Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 28. Dezember 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 28. 12. 1907
Lieber Bruder Aksel,

vielen Dank für deinen lieben Brief vom 22. des Monats, den ich am zweiten Weihnachtsfeiertag bekam. Es ist gut zu hören, dass in der Gemeinde in Kristiansand Ordnung entsteht, dass sich diejenigen, die Fehler gemacht haben, beugen. In Moss hinkt die Leitung auf beiden Seiten, daher kommen sie nur der Form halber zusammen und streiten, habe ich gehört. In Fredrikshald soll eine ausgezeichnet gute Ordnung vorhanden sein. In Drammen eine ungeheuer schlechte; sie haben sich in 3 Parteiungen geteilt.

Jetzt will ich dir von Dingen schreiben, die von überaus großer Bedeutung sind, aber nur sehr geistlichen Personen mitgeteilt werden dürfen. Denn man ist verpflichtet, mit Gottes mannigfaltiger Gnade zu haushalten.

Man soll über den Dienst in Gottes Gemeinde Bescheid wissen. Offb. 1, 16 und *? (* unleserlich).

Lies ab V. 12 bis ans Ende des Kapitels. Der Engel der Gemeinde ist die Person, der Gott die Macht in der Gemeinde gegeben hat. Er hat die ganze Verantwortung, aber mit der Verantwortung folgt auch Macht. Der Engel der Gemeinde bekommt allen Tadel und alles Lob. Soll etwas in der Gemeinde zurechtgebracht und geregelt werden, dann muss es durch den Engel der Gemeinde geschehen. Es ist zwecklos, mit jemand anderem zu sprechen, denn kein anderer hat Macht, etwas zurechtzubringen. Der Geist redet zum Engel der Gemeinde durch den Apostel Johannes. Von Gottes Seite aus heißt er „Engel der Gemeinde“, aber von Seiten der Gemeinde wird er Bischof genannt, siehe 1. Tim. 3. Demnach sind „Bischof “ und „Engel der Gemeinde“ dasselbe. Um Bischof in einer Gemeinde zu sein, soll er: 1. untadelig sein. 2. Mann einer einzigen Frau sein (damit ihn die Frauen nicht zum Schaden der Gemeinde beeinflussen). 3. nüchtern sein (auf der ganzen Linie). 4. besonnen, 5. ehrbar, 6. gastfrei (sein Heim soll Zentralstation sein), 7. fähig, andere zu lehren usw. Nicht jemand, der neubekehrt ist. Er soll einen guten Ruf bei denen haben, die draußen sind. In einer Gemeinde kann es nur einen Bischof geben, aber mehrere Diener der Gemeinde. Die Diener der Gemeinde müssen ebenfalls bestimmte Bedingungen erfüllen, die den Bedingungen des Bischofs sehr ähnlich sind. Apostel waren solche, die umherreisten und Gemeinden betreuten (Apostel bedeutet Gesandter). Der Bischof hat einen festen Wohnsitz am Ort. Tit. 1, 5 ff.: Titus blieb auf Kreta zurück, um in jeder Stadt Bischöfe (Älteste) einzusetzen.

Man sollte für diese Dinge nicht blind sein, da sich diese Diener unwillkürlich, wo eine Gemeinde entsteht, ganz von selbst herausstellen. Und wenn sie in den Tagen der Apostel in diese Stellungen eingesetzt werden konnten, dann können sie das auch in unseren Tagen. Gott hat mir den Dienst eines Bischofs hier in Horten gegeben. Es macht für niemand Sinn, hierher zu kommen und mich etwas lehren zu wollen, denn Gott hat alle Fäden in meine Hände gelegt, sodass ich es von ihnen annehmen kann, wenn ich will, und sie es behalten lassen kann, wenn ich will. Gott hat mir Macht gegeben, Streitigkeiten zu entscheiden und demjenigen Recht zu geben, der Recht hat. Er hat mir Macht gegeben, alle Schwierigkeiten zu lösen usw. Niemand anderes als Gott selbst hat mich zu diesem Dienst eingesetzt. Da ich das verstehe und völlige Klarheit darüber habe, dass Gott dir denselben Dienst in Kristiansand gegeben hat, will ich dich bitten und ermahnen, dass du diesen schwierigen, doch so unheimlich gesegneten Dienst mit aller Einsicht wahrnimmst. Die Sterne sind in seiner rechten Hand und mit dieser regiert er. Der Bischof hat Personen, die von auswärts anreisen, aufs Genaueste zu prüfen, denn nicht alle von ihnen sind Apostel. Ja, einen wahren Apostel, der diese Dinge lehren und die Herde von Anfang bis Ende weiden konnte, habe ich noch nicht getroffen. Denn diejenigen, die kommen, brauchen selbst Unterweisung. Es gab sogar falsche Apostel und betrügerische Arbeiter, die umherreisten.

Diese Erkenntnisse sollen nicht an andere weitergegeben werden als an solche, die sie benötigen, sodass sie für ihren Wandel in allen Dingen völlige Sicherheit haben können. Die Fleischlichen werden diese Dinge für Eigenlob ansehen, aber die Geistlichen werden es verstehen. Doch diese Dinge darf man nicht in alle Richtungen verbreiten, hier muss man haushalten.

In einer Stadt, wo es einen guten „Bischof“ gibt, ist auch gute Ordnung; wenn aber der Bischof hinkt, dann hinkt das Ganze.

Schreibe mir bald hiervon und vom Auslegen der Zungenrede, worüber ich dir geschrieben habe und worüber ich jetzt wieder Vater geschrieben habe. Gott hat mir, wie du siehst, Einsicht in diese Dinge gegeben und ich offenbare sie dir, weil ich dich für treu erachte.

In den Bedingungen für einen Bischof heißt es, dass er der Mann einer einzigen Frau sein soll. Dies ist man auch, wenn man mit einer Frau verlobt ist. Denn dann ist die Absicht erreicht, dass er nicht den Horizont nach anderen absucht und dadurch seine wichtige Aufgabe versäumt. Der Bischof sollte kein Neubekehrter sein. Dieser Punkt wird für dich vielleicht einer der schwierigsten sein – obwohl du ja nicht so ganz neubekehrt bist. Aber er ist so bedeutungsvoll, dass du im Hinblick auf deine eigene Person hellwach sein musst; denn Gott hat dir eine hohe und verantwortungsvolle Aufgabe gegeben. Bete daher um Demut – große Demut und Gnade – dass du die alten Männer wie Väter und alte Frauen wie Mütter behandelst, dass nicht Autorität sie abstößt; denn dadurch entgleiten die Fäden aus den Händen und man ist kein rechter Bischof.

Im Mai soll ich mit einem Panzerschiff hinaus. Was jetzt in den umliegenden Gemeinden benötigt wird, sind zuerst Bischöfe (Älteste), danach Diener. Doch am meisten von allem braucht man Apostel, die die richtigen Männer für diese großen Aufgaben finden und einsetzen können.

Ja, jetzt habe ich dir von Dingen geschrieben, die seit den Tagen der Apostel nicht viel in der Welt praktiziert worden sind.

Schreibe, wie gesagt, bald wieder, denn ich würde gerne wissen, wie es dir in diesen Dingen geht.

Herzlichen Dank für das alte Jahr und Gottes Frieden und Segen im Neuen wünschen wir dir alle hier.

Dein Bruder

Johan
* * *

Grüße Helga und Gerrard und Aanensen. Grüße alle zuhause. Helga sollte diesen Brief lesen, da sie den Dienst hat, dir in allem beizustehen, dass sie dies mit größerer Einsicht und größerem Verständnis tun kann. Ich habe zu keinem anderen Menschen außer dir gesagt, was für einen Dienst ich habe, obwohl ich schon lange Zeit davon gewusst und Erkenntnis darüber gehabt habe. Ja, sogar damals, als ich in Kristiansand war, hatte ich diesen Dienst. Doch nicht viele wollten mich annehmen. Aus dem Grund bin ich mit denen bei Rasmussen so sehr ins Gefecht gekommen. Ja, nun kannst du dir das Ganze selbst denken.

Datum s. o.

J. O. S.