Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 10. Januar 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 10. 1. 1908
Lieber Bruder Aksel,

vielen Dank für deinen lieben Brief. Es war auch wohltuend, deine Artikel im „Missionæren“ zu lesen. Es ist immer gut, Mitstreiter für die Wahrheit zu sein. Ich hatte zuerst nicht vor, „S. F.“ zu antworten, aber als „Kristoffer“ mit etwas kam, das denselben Geschmack hatte, hielt ich es für nötig, etwas mehr darüber zu schreiben. Ich hatte meinen letzten Artikel schon weggeschickt, als ich deinen letzten Artikel im „Missionæren“ entdeckte. Ja, ich musste mich sehr zügeln, um so vorsichtig zu antworten; denn ich fürchtete, dass der Artikel nicht abgedruckt würde, wenn ich richtig mein Herz über „den Humbug“ ausgeschüttet hätte. Wenn man klar sieht, kann man klar reden. Aber wenn man verschwommen sieht, dann redet man auch verschwommen. Wer in der Sicht fehlt, wankt im Urteil. Aber deutliche Sicht gibt deutliches Urteil. Es gehört etwas dazu, sich dort oben im Lampenlicht zu bewähren.

Trygve und Magna Berg reden beide in Zungen und legen aus; sie sind 12 beziehungsweise 10 Jahre alt.

Was deinen Brief angeht, muss ich sagen, dass du auf das, was ich schrieb, sehr verständig und bescheiden geantwortet hast. Doch obwohl du dir nichts bewusst bist, wie du es nennst, so war sich auch Paulus nichts bewusst, aber damit war er nicht gerechtfertigt. Auch er war nicht von sich selbst aus tüchtig, sich etwas anzurechnen als von sich selbst, sondern seine Tüchtigkeit kam von Gott, 2. Kor. 3, 5. Es ist die Tüchtigkeit, die von Gott kommt, von der wir ab jetzt immer reden. Paulus nannte sich selbst einen Apostel des Herrn; denn das war eine Wahrheit. Es gilt, den Dienst wahrzunehmen, den Gott uns gegeben hat, damit wir ihn wahrnehmen, denn niemand anders wird ihn wahrnehmen können. Was ich schrieb, schrieb ich nicht aufs Geratewohl, sondern in Geist und Wahrheit. Und es wird auch niemand vermögen, diese Wahrheit zunichtezumachen. Darum tust du gut daran, den Dienst wahrzunehmen, in den Gott dich eingesetzt hat; wobei ich sicher bin, dass du das bisher auch mit allem Eifer und aller Lust getan hast. Mir kam bisweilen der Gedanke, den Dienst, in den Gott mich eingesetzt hat, jemand anderem zu überlassen; denn ich würde so gerne dasitzen und dem Ganzen zusehen. Und ich würde gerne als untüchtig gelten, wenn sie nur das Ganze mit Tüchtigkeit leiten und selbst tüchtig sein könnten. Aber das geht nicht lange gut. Hes. 44, 8: Ihr habt nicht selbst den Dienst in meinem Heiligtum getan, sondern habt sie bestellt, um für euch den Dienst in meinem Heiligtum zu tun. Also gibt es hier keine Ablösung. Man kann auch nicht erwarten, irgendeine Bestätigung zu bekommen, welchen Dienst wir in Christus bekommen haben; denn die Korinther verlangten Beweise dafür, dass Christus durch Paulus redete. Die alten Propheten wurden für falsch gehalten und die falschen für echt. Im Dienst des Geistes zu stehen, um den Gehorsam des Glaubens voranzubringen, Röm. 1, 5, ist kein Auftrag, der Gelegenheit dazu bietet, dass man häufig lobend erwähnt wird. Trotzdem soll jeder, der einen Dienst in Christus bekommen hat, sich seines Dienstes bewusst sein, sodass er bei jeder Gelegenheit auftreten kann, wie es sich gebührt. Es gibt viele Schwierigkeiten in einer Gemeinde und meistens ist es so, dass jemand eine Zeitlang leiden muss und es dann bei einer günstigen Gelegenheit heimzahlt. Daher braucht man gute Schultern, mit denen man tragen kann. Hier in Horten haben wir nun eine Zeitlang allerhand erlebt. Es ist zu lang, um es in einem Brief zu erzählen. In aller Kürze kann nur gesagt werden, dass ein Bruder, der selbst unter dem Zerbruch durch den Geist steht, unbedingt andere in denselben Zustand bringen wollte. Und als niemand auf ihn hören wollte, wollte er sich durchsetzen, weil er meinte, wir wären unwillig usw. Dies ging so weit, dass mehrere Versammlungen gestört wurden und ich deswegen weder ein noch aus wusste. Br. Kristoffersen hatte in der letzten Versammlung auch einen Zusammenstoß mit dem betreffenden Bruder und alle Jugendlichen wurden sehr bange. Heute hatte ich einen 2-stündigen Kampf mit dem Betreffenden, wonach er seinen Fehler aufgrund folgender Schriftstelle erkannte, Mk. 9, 49-50: Denn jeder muss mit Feuer gesalzen werden, wie jedes Opfer mit Salz gesalzen wird. Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz salzlos wird, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!

Er betete darum, ein Ganzopfer zu werden; und es heißt vom Opfer, dass es mit Salz gesalzen werden soll, dass man aber das Salz bei sich selbst haben und Frieden miteinander halten soll. Dies hatte er nicht getan, er behielt das Salz nicht bei sich selbst und die Folge war, dass Unfrieden auf der ganzen Linie entstand. Er erkannte, dass er hier gefehlt hatte, und wir müssen nun hoffen, dass es wieder gut wird.

Für uns gilt es, zu wachen und nicht dem Teufel in der Gemeinde Raum zu geben.

Es war ein großer Trost für mich, deinen letzten Artikel „Geld für Gottes Sache“ zu sehen. Nicht weil ich Zustimmung bekam, denn ich bin Widerspruch von allen Seiten durchaus gewöhnt, sondern weil Gottes Sache auch dadurch einen Schubser nach vorne bekam. Wenn man ohne zu feilschen, ohne Ansehen der Person, ohne fleischliche Rücksicht auf dies oder jenes mit der Wahrheit drauflos geht, dann wird man bald unüberwindlich werden. Es freute mich, in deinem Artikel zwischen den Zeilen Frucht in dieser Richtung zu sehen. Ich will mich nicht über alle Maßen selbst rühmen, aber ich glaube doch, behaupten zu können, dass ich mich, nachdem ich Gottes Geist empfing, immer befleißigt habe, Gott wohlgefällig zu sein. Und die ganze Zeit habe ich eine Abscheu davor gehabt, Menschen gefallen zu wollen. Dies hat mir so reiche Belohnungen gebracht, dass mein Herz vor Freude darüber hüpft, dass keiner von diesen fleischlichen Menschen sich darüber freuen kann, mich übermannt zu haben. Sondern stets sind diese Worte in Erfüllung gegangen: Dies ist das Erbe der Diener des Herrn, dass sie alle ihre Widersacher im Gericht schuldig sprechen. Kann dies nicht das Herz erfreuen? Ganz bestimmt! Wenn wir sie nicht schlagen, dann stechen sie uns die Augen aus und spucken uns ins Gesicht. Dies können sie – wenn Gott es zulässt – mit unseren Leibern tun, aber niemals dürfen sie unseren Geist besiegen. Darum schlag sie ohne Ansehen der Person nieder; denn dadurch wird der Vater geehrt, dass wir viel Frucht bringen. Wenn solche Dinge „sehr leicht missverstanden werden können“, wie der Herausgeber des „Missionæren“ sagte, so freue ich mich doch darüber, dass ich jetzt verstanden werde.

Dein in Christi Liebe und Kraft geborgen ruhender Bruder

Johan

Grüße mit Ps. 149. Grüße zuhause. Grüße Helga.