Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 15. Oktober 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 15. Oktober 1907
„Lieber Bruder nach Fleisch und vielmehr nach Geist in Christus Jesus unserem Herrn.“ (deutsch im Original)

Deinen sehr lieben Brief vom 11. des Monats habe ich erhalten. Es ist immer wertvoll, von dir zu hören. Vielen Dank für das zugesandte Neue Testament auf Englisch; das war ein sehr liebes Geschenk.

Nun hat Hagemann Olsen das Haus, in dem wir Versammlung hatten, vermietet. Daher mieten wir jetzt einen kleinen Raum im Hinterhof bei mir, um einen Platz für Gespräche usw. haben zu können. Gottes Kraft war in letzter Zeit wunderbar gegenwärtig in unseren Versammlungen. Aber da wir keinen öffentlichen Saal haben, kommen nicht so viele. Br. Berg ist jetzt in Fredrikstad. Br. Ellefsen wird ein wahrer Diener des Herrn. Ich habe noch nie zuvor den Dienst gehabt, jemanden direkt für den Dienst im Herrn zu unterweisen, wie jetzt bei Br. Ellefsen. Er ist gut geeignet, denn er ist fest, bescheiden, genau, nüchtern und hat viele gute Eigenschaften.

Wenn eine Gemeinde entstanden ist, ist es von allergrößter Bedeutung, dass man jemanden einsetzt, der die Herde hütet, dass man die Verantwortung jemandem überträgt, der dazu tüchtig ist und am Ort wohnt. Paulus war ein bis zwei Jahre an jedem Ort und bekam in dieser Zeit eine Schar zusammen, für die er später Älteste usw. einsetzen ließ. Nicht solche ehrgeizigen Tyrannen, die über die Herde herrschen wollen, sondern solche, die jederzeit sagen konnten: Folge mir nach, wie ich Christus nachfolge.

Um einen direkten Appell an dich zu richten, möchte ich auf die deutsche Übersetzung von 2. Tim. 2, 15 hinweisen: „Trachte dich vor Gott zu bewähren, als Arbeiter, der keine Scheu kennt, und der das Wort der Warheit in seiner Schärfe braucht.“ (Deutsch im Original)

Wie notwendig es für einen Diener des Herrn ist, dem Wort nicht die Spitze zu nehmen. Man soll es in seiner ganzen Schärfe anwenden. Lass es wirken, was es will – zum Tod und zum Leben. Nur Menschenfurcht und Feigheit bringt Leute dazu, dem Wort die Spitze zu nehmen, und dann redet man sich selbst und anderen ein, dass die Liebe einen dazu gebracht habe. Dies war immer eine Lüge und ist es weiterhin. Wer ist tüchtig, denen, die verloren gehen, ein Geruch des Todes zum Tode zu sein, und ein Geruch des Lebens zum Leben denen, die gerettet werden?

Doch nachdem die ganze Welt im Argen liegt, soll man mitten in dieser Treue gegenüber der Wahrheit ohne Falsch wie eine Taube und listig wie eine Schlange sein. Dabei soll man sich bewusst sein, dass man dort erntet, wo man nicht gesät hat und sammelt, wo man nicht ausgestreut hat. Denn die einen säen und andere kommen in deren Arbeit und ernten. Selig, an allen Wassern zu säen, selig, in Christi Ernte zu ernten, sodass wir wie ein Staubkorn in der Zeit unser Werk vollführen, ehe wir dahinfahren und nichts mehr ausrichten können.

Pflügt man tief, begegnet man größerem Widerstand, als wenn man nur flach pflügt. Der Widerstand hängt davon ab, wie weit wir in die Tiefe graben. Geht man leicht über etwas hinweg, dann kommt man leicht davon. Es gibt viel Oberflächlichkeit ringsumher; doch Christus grub tief. Tief in Christus zu graben ist dasselbe, wie tief in Selbsterkenntnis zu graben. Denn in jedem Menschen sind die notwendigen Voraussetzungen vorhanden, um lebendiggemacht zu werden, wenn er sich nur zur Bearbeitung in die Hand des Meisters ausliefern will.

Br. Gerrard wäre ein sehr lieber Bruder. Ich würde nur wünschen, dass er ungezwungener wäre und dass er sich nicht so fest an den Buchstaben klammern würde wie an den Geist in der Sache. Man muss frei sein, um ein Streiter zu sein. Doch ist er gut geeignet als ein Lehrer in Christus Jesus, wenn er nur die Kunst lernt, frei zu sein – nicht gezwungen. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch und ich bat ihn, sich der Unbefestigten in Kristiansand anzunehmen und sie gründlich zu unterweisen, die Widersacher und Feinde aller Art zu verjagen, sodass die Lämmer in Frieden weiden können.

Wir haben viel zu lernen, lieber Bruder; aber wenn wir uns nicht darum scheren, ob wir den Menschen gefallen, dann werden wir lernen. Denn wer allein die Ehre Gottes sucht, der ist wahrhaftig und es ist kein Falsch in ihm.

Fürchte nicht die Widersacher, sondern überwinde sie mit Weisheit von Gott. Niemand darf dir zu stark werden, als allein die Wahrheit. Sieh nicht die Person an, so wird die Kraft von Gott bei dir bleiben und zunehmen; denn auch Gott sieht nicht die Person an.

Gestern hatten wir eine Trauung in unserem Wohnzimmer. Der Bruder von Pauline heiratete. Er organisierte, dass ein Pfarrer in unser Wohnzimmer kam und die Sache besiegelte. Ansonsten ist alles beim Alten, Christian leidet sehr an Verstopfung.

Leb nun von Herzen wohl und mach gute Fortschritte, sowohl persönlich als auch in der Arbeit. Es wird interessant sein zu hören, wie es geht.

Herzliche Grüße, Apg. 4, 12. Ich soll von allen hier grüßen. Schreibe bald wieder.

Dein Johan