Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 14. Dezember 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 14. 12. 1907
Lieber Br. Kristiansen,

nur ein paar Worte auf die Schnelle. 1. Kor. 14, 2. Wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen.

Beachten Sie, dass „er“ es ist, der redet. Auf diesen „er“ (die Person) wirken die Kräfte ein, die ihm am nächsten sind. Er hat vielleicht den Wunsch, dass welche sich bekehren sollen. Er wünscht, dass welche mit dem Geist erfüllt werden sollen.

Er hat das Gefühl, dass welche dem Geist Gottes widerstehen. Alle diese Gefühle kommen in der Zungenrede zum Ausbruch. Aber solange er in Zungen redet, versteht ja niemand, was sich in seinem Seelenund Geistesleben regt. Aber er erbaut sich selbst, denn allein dies, sich anderen mitteilen zu können, ist Erbauung.

Wenn nun all dies ausgelegt und in menschliche Sprache übersetzt werden soll und in diesem ganzen Meer von verschiedenartigen Geistesund Gefühlserscheinungen der Verstand wirksam gemacht werden soll, kann man sich dann darüber wundern, dass die Rede sich an die Umgebung und an die Momente richtet, die Einfluss auf das Geistesleben haben? Wie sollte man es sonst auf andere Weise zum Ausdruck bringen können? Dies ist die Erklärung dafür, dass die Zungenrede, die ausgelegt wird, sich an das Umfeld richtet, das den Zungenredner am meisten beeinflusst.

Ich finde, dass das so klar und einleuchtend sein muss, dass selbst die am meisten in die Finsternis eingehüllten Wesen das verstehen können müssen.

Dallmeyer ist von Schrenk überwunden, nachdem er seine Broschüre gelesen hat (Sehen Sie selbst im Allianzblatt vom 8. Dezember 1907, Seite 386). Denn von wem jemand überwunden ist, dessen Knecht ist er geworden.

In Dallmeyers „Erklärung“ in derselben Zeitschrift, sagt er auf Seite 389: „Diese Erklärung gebe ich ohne menschliche beeinflüssung gewissenhalber ab.“ (Deutsch im Original) Dies stimmt nicht; denn er wurde von Schrenks Schriften übermannt.

Rubanowitsch sagt: dass man in der Weissagung „Ich Jesus“ sagt, ist so verkehrt und vom Teufel. Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung. Wer weissagt, verwendet ja die Schriftstellen, und die ganze Schrift ist von Gott eingegeben. Das soll so verkehrt sein, sich mit Christus zu identifizieren (der Mittler ist nicht nur für einen). Jesus sagte ja zu Saulus von Tarsus: Warum verfolgst du mich? – nicht die, die an mich glauben. Wir sollen eins sein mit dem Sohn und dem Vater, betet Jesus. Der, der euch verfolgt, verfolgt mich. Sogar unsere Leiber sind Christi Glieder und somit mit ihm identifiziert – oder die Schrift muss lügen. Aber es liegt wohl näher zu glauben, dass alle die klugen Menschen auf dem Holzweg sind, die in „ausgeklügelten Fabeln“ so weise sind! Widerstehen Sie ihnen fest und lassen Sie sich auf keinen Fall von deren „Menschenlehre“ übermannen. Gottes Erkenntnis wird durch den Geist geoffenbart, siehe Eph. 3, 5. Aber wenn man keinen Geist hat, ist es doch sonnenklar, dass man auch nicht Gottes Erkenntnis hat. Gott gebe Ihnen Kraft.

Herzliche Grüße

Ihr Johan Oscar Smith

Ich hoffe, Sie haben meinen letzten Brief erhalten.

Lieber Aksel!

Eine Abschrift von diesem Brief sende ich heute an Kristiansen. Dies ist, wie du siehst, eine umfassende Aufklärung von 1. Kor. 14, 2. Ich habe viele Kämpfe im Geist gehabt, um Klarheit darüber zu bekommen.

Herzliche Grüße

Dein Johan

Grüße zuhause und die Geschwister.