An den „Missionæren“.
Br. Ludvig Ællingsen schreibt im „Missionæren“ vom 21. November ds. J. unter anderem:
„An dem Abend, als ich da war, wurde unter den Geschwistern der freien Mission ein Basar eröffnet. Man meint ja sonst, dass Basare weitestgehend abgeschafft werden sollten und das ist wohl so. Aber dann sollte man sich davor hüten, Methoden einzuführen, die keinen Deut besser sind, wie z. B., dass man bei beinahe allen weltlichen Menschen an der Tür klingelt und bettelt. Das ist wahrhaftig fast geschmackloser als Basare wie auch sonst eine ganze Menge „Tamtam“, das sich viele vornehmen, um Geld zu sammeln – für Gottes Sache!!!
Ob es nicht richtig wäre abzuwägen, inwieweit der eine oder andere grundlegende Fehler an der Sache selbst ist, wenn solches Unwesen notwendig wird, um Mittel hereinzubekommen – für Gottes Sache, wie es so schön heißt.“
Anlässlich des Obenstehenden kann es vielleicht angebracht sein, etwas über diese Sache zu sagen.
Man muss Geld hereinbekommen für Gottes Sache, sagt man so schön. „Was ist denn Gottes Sache“, muss man unwillkürlich fragen. Verlangt Gott Silber und Gold von uns, nachdem man so geschäftig damit ist, solche Dinge für ihn zu sammeln? Es sieht ja aus, als ob Gott nur fordert und fordert und er nur mit Silber und Gold zufriedengestellt werden kann. Gold muss man ihm besorgen, egal auf welche Weise. Basare mit Musik und Unterhaltung werden benötigt. Man muss im ganzen Land Briefe verschicken, um Sängerinnen und Pianistinnen zu finden, die dann Leute herbeisingen und -spielen können, damit man richtig viel Geld für Gottes Sache hereinbekommen kann. Man muss das Fleisch erbauen und Satan dienen, um Geld für Gottes Sache zu beschaffen. Eine merkwürdige Sache. Ob es sich nicht lohnen würde, eine Branntweingesellschaft zu gründen, um Geld für Gottes Sache zu beschaffen, wie man es nennt?
Was mich betrifft, habe ich eine ganz andere Auffassung von Gottes Sache bekommen. Gottes Sache war, den Teufel im Menschen zu zermalmen. Und Gottes Sache ist es, dass wir uns der Fleischeslust und Augenlust enthalten und uns selbst verleugnen und das Kreuz aufnehmen und ihm nachfolgen, indem wir immerdar in den Tod gegeben werden um Jesu willen, damit sein Leben an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde. Petrus und Johannes hatten weder Silber noch Gold, sie mussten dann selbstverständlich sehr wenig für Gottes Sache ausrichten. Aber die Multimillionäre in der Welt müssen viel tun, besonders solche, die viel für die Kirchen opfern. Ich habe mehrere Male Gelegenheit gehabt, die kostbaren Kirchen in Südeuropa zu besichtigen. Sie stehen mit all ihrer Herrlichkeit so gut wie leer da. Die Menschen, die für dies alles Geld beschafft haben, glauben vielleicht auch, dass sie viel für Gottes Sache getan haben.
Gottes Sache ist es, Sünder zu erretten, sich über den zu erbarmen, der ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz hat. Gottes Sache ist, uns in Gerechtigkeit zu erziehen, uns durch seinen guten Geist in alle Wahrheit zu leiten. Doch niemand sollte glauben, dass es Gottes Sache ist, haufenweise Gold zu sammeln, denn alles Gold und alles Silber gehören dem Herrn, ob es in der Kasse der Versammlung liegt oder auf dem Meeresboden begraben liegt. Wir sind nicht durch vergängliche Dinge – Silber und Gold – erlöst, sondern durch das teure Blut Jesu. Die Reinigung hierin ist Gottes Sache.
Wenn man Geld sammelt, um große Häuser zu bauen, dann sagt der Herr, dass er nicht in Häusern wohnt, die mit Händen gemacht sind. Wenn man für die Sache des Pfarrers sammelt, dann sagt der Herr, ihr seid eine königliche Priesterschaft und ihr habt es für nichts empfangen, gebt es auch für nichts weiter. Wenn man sagt: man braucht doch einen Ort, wo man sein kann! Ja, dazu wissen wir, dass dort, wo es Raum in Herzen gibt, da entsteht bestimmt auch Raum in Häusern. Und wenn es keinen Raum im Herzen gibt, dann haben wir den Befehl des Herrn, von ihnen auszugehen und sogar den Staub von unseren Füßen zu schütteln als ein Zeugnis gegen sie.
Infolgedessen kann ich nichts anderes annehmen, als dass das, was die Leute gewöhnlich für Gottes Sache halten, eine Sache von einem Vater, dem Teufel, ist.
Joh. 8, 36: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
Horten, 24. November 1907
