus hat all das Veränderliche in seine eigene Person hineingelegt, um alles zum Unveränderlichen zurückzuführen, zu ihm, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Daher ist der Mittler nicht nur für einen, Gott aber ist einer. Wir aber, die wir uns auf dem Weg befinden, sind den Gesetzen der Verwandlung in Christus unterworfen. Wir werden in das Ebenbild Christi von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandelt. Derjenige aber, der verwandelt werden soll, kann nicht den beurteilen, der ihn verwandeln soll. Daher sollen wir geduldig leiden und unsere Seelen Gott anbefehlen und dabei das Gute tun.

Es gibt jetzt in diesen Tagen nach der letzten Ausgießung des Geistes eine Menge Feinde des Kreuzes Christi. Wenn wir die Freude mit Christus teilen wollen, dann müssen wir uns befleißigen, uns auch nicht dem Leiden mit ihm zu entziehen. Man soll sich diejenigen merken, die nur von ihrer Geistestaufe leben und nicht mit Christus leiden wollen, denn ihr Ende ist das Verderben und ihr Gott ist der Bauch. Man darf nicht alles akzeptieren, womit solche aufwarten, denn ihre engsten Verwandten befinden sich ihnen voraus in der falschen Freiheit. Ihr Jubel ist abstoßend und ihr „Halleluja“ ein Misston für die Ohren. Jeder Einzelne muss sich über diese Dinge selbst seine Meinung bilden, aber das, was man sieht, muss man verkündigen.

Die kleine Johanne kann nicht so richtig verstehen, was nun eigentlich mit mir los ist, denn eine Zeit lang bin ich zuhause und dann bin ich wieder weg. Sie sagte zu ihrer Mutter: Der Papa ist komisch. Genauso hat sie zu mir gesagt: Du bist komisch, du Papa. Sie hat mich sehr lieb und fällt mir um den Hals, sobald ich mal wieder an Land komme. Kristian ist besonders geschickt und verständig, aber er hat immer noch Verstopfung. Rakel lächelt und lacht uns an. Berg ist in England und fährt privat als zweiter Steuermann mit der D/S Union. Ellefsen ist beurlaubt und hat eine Stelle als Technischer Zeichner in der Nähe von Mjøsen. Die Versammlungen gehen ihren gewohnten Gang. Gott gebraucht einen Marinematrosen (einen verheirateten Mann mit einem festen Stand), um die Versammlungen zu leiten. Er hat eine außergewöhnlich große Weisheit von Gott bekommen, sodass ich meistens ganz erstaunt über ihn bin. Niemand kann sich mit ihm an Einsicht messen. Nur ist er jung auf dem Weg (1 Jahr).

Liebe Grüße von Sohn und Bruder mit 4. Mos. 31, 23. Euer

Johan