Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Eltern und Geschwister, 4. April 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 4. 4. 1907
Liebe Eltern und Geschwister,

euer Brief ist angekommen, vielen Dank dafür. Am Gründonnerstag und Karfreitag waren Ellefsen mit Familie und ich in Kristiania. Wir wollten die Sache gern selbst aus der Nähe beurteilen, von der die Leute so viel geredet haben und die Zeitungen voll waren. Br. Barratt war ein Mann voll von Geist und Leben und mit einem nicht geringen Maß an Weisheit. Ich glaube, dass er den Geist der Weisheit und der Offenbarung in der Erkenntnis Gottes bekommen hat. Er hatte eine große Kraft. Br. Erik war ein wahrer Meister darin, Angriffe zurückzuweisen. Er hat die große Kunst gelernt, das Schwert zu gebrauchen. Die meisten haben ja solche Angst vor dem Schwert. Sie bilden sich ein, größere Liebe zu haben, wenn sie sich von ihren Feinden binden und niedertreten lassen, wenn sie sich ins Gesicht schlagen und von allen möglichen Lehren der Teufel übertölpeln lassen – das soll also Liebe sein. Das muss dann Liebe zu sich selbst, zum Teufel und zur Welt sein. Es ging richtig gut vor sich. Barratt und Erik sind genau die richtigen Männer, um zu leiten. Erik hat ja in Gottes Kraft schon früher einige Kämpfe durchgestanden. Wenn der eine oder andere Unverständige etwas herausbrüllt, dann rennen die Feinde Gottes – arm an Verstand – zu Hinz und Kunz und schwätzen darüber. Unter mehreren hundert Menschen kann so etwas durchaus vorkommen. Wenn überall in den Staatskirchen das Wort frei wäre, dann denke ich, dass man Geschwätz hören würde. Aber nun geht es dort ja schlimmer diszipliniert zu als in Gimlemoen (Exerzierplatz bei Kristiansand) – denn die Leute sitzen in „Hab Acht“ da und wagen kaum zu atmen.

Die Zungenrede ist und war wie Salz, abgefeuert von einer 27-cm Vorderladerkanone mitten in die Volksmenge. Alle Bauchredner der Welt seit den Tagen Adams zusammengenommen haben es nicht geschafft, Europas Presse so in Harnisch zu bringen wie Br. Barratt, als er nach Kristiania kam und in Zungen redete. Daher ist Zungenrede ein prächtiges Mittel – kein Wunder, dass der Teufel rast. Er versteht wohl, dass dies eine gefährliche Waffe gegen ihn und sein Werk ist. Gott hat mir Gnadengaben gegeben, Geister auszutreiben. Wenn die Luft voll vom vom Geist des Widerstands ist, sodass man kaum atmen kann, dann hat Gott mir Gnade gegeben, diese Geister in Jesu Christi Namen hinauszujagen und die Luft ist chemisch rein, sodass wir frei atmen. Warum soll der Teufel Gottes Werk hindern? Hat nicht Christus die Fürstentümer und Gewalten im Triumph einhergeführt? Nachdem der Geist des Unglaubens aus dem Raum vertrieben ist, habe ich bemerkt, dass er in Personen festsitzen kann. Es ist also ein Unterschied, ob man böse Geister aus der Luft in einem Raum austreibt oder aus Personen. Doch Gott wird mir mehr davon erklären.

Gestern Abend betete ein Marineangehöriger, dass der Geist des Unglaubens von ihm ausgetrieben werden möge. Gott gab mir sofort, dem bösen Geist zu gebieten, ihn zu verlassen. Er fühlte sich an dem Abend überaus wohl. Br. Ellefsen wird auch ab und zu von einem Unglaubensgeist überfallen, der ihn mehrere Jahre lang verfolgt hat – angefangen von der Zeit, als er im Begriff war, ein Freidenker zu werden. Andere Male kann Ellefsen mit großer Kraft reden. Br. Berg hat viel um die Gabe der Zungenrede gebetet. An einem Abend neulich redete er auch einiges in Zungen; aber später war er nicht imstande dazu. Im lutherischen Gemeindeverein haben sie alle Anstrengungen unternommen, um bei einem 17-18jährigen Mädchen die Gabe der Zungenrede zu unterdrücken und zunichtezumachen. Ich habe gehört, dass sie sie so weit gebracht hatten, dass sie sie um Fürbitte bat, dass sie nicht in Zungen reden müsse. Aber gestern war sie in einer unserer privaten Versammlungen und redete richtig frei in Zungen, so dass diejenigen, die sich soviel Mühe damit gegeben hatten, sie mit Wasser zu überschütten, um das Feuer auszulöschen, sich offenbar vergebliche Mühe gemacht haben; und deren Triumph hat wohl in der Wasserlache kulminiert.

Und dann ist es das Erzittern, das diese verkalkten Statuen so schwer verdauen können. Gott gab mir gestern Gnade, in einer Versammlung etwas über das Erzittern zu sagen. In Joh. 11, 33 sieht man, dass Jesus erschüttert wurde. In Daniel 10, 10 steht, dass Daniel sich zitternd auf seine Knie und Hände stützen konnte. Stell dir vor, wenn jemand Jesus gesehen hätte, wie er bebte; dann hätten sie sich wohl mit Pilatus, Herodes und Kaiphas verbündet und sich daran geärgert. Aber die jetzige Generation sagt: Hätten wir doch zur Zeit unserer Väter gelebt, dann hätten wir Christus nicht getötet. Doch die Jünger Christi unserer Tage haben in ihren Augen genauso den Teufel und sind verrückt.

Die Wirkungen des Geistes sind verschieden, er wirkt Schwert, Weisheit, Erkenntnis, Geduld, Bewegtsein, Glauben, Kraft usw. Es ist notwendig, die verschiedenen Geisteswirkungen zu kennen, sonst wird man sehr einseitig und andere Geisteswirkungen als die, an die man gewöhnt ist, versteht man falsch.

Du sprichst von Leitung. Ihr habt eine ausgezeichnete Leitung. Bleibt nur in Christus und seid hart wie ein Diamant gegen alles Fleisch, selbst wenn es im selben Haus ist. Satan soll nicht Recht bekommen, weil jemand vielleicht schreit. Lass sie nur schreien und heulen – weiche keinen Fingerbreit von der Wahrheit. Es braucht ausreichend Härte, Festigkeit, Liebe, Hingabe und Mut, um zu leiten. Entweder man leitet oder man wird geleitet – eines von beiden. Es ist hier nicht möglich, neutral zu sein. Doch soll sich derjenige, der wirklich die Salbung des Geistes hat, nicht von dem leiten lassen, dessen Herz voll von der Welt ist. Gott setzt Kräfte von den Geistgetauften ein, um die Schafherde zu leiten und zu führen. Und solchen Wegleitern soll man gehorchen, sonst kommt man mit der Schrift in Konflikt. Es gibt keine einzige geistgetaufte Schar – ohne dass Gott dort einen oder mehrere Leiter eingesetzt hat. Wenn man nur Acht gibt, dann ist es nicht schwierig, den Leiter zu finden. Der Leiter ist derjenige, der in Geist und Wahrheit der Herde in einer Notlage helfen kann, der den Wolf schlagen und die Herde gegen äußere und innere Feinde verteidigen kann, der versteht, gesunde Speise und gesunde Lehre zu geben, derjenige, zu dem die Herde Vertrauen hat – dies ist der Leiter. Wer sich dem Leiter widersetzt, widersetzt sich Christus. Wenn der Leiter abweicht, weicht meistens die ganze Herde ab. (Siehe die Engel der Gemeinde). Der Engel der Gemeinde ist in der rechten Hand des Meisters. Mit diesem leitet er; selbst wenn alle nein sagen, ist es dennoch so. Man braucht nicht lange in einer Schar zu sein, um den Leiter zu finden. Doch wenn jemand den Leiter nicht erkennt, so ist er dennoch der Leiter. Eine andere Sache ist es – wenn sich jemand Wegleiter nennen lassen will. So jemand ist ja fleischlich und fällt unter das Gericht und kann nicht als Leiter bestehen; denn er hat es nicht geschafft, sich selbst aus der Fleischlichkeit herauszuleiten – geschweige denn andere.

Christian ist groß und stark und munter trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Wenn der Junge auch ein wenig vom Zahnen geplagt war, dann ist das doch nicht dasselbe wie „kränklich“ zu sein. Er kann es von Verstand und Kräften her durchaus mit den meisten seiner Gleichaltrigen aufnehmen.

Aksels Brief bekam ich heute, grüßt ihn von mir. Grüßt alle zuhause. Es ist jetzt an der Zeit, mit allen Verbindungen zur Welt Schluss zu machen. Wenn man das Große begehrt, dann gibt es das in Christus, denn alle Schätze der Erde gehören ihm. Doch er bewies seine Größe dadurch, dass er vermochte, alle Größe der Welt fahren zu lassen, um zu zeigen, dass die ewige Größe, die er dadurch gewann, so sehr viel größer ist.

Euer Sohn und Bruder

Johan
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Fregattenkapitän Kielland lud einen der Unteroffiziersanwärter, der einer seiner Freunde ist, zu sich nach Hause ein, um ihn über die Zungenrede auszufragen. Der Betreffende hat gewiss den Geist der Weisheit und der Offenbarung bekommen und redet in Zungen. Er hat Kielland ziemlich weit überzeugen können. Kielland erzählte ihm, dass er es einmal mit Gott gut gehabt hatte.

Im Putzzimmer der Artillerie sitzen sie zur Frühstückszeit und lesen in ihren Bibeln.