deinen lieben Brief und die Bücher und die Zeitschriften habe ich bekommen. Ich schrieb gleich an Kristiansen (gestern). Es ist schlimm, wie eingeschüchtert Dallmeyer geworden ist. Schrenk hat es wohl geschafft, ihn mit seinen Argumenten gründlich zu Boden zu schlagen.
Ich schrieb an Kristiansen, dass Gott solche Leute, die sich bei jedem Windhauch wie Wetterfahnen auf der Kirche drehen, nie in seinem Dienst hat gebrauchen können. Und zu dem, was Schrenk von Handauflegungen behauptet, dass nämlich der „Los-Angeles-Geist“, wie er ihn so abstoßend nennt, mittels Handauflegung über Amerika, Norwegen und Deutschland verpflanzt worden sei, sagte ich, dass ich die Taufe mit dem Heiligen Geist im Jahr 1900 empfangen hätte, jedoch die Gaben, in Zungen zu reden, auszulegen und zu weissagen im Jahr 1907. Aber dass ich jetzt, nachdem mir nun die Gaben geschenkt sind, denselben Geist habe wie im Jahr 1900; und dass viele den Geist und die Gaben ohne Handauflegung empfangen haben. Dass diejenigen, die den Geist bekommen haben, ein gottesfürchtiges Leben führen und die Sünde in jeder Gestalt meiden, und dass der Geist nicht gefährlich ist, der uns dahin führt, vom Bösen zu weichen. Danach sagte ich ihm, man müsste – nach den Aussagen von Schrenk und Dallmeyer – den Geist, der am Pfingsttag in Jerusalem ausgegossen wurde, den „Jerusalemgeist“ nennen und den Geist, von dem Luther getrieben wurde, den „Wittenberggeist“ usw. Was 1. Kor. 14, 2 angeht, sagte ich, dass es klar ist, dass derjenige, der in Zungen redet, für Gott redet; denn niemand weiß ja, was alle die seltsamen Worte bedeuten. Wenn aber die Auslegung kommt, dann ist dies ja zur Erbauung und das ist dann für Menschen. Und das war es ja, was so unheimlich verkehrt sein soll. Darauf antwortete ich, dass man ja in „Christi Geist“ redet, und „Christi Geist“ ist so beschaffen, dass er allezeit Menschen vor Augen hat – deren Wohl und Wehe.
Im Übrigen sind alle diese „Hirngespinste“ und alle diese „klug ausgedachten Fabeln“, die sie anführen, nur natürlich und menschlich. Ich schrieb an Kr., dass man nur aus großer Dunkelheit und Finsternis heraus wagen kann, solche Ausdrücke zu gebrauchen, wie Dallmeyer gebraucht hat. – Schrenk hat wohl den Fuß auf seinen Nacken gesetzt.
Rubanowitsch behauptet, dass, wenn man das Wort „Ich Jesus“ während einer Weissagung verwendet, würde das bedeuten, dass man den Geist des Teufels hätte, der Gottes Platz einnehmen will usw. Es ist ja ganz klar, dass Jesus „Ich Jesus“ über sich selbst sagt; „das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung“. Man gebraucht ja in solchen Fällen oft Schriftstellen, die entweder von Jesus direkt gesagt wurden oder durch seine Apostel, die vom Geist getrieben waren, oder man sagt es selbst – getrieben vom Geist. Er will Jesu Geist aus dem Menschen heraustrennen, aber hierin irrt er sich. Denn nicht nur unser Geist ist mit ihm identifiziert, sondern auch Leib und Seele. Doch diese Dinge waren für Rubanowitsch schwer zu schlucken. Im Übrigen ist es nur trockene „Lehre“, womit sie aufwarten. Doch Gott ist es, der solche weisen Leute in ihrer Frechheit fängt. Es ist wohl schwierig für Kr., mit heiler Haut aus dieser Affäre herauszukommen. Wenn er nicht von ihnen ausgeht, sondern stattdessen Unreines anrührt, dann wird er früher oder später zugrundegehen. Gott prüft alle Menschen und wenn sie nicht standhalten können, dann gehen sie zugrunde.
Etwas in den Zeitungen über die Fehler zu schreiben, die an den verschiedenen Orten vorkamen, sehe ich für sehr gefährlich an. Denn man gibt dadurch den Widersachern eine gute Gelegenheit zuzuschlagen und die Schwachen könnten sich zurückziehen.
Gott erlegt nicht allen den Kampf auf. Nur die Hirten haben den Feind fernzuhalten. Die Schafe sollen weiterweiden – ohne um diese Kämpfe zu wissen. Man darf den Wolf nicht in die Schafherde hineinlassen und dort den Kampf mit ihm aufnehmen, denn dadurch werden die Schafe zerstreut. Man muss seinen Kampf in Stille für sich selbst ausfechten und wenn der Feind, der Wolf, getötet ist, dann kann man ihn in die Schafherde hineintragen und ihn den Schafen zeigen; denn dadurch wird das Vertrauen in ihren Hirten gestärkt. Gott ist es, der in der Gemeinde „Hirten“ usw. eingesetzt hat. Man sollte immer seine stärkste Seite dem Feind zeigen, denn dann fürchtet er sich – und seine stärkste Seite denen zeigen, die man behütet, denn dadurch werden sie gestärkt. Aber seine schwache Seite kann man Gott zuwenden, der auf uns alle achthat. Ich hatte das Bedürfnis, dir diesen Brief zu schreiben. Wir stehen in einem Geisteskampf. Wenn wir im Geist gesiegt haben, dann braucht es nur einige wenige Federstriche, um ein ganzes Heer von Feinden in die Flucht zu schlagen. Er gibt uns Macht, auf Skorpione und Schlangen zu treten und das ganze Heer der Hölle zu überwinden.
„Menschenlehre“ muss man ganz klar von der Erkenntnis Gottes unterscheiden. Es war ein gewaltiger Skorpion, den diese Deutschen an die Front geschickt hatten. Dallmeyer hatte sich ja mit mehreren älteren Brüdern besprochen und er wollte sich noch näher mit einigen „Vätern in Christo“ beraten. Wenn er nur nicht auf solche Väter stößt, die während der Pfarrerkonferenz in Kristiania in Reih und Glied im Nationaltheater saßen. Ob diese Art Väter nicht auch gut als Zuschauer in die römische Arena gepasst hätte, als die Christen zu Tode gepeinigt wurden? Es ist schlimm, wenn Simson seine Locken verliert. Dann können sie ihm die Augen ausstechen, sodass er nichts sieht. Gott gibt sie dahin in einen Sinn, der nichts taugt.
Nein, um die Herde Gottes zu hüten, sind Leute nötig, die sich nicht beim ersten teuflischen Anschlag umblasen lassen.
Wenn es um die Dinge geht, die innerhalb der Gemeinde vorgekommen sind, so kann man vieles auch auf folgende Konten buchen:
„Wir dienen dem Gesetz Gottes mit dem Sinn, aber dem Gesetz der Sünde mit dem Fleisch.“ „Selig der Mann, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet und in dessen Geist kein Falsch ist.“
Zwar war Sünde da, aber der Herr wollte sie nicht zurechnen, da im Geist kein Falsch war. Dies müssen auch wir vor Augen haben. Was den Br. angeht, von dem du sprachst, ist keine Gefahr mit ihm, wenn er nur selbst gewillt ist, mit den Torheiten aufzuhören.
Grüße alle zuhause. Br. Kr. Olsen und Br. Berg kamen eben herein und ich las ihnen den Brief vor. Grüße Br. Gerrard, Helga und die Geschwister sonst.
Sei selbst aufs Herzlichste gegrüßt von deinem allezeit in Christus Jesus an Kampf und Sieg Anteil habenden Bruder
JohanDurch Kampf sollen wir einander kennenlernen. Kampf macht einfach Spaß, denn danach kommt immer Sieg. Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Jesus Christus. Wenn sie uns also „unter die Lupe nehmen“ (F.S. im Missionæren) oder uns „gründlich ausfegen“ wollen (Dallmeyer), so stehen wir doch unbeeindruckt fest in der Kraft Gottes und sie werden „kein‘n Dank dazu haben“.
Ich musste Kr. etwas vorsichtig schreiben, damit er nicht glauben sollte, ich wäre ganz verrückt.
Eben bekam ich einen Brief von Plum. Der Brief war zu großem Nutzen, sagte er; denn eine Schwester hatte einen der Pfeiler verdammt, und dieser hatte angefangen sich zurückzuziehen. Er fragt, ob Barratt vom Herrn als Leiter eingesetzt ist. Die „Kirkeklokkerne“ (Kirchenglocken) bekommen viele Feinde, weil sie die Bewegung verteidigen.
Wenn wir darüber korrespondieren wollen, wie man Zungenrede mit Auslegung Menschen näherbringen kann, dann lässt sich das im Geist lösen. Aber das ist besser zu verstehen als auszulegen. Ich konnte Kristiansen darüber nicht eingehend schreiben.
