deinen sehr lieben Brief, auf dem auch Helga etwas dazu geschrieben hat, haben wir bekommen, herzlichen Dank dafür. Es ist immer wie eine frische Brise, wenn du aus Kristiansand berichtest; und es freut mich und uns alle, dass es euch gutgeht, und auch, dass ihr volles Haus in der „Arbeitervereinigung“ gehabt habt. Halleluja, der Herr bekennt sich zur Arbeit seiner Diener. Erik Andersen kommt nächsten Dienstag und Mittwoch hierher und für diese Gelegenheit haben wir das „Bethel“ gemietet. Wir leben so still und isoliert hier in Horten; es gibt keinen dieser Reisenden (Wanderprediger), der uns kennt außer Erik Andersen. Mehrere, die früher ein verfinstertes Christenleben geführt haben, sind erquickt und haben zu jubeln angefangen. Eine Frau bat uns in der letzten Versammlung, mit ihr zu beten. Sie sah so gesund aus; doch nun erzählt Schwiegermutter, dass sie so strahlend glücklich war, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hat.
Ich habe noch verschiedene Dinge – tiefer gehende – über die ich Lust hätte, mündlich mit dir zu reden; die jedoch nicht ohne ein gewisses Maß an Anstoß zu Papier gebracht werden können. Nicht dass du Anstoß nehmen würdest; doch Johannes hatte recht, als er sagte, dass er nicht mehr mit Feder und Tinte schreiben wollte, sondern hoffte, bald mündlich mit ihnen reden zu können. Denn es können Dinge in der Bruderschar vorkommen, die uns zur Lehre sein sollen, und das sind solche Dinge, von denen ich meine, dass es nicht gut ist, darüber zu schreiben.
Gott ist gut. Er hat uns im Tod seines geliebten Sohnes mit sich selbst versöhnt, indem er ihn zu unserer Rechtfertigung von den Toten auferweckt hat. Sind wir durch den Glauben gerecht gemacht, so haben wir Frieden mit Gott. Die Rechtfertigung kann man spüren und merken, bevor man eigentlich angefangen hat, gerecht zu leben. Aber wenn man damit anfängt, gerecht zu leben, wird dies unsere Frucht zur Heiligung. Der Geist tut die Augen auf über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht – nicht über Heiligkeit. Aber trotzdem ist Christus uns von Gott zur Weisheit geworden, zur Rechtfertigung, Heiligung und Erlösung. Heiligung erlangt man also, indem man im Geist wandelt. Ohne Heiligkeit wird niemand Gott sehen. Es gibt viele, die Christi Gerechtigkeit kennenlernen, die nie geheiligt werden. Der Geist tut zuerst die Augen auf über die Sünde, weil man nicht an ihn glaubt (dann ist man also ungläubig). Dann tut er uns die Augen auf über die Gerechtigkeit (wir glauben dann und sind mit ihm auferweckt), weil er zu seinem Vater geht. Danach tut er die Augen auf über das Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist (Heiligung). Das Auftun der Augen über die Sünde verdammt den Gottlosen. Das Auftun der Augen über die Gerechtigkeit bringt den Gläubigen zum Jubeln. Das Auftun der Augen über das Gericht bringt die Seele, die geheiligt wird, dazu, die Gemeinschaft der Leiden Christi zu erfahren. Will jemand mein Jünger sein, der nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Man kann gerechtfertigt sein, ohne sein Jünger zu sein. Man kann jedoch nicht geheiligt werden, ohne sein Jünger zu sein. Die Rechtfertigung ist ausschließlich ein Werk Christi in uns – ohne dass wir entsprechend leben. Die Heiligung ist ein Werk, bei dem die Person selbst durch den Geist das Leben drangibt. Alles ist ja Christi Werk; doch ihr seid Christi, daher kann man unterscheiden, wo man beteiligt ist und wo man nicht beteiligt ist. Es ist mir ein wahres Vergnügen, dir von Christi Geheimnissen zu schreiben; denn ich weiß, dass du verstehst, was ich schreibe. Es ist eine Freude für das Herz, Gott zur Verfügung zu stehen und in seinem heiligen Rat von ihm lernen zu dürfen. Selig ist jeder einzelne, der von ihm lernt. Er will uns zu Pfeilern im Tempel seines Gottes machen, in dem Tempel, der aus lebendigen Steinen besteht, in dem Christus der Eckstein ist und die Apostel die Grundmauer. Wenn jeder lebendige Stein (jede Person) wächst, dann wächst der ganze Tempel. Wir werden miterbaut zu einer Behausung Gottes im Geist, halleluja!
Vielen Dank für die Einladung an Pfingsten; doch ich kann sie nicht annehmen, so gerne ich auch wünschte, euch alle zu sehen. Die „Sleipner“ liegt draußen im Hafen und mir ist die Beaufsichtigung bzgl. der Artillerie aufgetragen. Und zum anderen weiß der Korpschef davon, dass ich an Weihnachten in Kristiansand war, und es sieht so unverschämt aus, so oft Beurlaubung zu beantragen. Ich muss um derentwillen maßhalten, die diese Dinge nicht verstehen.
Das Traktat, das du mir sandtest, war ausgezeichnet. Es ist selten, dass man solche Wahrheiten gedruckt sieht – außer in der Bibel. Der Verfasser hat jedoch unsere Persönlichkeit weitestgehend ausgeschlossen. Wenn „ihr“ aber durch den Geist die Werke des Leibes tötet, so werdet „ihr“ leben, heißt es. Die Persönlichkeit muss miteingeschlossen werden. Will „jemand“ mein Jünger sein, der nehme „sein“ Kreuz usw. Was ist die Erlösung, wenn die Person ausgeschlossen wird? Dass Gott erlöst ist, dass Christus erlöst ist und dass der Geist erlöst ist (nur zum besseren Verständnis), das wissen wir; aber „wir“ sollen erlöst werden – „Ich“ soll erlöst werden. Wenn man aber vor dem Pronomen „Ich“ zurückschreckt, so kommt dies daher, dass das „Ich“ im Fleisch so viel Elend verursacht hat. Nun dagegen lebt nicht dieses „Ich“, sondern „Ich“ lebe, und dieses letztere „Ich“ darf man nicht töten, sonst wird es weder hier noch dort etwas und das Ganze endet im Nichts. Gerade darin liegt doch unsere Freude, dass wir ein gerechtes „Ich“ bekommen haben, ein „Ich“, das nicht sterben soll. Wer das Leben, „das Ich“, verliert, findet das Leben, „das Ich“. All dies ist ja so klar.
Grüße zuhause, grüße Ludvig. Ich sah ihn neulich Abend so deutlich im Geist vor mir, als ich für ihn betete. Im Übrigen Grüße in Christus an alle Geschwister.
Sei selbst auf das Herzlichste gegrüßt von deinem Bruder
JohanP.S.
Wir haben im Korpsbüro angefangen, nach den neuen Rechtschreibregeln zu schreiben und nach dem 1. Jan. 08 sollen sie in allen öffentlichen Büros eingeführt sein. Daher muss ich mich bei jeder Gelegenheit darin üben.
Es ist ein Schreiben vom Kommandierenden Admiral gekommen, dass die „Sleipner“ nicht vor Mitte Juli dieses Jahres auslaufen wird. Die Kadetten gehen im Frühsommer auf dem Panzerschiff H. Haarfagre an Bord.
Derselbe.
