vielen Dank für deine zwei Briefkarten, von denen die letzte gerade eben ankam. Ich entnehme daraus, dass Gott mit ist und die Arbeit segnet, indem er Gnadengaben austeilt. Es ist selig, mitzuwirken und zu unterminieren. Das Wesentlichste ist, dass jemand gründlich unterwiesen wird; denn einer, wenn er nur solide ist, ist mehr wert als sonst 20. Abraham bekam den Segen nur durch den einen, Isaak. Es ist äußerst notwendig, von Gott den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner Erkenntnis zu begehren. Und darauf sollte man mit Nachdruck hinweisen, sodass welche Interesse daran bekommen können, unterwiesen zu werden. Es war eine Freude zu hören, dass dein Begleiter die Lehre angenommen hat, die Gott dir gegeben hat. Unterweisung ist notwendig, denn die meisten wissen nichts von Gott. Was man unentgeltlich bekommt, soll man auch unentgeltlich weitergeben. In der letzten Versammlung hier hatten wir es richtig gut. Wir haben nun einen Raum oben im Hinterhof bei mir. Ansonsten haben wir Hausversammlungen. Die Geschwister werden mehr und mehr gefestigt. Zwei Frauen verhielten sich bei den Versammlungen überaus hingebungsvoll. Sie erbauten sich selbst, ohne gebührend Rücksicht auf ihre Umgebung zu nehmen. Die eine von ihnen schrie und die andere redete in Zungen. Diejenige, die schrie, bekam von ihren Freundinnen viele Rügen, sodass sie am Schluss ganz bekümmert war; denn sie wusste bei sich selbst, dass sie im Geist war. Sie bat dann Gott, ihr zu zeigen, worin der Fehler lag; doch Gott verwies sie an mich. Sie betete wieder, doch bekam dieselbe Antwort. Eines Tages bekam ich große Freudigkeit, zu ihnen zu gehen und mit ihnen zu sprechen. Während wir miteinander sprachen, ging beiden volles Licht darüber auf, dass man in den Versammlungen nicht nur an sich selbst und seine eigene Erbauung denken dürfe, sondern dass man dazu beitragen müsse, die ganze Versammlung zu erbauen, und bei allem, was man sich vornimmt, nur die anderen vor Augen hat. In der letzten Versammlung praktizierten die beiden dies und die Versammlung war von Anfang bis Ende besonders gut. Ob nicht viele ringsum von Leuten geplagt werden, die in einem solchen Maß nur an ihre eigene Erbauung denken, dass sie die Versammlungen nur stören? Solche Leute müssen zurechtgewiesen werden, denn sie tun es meistens in Unwissenheit. Diese beiden Frauen wurden, indem sie dies verstehen lernten, von Herzen froh; denn sie hatten nicht einmal im Traum daran gedacht, dass sie sich mit allen anderen beteiligen sollten. Denn sie meinten, es ginge für sie selbst darum, im Kampf voranzukommen.
Im Hinblick auf die Gabe der Weissagung werden wir in Röm. 12, 6 ermahnt, sie in Übereinstimmung mit dem Glauben zu gebrauchen. Es ist in höchstem Maß erforderlich, daran zu erinnern, damit niemand sich in etwas reinsteigert, in einen geistlichen Rausch kommt und Dinge daherbringt, die völlig aus der Luft gegriffen sind.
Die Gabe der Weissagung ist sehr nützlich. Denn in der Weissagung kann man Dinge sagen, die sonst nicht hervorkommen könnten.
Ich habe im „Missionæren“ über „Liebe“ geschrieben, es erscheint vermutlich nächste Woche. Da war nämlich ein Mann, der schrieb, dass es in unseren Tagen keine Liebe gäbe, so etwas habe es nur in den Tagen der Apostel gegeben. Viele gehen mit solchen Gedanken um, weshalb ich glaube, dass es nützlich war, etwas näher zu betrachten, was Liebe ist. Ich schrieb unter anderem, dass es kaum nutzlosere Wesen gibt als solche, die sich nur in eine Sofaecke setzen und danach schreien, dass man ihnen Liebe erweist. Der Schuhmacher soll die Stiefel umsonst machen, der Schneider die Kleider usw. – kurz gesagt, alle sind schuldig, ihnen Liebe zu erweisen, denn sie sind es so sehr wert. Gleichzeitig schrieb ich darüber, dass eine echte Liebe nie fordert, dass sie immer nur gibt, ohne ein einziges Mal an Belohnung zu denken. Seit ich den Geist und die Liebe Gottes empfangen habe, habe ich nie etwas anderes zu hören bekommen, als dass ich so lieblos sei usw. Solche Leute gehen umher und suchen nach jemandem, der sie – natürlich dem Fleisch nach – lieben kann, und wenn sie keinen finden, ja, dann gibt es keine Liebe. Der Apostel sagt: Er hat mir von eurer Liebe im Geist berichtet. Solche Schmarotzerpflanzen sind zu allem geschickt, außer zu Gottes Reich. Wir brauchen in unseren Tagen Männer und Frauen, die in sich selbst die Quelle der Liebe haben, aus der sie schöpfen können, und die dort genug haben, selbst wenn Spott und Speichel ihr Lohn werden. Den Namen des Mannes erwähnte ich nicht, sondern beschrieb die Sache nur im Allgemeinen.
Von Gerrard habe ich wegen der Zeitschrift nichts mehr gehört. Neulich bekam ich einen Brief von Vater. Er fragt nach dir und ich habe ihm erklärt, was Gott dir jetzt in Deutschland für eine Aufgabe gegeben hat. Ich glaube, das wird ihn sehr freuen.
Herzliche Grüße von deinem Bruder
Johan