Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 26. April 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 26. 4. 1908
Lieber Bruder Aksel,

Gottes Gnade und kostbarer Friede werde dir vielfältig zuteil in der Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi. Ich habe nur noch dieses Papier; es ist nicht schön, aber das ist dir ja nicht wichtig.

Br. Th. Plum kam am Gründonnerstag und war 8 Tage hier. Sein Sohn war dabei und fuhr wegen der Schule früher zurück. Sie wohnten hier im Hotel. Br. Plum war ein liebenswerter alter Mann. Wir hatten am Karfreitag ein kleines, nettes Fest. Am Ostermontag waren wir in Moss, wo wir extra gute Versammlungen hatten. Ansonsten waren wir hier bis auf den letzten Tag, an dem wir Plum nach Kristiania begleiteten, wo sich Agnes Thelle, Schwester Gregersen, Thorborg, Frau Barratt, Frau E. Andersen mit ihrem Mann, Severin Larsen aus Fredrikshald, Kristoffersen, Kristian Olsen (Holmsbo) u.a. im Hotel Augustin in der K. J. Straße versammelt hatten. Erik Andersen, Kr. Olsen waren drei Tage hier, bevor wir nach Kristiania fuhren. Br. Plum hatte viele Eisen im Feuer und besonders stark brannte die Frage in seinem Herzen, ob er jemanden finden könnte, der mit ihm zu seinen Gemeinden umherreisen würde.

Wir waren beieinander und unterhielten uns, aber seine Gedanken waren überall, sodass wir aus unserem Zusammensein nicht das herausbekamen, was wünschenswert gewesen wäre. Ich glaube, er muss allem absterben, um volle Klarheit zu bekommen, denn völlige Ruhe in Gott hat er nicht. Er war sehr freigiebig; in Kristiania verschenkte er für 72 Kr. Bibeln und teilte eine Menge Geld aus. Br. Kristoffersen wird nach Kopenhagen kommen und dort arbeiten, sobald er im Juli die technische Schule abgeschlossen hat. Er wird 100 Kr. im Monat bekommen. Ich habe von meiner Seite aus mein Bestes getan für Br. Plum, aber ich bin mir sicher, dass ich für ihn ein Rätsel war und bin. Nie zuvor habe ich so deutlich bemerkt, dass ich völlig ungeeignet bin, mit Leuten zusammen zu sein. Gott muss mich in Stille für sich selbst haben, ich habe nichts mit Leuten im Allgemeinen zu tun, da ich völlig ungeeignet bin, mit ihnen umzugehen. Wenn ich Menschen gefällig sein wollte, würde das bedeuten, von Gott abzufallen. Darum verstand ich gut, dass zwischen Br. Plum und mir eine Kluft war, und dasselbe empfand er wohl auch. Diese Kluft auszugleichen, hätte bedeutet abzufallen. Ich habe Plum um nichts gebeten, aber er hat mir angeboten, gleich für 6 Monate nach Kopenhagen zu kommen, was ich ablehnte, da ich jetzt zur See soll. Dennoch könnte es sein, dass ich im Herbst für 3 Monate Dienstbefreiung beantrage, um dorthin zu fahren und an der Zeitschrift mitzuarbeiten. Dafür dürfte ich frei wohnen.

Meine Aufgabe ist es, vor Gott zu stehen und sein Werk auszuführen. Es ist überhaupt nicht gesagt, dass alle, denen man begegnet und die von weither kommen, um Salomos Weisheit zu hören, das Zeugnis annehmen können oder wollen, das Gott uns gegeben hat, dass wir es bezeugen sollen. Es ist auch nicht so einfach unter solchen Umständen. Doch Gott, der mächtig ist, uns aus allen Schwierigkeiten zu befreien, gab mir, auch diese Sache mit Ruhe zu nehmen.

Schwester Agnes Thelle erwartete bestimmt auch, dass jetzt etwas daraus würde; aber Gott weiß es immer auf andere Weise zu regeln, als wir es uns vorstellen. Daher konnte ich auch diese Erwartung ruhig entgegennehmen.

Es ist mit dem Tod verbunden, ins Heiligtum hineinzugehen. Man erwartet, dass man dort hineingeführt wird, ohne dass es durch den Tod geht. Daher wird man Mal für Mal enttäuscht. Aber man muss weitermachen, bis man es lernt. Es gibt viele, die im Alltag mit Jesus reden, aber deshalb werden sie nicht gleichzeitig ihm gleich. Will man ihm gleich werden, muss man sein Kreuz aufnehmen und ihm nachfolgen. Gewiss können die Herzen anfangen zu brennen, wenn einem die Schrift geöffnet wird, aber man kehrt bald zu seinen gewohnten Gefühlen zurück.

Es war ein wunderbares Zusammensein dort im Hotel in Kristiania. Agnes Thelle weinte und sprach über ihren Abschied von den vielen lieben Geschwistern. Sie winkten, solange sie uns sehen konnten. Wir fuhren nämlich mit der D/S Dronning Maud nach Horten und Br. Plum fuhr weiter nach Kopenhagen. Er versammelte etliche Geschwister, die sonst keine Gelegenheit bekommen hätten zusammenzukommen. Erik Andersen hatte ein ganzes Jahr lang daran gedacht, dass du geeignet sein würdest, die verschiedenen Gemeinden zu besuchen. Br. Plum war auch dieser Meinung. Ansonsten haben wir nicht über Personen gesprochen, sondern nur über die Notwendigkeit, dass Väter in Christus (Hirten und Lehrer) hervorkämen, an denen ein so großer Mangel besteht. Br. Plum war an einem der letzten Tage drauf und dran, dir deswegen ein Telegramm zu schicken, doch ich habe ihm davon abgeraten, da es schon recht knapp war – kurz vor der Abreise.

Gott möge unsere Wege nach seinem Ratschluss lenken. Er versteht am besten, was wir brauchen. Nun ist es langsam so weit, dass ich wieder auf See hinaus soll. Es gibt viele Dinge, die von uns entfernt werden müssen. Wir sind noch nicht so weit fertig, wie wir es gerne hätten, aber Gott behandelt uns Schritt für Schritt. Es gilt, dem Geist in jedem Punkt in unserem Leben gehorsam zu sein, denn erst dann hat man Kraft. Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, nicht in der Lehre über Freimachung und Geistestaufe, sondern in Kraft. Die Kraft ist es, die arbeitet. Es ist nutzlos, sich aller seiner Segnungen zu rühmen, wenn man nicht weiterhin ein Geweihter des Herrn ist. Man muss sich auch von der toten Welt rein bewahren, selbst wenn es die eigene Verwandtschaft nach dem Fleisch ist. Denn wir sind jetzt Christi Verwandtschaft und Abrahams Nachkommen geworden, indem wir mit einem Geist zu einem Leib getauft sind. Dieser Leib aber ist Abrahams Same. Wir sind Fleisch von seinem Fleisch. Unsere Leiber sind Christi Glieder. Wie viele nun nicht mit diesem Geist getauft sind, gehören nicht zum Leib und sind auch nicht Abrahams Kinder, selbst wenn sie geborene Juden sind.

Nun will ich für dieses Mal schließen mit herzlichen Grüßen an euch alle mit 3. Mos. 20, 26.

Dein Bruder

Johan