Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 8. Januar 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 8. Januar 1908
Lieber Bruder Aksel,

ehe man zu Ehren kommt, muss man demütig sein, Spr. 18, 12. Danke für deinen sehr lieben Brief, worin du über Frl. Holmkvist, Jensen und Vaters Stellung berichtest. Du erwähnst auch gleichzeitig die denkwürdige Versammlung bei Th. R., bei der ich durch Gottes wunderbare Führung von 20:45 bis ca 21:45 Uhr zugegen sein durfte an dem Abend, an dem ich im Zusammenhang mit dem Musterungsdienst nach Egersund abreiste.

In dieser Versammlung sprachen Jensen und eine große Frau, die neben Frl. Holmkvist hinter Br. Gerrard saß (ich erinnere mich nicht so genau an die Letztgenannte), darüber, dass Br. Barratt, als er in Kristiansand war, von einer Schar umgeben wurde, die finanziell bestens gestellt und daher in den Augen derer, die sich beklagten, dem Fleisch nach als die Größten galten. Die große Frau hinter G. sprach davon, dass sie an dem Abend, als Barratt bei dem Schornsteinfeger Torjussen war, auch versucht hatte, zu Torjussen hineinzukommen. Aber seine Tochter Anna hatte geantwortet, dass sie zwar hereinkommen könnte, es jedoch schwierig sein würde, einen Sitzplatz zu finden usw. Aufgrund dessen fühlte sie sich ausgeschlossen. Br. Jensen hätte so gerne mit Barratt gesprochen, aber dieser war ständig von einer Schar umgeben, die ihm dies unmöglich machte. Dadurch fühlte er sich abgewiesen. Br. John W. erzählte später, dass Schwester Anna T. (nun Frau G.) bei W. gewesen sei und Johns Vater und Stiefmutter eingeladen habe, nicht jedoch John. John fühlte sich aus dem Grund dem Fleisch nach beurteilt und unterdrückt in seinem Geist.

Nach diesem zu urteilen, scheint mir, dass man nicht ganz unschuldig daran ist, dass Br. Jensen, Schwester Holmkvist und zum Teil John etwas außerhalb geraten sind. Br. Gerrard vermochte an jenem Abend auch nicht, das Ganze aufzuklären.

Es scheint mir absolut erforderlich, dass alle, die sich in diesen Stücken versündigt haben, ihr Vergehen denen gegenüber, die Unrecht gelitten haben, eingestehen. Dann denke ich doch, dass auch die Fehler dieser Geschwister von selbst wegschmelzen werden. Die Diener der Gemeinde haben ja als erstes die Pflicht, ihre Fehler einzugestehen, damit die Gemeinde Vertrauen bekommen kann. Du sprachst davon, dass du so gerne wolltest, dass Vater seinem Alter entsprechend geehrt werden sollte. Durch diese Aussprache würdet ihr das volle Vertrauen sowohl von Br. Jensen, Schw. Holmkvist als auch von Br. John gewinnen und Vater würde für seinen bis zum Äußersten treuen Hirtendienst geehrt werden. Vater ist ein gerechter Mann und man kann ihn nicht übergehen. Wenn Gott ihm gegeben hat, die Verbindung zu Jensen und Holmkvist hartnäckig aufrechtzuerhalten, dann hat dies seinen Grund. In der Gemeinde in Kristiansand müssen Angelegenheiten umfassend gerichtet werden. Dabei müssen sich die leitenden Kräfte demütigen, die Übergangenen müssen getröstet werden und Vater muss für seine Treue geehrt werden.

Dein gestriger Brief lag wie eine schwere Last auf mir, insbesondere dein Kampf gegen Vater, der an Jensen und H. festhielt. Ich konnte keinen Ausweg aus dieser schwierigen Lage sehen. Ich erzählte Pauline davon und von der Versammlung in Kristiansand, bei der ich zugegen war. Während ich so dasaß und redete, wurde es ganz hell für mich, und das Ganze löste sich wie oben erwähnt auf. Wenn ihr diese Aussprache in der Gegenwart Vaters, Jensens, Holmkvists, Johns, Gerrards, Frau Gerrards, Torjussens und der großen Frau vornehmt, dann glaube ich, dass das eine solide Basis dafür sein wird, den Grund für eine geordnete Gemeinde zu legen. Br. Gerrard hat hier eine ausgezeichnete Gelegenheit. Auch du solltest dich unter denen einreihen, die Fehler begangen haben. Denn du hast ja die ganze Zeit J. und H. für diejenigen gehalten, die die ganze Schuld hätten. Hiermit ist nicht gesagt, dass J. und H. freizusprechen wären. Jedoch wird eure Schuld ihnen gegenüber entfernt, und somit wird ihre Schuld euch gegenüber bestimmt ebenso aufgelöst; denn die Weisheit löst Sünden auf und es ist ja weisheitsvoll, sich zu demütigen.

Gottes Wege sind verwunderlich und seine Gerichte unergründlich. Doch nachdem wir ihn auch auf den Wegen seiner Gerichte erwarten, so lass uns uns unter seine Gerichte demütigen. Denn wenn meine Demut viele Seelen gewinnen kann, warum dann nicht den Rücken zur Straße machen, sodass man darüber gehen kann.

Du sprichst in deinem Brief über Vieles, worauf ich im Moment nicht näher eingehen kann, da man mit dem Obigen vorerst genug zu tun hat. Doch kann man sagen, dass unser Geist mit einer Konstanten verglichen werden kann, auf die sowohl Gottes Geist als auch der Geist des Teufels versuchen, Einfluss auszuüben. Der Geist des Diebstahls, der Geist der Lüge usw. gehören mit zum großen Sündenleib (dem Teufel). Verfolgt man die Linien des Geistes des Diebstahls, wird man ihn im Teufel antreffen. Ebenso jeden anderen Geist, der eine spezielle Mission im Dienst des Bösen hat.

Herzliche Grüße an dich selbst mit Spr. 18, 14. An die Gemeinde mit Spr. 21, 16. Grüße Vater besonders mit Phlm. 7 in Verbindung mit dem Inhalt des Briefes.