deinen letzten Brief vom 18. des Monats habe ich bekommen und es war ein wahres Vergnügen, zu sehen und zu erfahren, wie Gott dich in die herrlichen Wahrheiten hat hineinschauen lassen, die uns beim Eintreten durch den Vorhang, das ist sein Fleisch, entgegenkommen. Gerade hier liegen alle Erkenntnis und alle Weisheit vergraben. Doch gewöhnlich will man die Weisheit irgendwo in der Luft, droben in den Wolken oder etwas Ähnlichem haben. Die Sache ist aber die, dass alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis, ja die ganze Fülle der Gottheit, leibhaftig in Christus Jesus wohnen. Daher müssen wir nach verborgenen Schätzen in seinem Fleisch graben – sein Fleisch essen und sein Blut trinken; denn das ist wahre Speise und wahrer Trank. Kann man dies mit dem Kopf verstehen? – Mit einem unerleuchteten Verstand? Nein, mit dem Kopf auch nicht besser als mit den Beinen. Gottes Geist kommt mit der Erkenntnis Gottes. Aber gleichwie Christus sich in der Kraft eines ewigen Geistes selbst opferte, ebenso können wir in der Kraft des Geistes Christi uns selbst opfern. Christus als Mittler schließt in sich selbst jede einzelne Person in Christus ein. Darum ist der Mittler nicht nur für eine Person. Er ist der Weg zum Vater (zur Vollkommenheit). Auf diesem Weg werden sein Fleisch und Blut in der Kraft eines ewigen Geistes verzehrt. Darum tat Gott das, was das Gesetz nicht vermochte. Eben durch Fleisch und Blut kann der Teufel versuchen. Wenn aber Fleisch und Blut geopfert sind, hat der Teufel keine Materie, auf die er seinen Einfluss ausüben kann. Als daher Christus seinen Leib opferte, opferte er das, was Satan als Operationsbasis hatte, und weil diese geopfert war, konnte Satan nichts mehr ausrichten.
Es steht von den Entschlafenen in Christus geschrieben. Hieraus verstehen wir, dass die Frucht unseres Daseins hier auf der Erde nur dem Maß entspricht, das wir erreichen, indem wir durch den zweiten Adam lebendig gemacht werden. Unsere Leiber entschlafen in ihm. Wenn aber unsere Leiber in ihm entschlafen und sein Leib auferweckt ist, müssen wir zwangsläufig in ihm auferweckt werden, denn er ist nicht mehr im Grab. Das Zeitintervall spielt zwar für uns eine Rolle, jedoch nicht für Gott, der dem ruft, was nicht ist, als wäre es da. Wo ist dann unser Horizont? Er ist innerhalb des Leibes Christi. Können wir unseren Horizont erweitern? Ja, innerhalb des Leibes. Können wir uns nicht über den Leib hinausstrecken? Nein, Christus opferte sich selbst ganz, darum gibt es keinen Raum für etwas außerhalb. Wir können auch nicht aus unserer Haut schlüpfen und sagen: Hier bin ich; sondern mein ganzes „Ich“ befindet sich in Christus, denn Christus ist mein Leben. Aber wie kann dann Jesus Hoherpriester sein? Eben weil er sich selbst bis zum letzten Rest geopfert hat, darum kann er dem zu Hilfe kommen, der noch nicht damit fertig ist, sich zu opfern. Aber der, der sich opferte, und die, die sich opfern, kommen alle von einem; darum schämt er sich nicht, uns Brüder zu nennen.
Wir haben niemandem etwas voraus, sondern für uns gilt, vor Gottes Angesicht zu sein, um von dort Erkenntnis als Wegleitung zu holen. Dies ist der Dienst eines Propheten; denn ein Prophet steht zwischen Gott und dem Volk. Gott hat auch jetzt in unseren Tagen Propheten in seiner Gemeinde. Jeder Prophet soll selbständig operieren und durch den Geist alle seine Befehle direkt von Gott holen. Das Werk eines Propheten ist nicht so sehr, in der Menge aufzugehen, als vielmehr in vertrauter Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben und in seinem Rat zu stehen und dem Volk mitzuteilen, was Gott offenbart. Lies 2. Mos. 18, 13 ff., woraus hervorgeht, dass Mose Oberste über das Volk setzte, um zu richten. Erst wenn es um eine schwierige Sache ging, sollte man sich an ihn wenden, Vers 26.
So auch jetzt. Man muss sich befleißigen, die Leiter zu unterweisen, während man sich selbst vor Gottes Angesicht bewahrt und durch einen Geist der Offenbarung entgegennimmt, was man sagen soll. Die Leiter wiederum müssen sich ihrer Bereiche annehmen und man muss eingreifen, wo Gefahr im Verzug ist und wo Schwierigkeiten entstehen. Ist man in alles Mögliche verwickelt, kann man diesem so wichtigen Dienst nicht nachkommen. Es gibt genügend solche, die imstande sind, als Boten zu laufen. Es geht darum, etwas zu bekommen, womit man sie senden kann. Man soll sich seines Dienstes im Herrn bewusst sein, sodass man so viel wie möglich aus jeder Situation herausholen kann, indem man im Leiden verbleibt. Wenn du daher, wie ich dir neulich sagte, soweit ich mich erinnern kann, einen geistlichen Bruder triffst, den du für besonders tüchtig und treu ansiehst, dann gib ihm sofort zu verstehen, dass er sich der Schar, in der er ist, annehmen muss. Lege Verantwortung auf seine Schultern und lege ihm eindrücklich ans Herz, was er zu tun hat. Ordnung muss sein. Man kann nicht nur so umherlaufen wie eine Schafherde. Man muss gehorchen lernen, bevor man lernt zu gebieten. Will jemand in der Herde nicht gehorchen, dann muss man im Umgang mit einem Solchen umsichtig sein, damit er nicht noch andere mit sich zieht.
Br. Gerrard hat mir von dem geschrieben, wovon auch du schriebst, nämlich von der Herausgabe einer Zeitschrift. Er dachte an die Herausgabe einer l6-seitigen Zeitschrift zum Preis von 4 Kr. im Jahr. Ich schrieb ihm zurück und schlug ihm eine Zeitschrift vor, ungefähr in derselben Größe wie „Det gode budskap“ (Die gute Botschaft) zum selben Preis wie diese Zeitschrift – 1,50 Kr. im Jahr. Auch, dass wir alle unsere Anstellungen behielten, bis die Zeitschrift so etabliert wäre – dass das Eis einen Herausgeber tragen könne. Von da an – wenn Gott Gelingen gäbe – könne die Zeitschrift an Umfang zunehmen und auch der Preis etwas angehoben werden. Gleichzeitig sagte ich ihm, dass wir, sollten wir eine Zeitschrift herausgeben, für die Verbreitung der Wahrheit und nicht für die Verbreitung der Zeitschrift arbeiten müssten. Dann würde Gott gewiss auch für den Erfolg der Zeitschrift sorgen. Man könnte bis auf Weiteres viel durch eine kleinere Zeitschrift sagen. Gerrard wird für einen solchen Dienst gut geeignet sein; denn er ist ja ein tüchtiger Mann. Ich habe sehr große Lust zu einer solchen Aufgabe und ich glaube auch, Gott würde mich gebrauchen, um in einer solchen Zeitschrift zu widerlegen – zu überzeugen, zu strafen und zu ermahnen. Religiöse Nachrichtenblätter haben wir genug, dieses müsste darum in eine scharfe Richtung gehen. Aber ich kann ja nicht ins Blaue hinein losgehen; man muss jeden Punkt abwägen. Doch könnte ich schreiben und meinem Beruf nachgehen und versuchen, die Zeitschrift zu verbreiten. Dann müsste Gerrard, wenn er es nicht neben seiner Arbeit in der Bank schaffen würde, kündigen und die Herausgabe übernehmen und versuchen, davon zu leben.
Jetzt ist es spät am Abend. Lebe nun von Herzen wohl und im Hinblick auf die Widersacher, von denen du geschrieben hast, tröste dich mit Jos. 10, 24 und 25.
Kristoffersen und Ellefsen haben mich gebeten, dich zu grüßen. Es ist schön, von dir zu hören, dass es dir gutgeht und dass du zum Nutzen sein kannst.
Herzliche Grüße in Christus Jesus mit Sach. 11, 4.
Dein Johan