Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 5. April 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 5. 4. 1907
Lieber Bruder Aksel,

deinen lieben Brief vom 1. 4. habe ich erhalten, vielen Dank dafür. Es ist für uns hier immer eine Freude, von euch zu hören. Morgen Abend werden wir bei mir Versammlung haben. Wir haben herrliche Versammlungen und dasselbe höre ich von euch. In unserer Zeit ist die Ermahnung, die Paulus Timotheus gab, so notwendig (2. Tim. 4, 2): Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung. Denn man wird noch erfahren, dass innerhalb der Herde eine Arbeit zu tun ist. Es geht nicht nur darum, sich zu bekehren – und dann ist man ganz fertig. Die Lämmer müssen gehütet werden und die Schafe müssen gehütet werden, wozu Jesus Petrus inständig ermahnt. Nicht alle sind Evangelisten, einige sind auch Propheten, Hirten und Lehrer. Jeder muss seinen Dienst wahrnehmen. Die meisten haben keinen hervortretenden Dienst, aber sie sind Glieder an demselben Leib. Ein Diener Christi soll zuerst geprüft werden, ob er treu ist, danach kann er in der Gemeinde wohl dienen. Freilich ist, wie du sagst, vieles abzuschleifen; aber gerade hier ist Weisheit von Gott notwendig. Hier ist eine Aufgabe wahrzunehmen, die von allerwichtigster Art ist. Man hat es hier mit der Gemeinde des lebendigen Gottes zu tun, für die einem die Verantwortung anvertraut wurde. Man muss sie vor dem Wolf schützen, vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer und sie so hüten, dass sie Nahrung bekommt usw. Mögen wir an jenem Tag für diese sehr schwierige Aufgabe das Zeugnis erhalten: „Gut gemacht, du guter und treuer Diener“.

Es ist gut, seine Aufgabe immer klar vor seinem Bewusstsein zu haben. Nicht, dass man sich über die Aufgabe freut, sondern dass man seine Aufgabe mit vollem Verständnis und mit voller Verantwortung vor Gott und den Menschen angehen kann. Deshalb ist es von allergrößter Bedeutung, dass derjenige, der andere leiten soll – sich nicht selbst von jemandem leiten lässt. Christus leitet die Diener der Gemeinde direkt. Um von Christus geleitet zu werden, muss man sein Leben außerhalb des Lagers (außerhalb der Gemeinschaften in der Welt usw.) haben, denn dort kann man die Stimme des Geistes hören. Selbst wenn die Wirksamkeit außerhalb des Lagers nach wenig aussieht, so wird doch mehr daraus, als wenn man vor Tausenden innerhalb des Lagers predigt. Siehe Jesus an: welch ein Dienst – unter scheinbar nur wenigen. Br. Kristoffersen fängt mehr und mehr an, die Enttäuschung innerhalb des Lagers der Versammlungshäuser zu empfinden. Er begibt sich mehr und mehr zu uns hinaus. Er bekommt mehr und mehr Widerstand wegen der Zungenrede. Die Zungenrede ist mehr wert als lange Predigten; denn sie kann sie dazu bringen, sich aufzubäumen und nachzulesen und sich am Kopf zu kratzen. An einem Tag sagen sie, dass es von Gott ist, am Tag danach ist es vom Teufel, dann ist es am dritten Tag wieder von Gott usw. bis ins Unendliche. Kein Wunder, dass es ein Zeichen ist – ein prächtiges Zeichen. Die Leute erzittern bis in ihre Grundfesten, halleluja. Kann man sich wohl über Paulus wundern, wenn er sagt, dass er wünschte, alle redeten in Zungen? Von mir aus könnten sie gerne auch alle zusammen erzittern, Joh. 11, 33; Hebr. 12, 25 ff. Der Leib ist ja von Erde genommen und die Dinge, die erschüttert werden können, weil sie geschaffen sind, sollen verwandelt werden, damit das bleibe, was nicht erschüttert werden kann. Wir werden einmal einen Leib bekommen, der nicht erschüttert werden kann. Dieses Erschüttertwerden macht die Lehrsätze von Hymenäus und Philetus, dass die Auferstehung schon geschehen sei, zunichte. Denn alles, was erschüttert wird, soll verwandelt werden; daher lass sie nur erschüttert werden. Alles, was Gott macht, ist sehr gut.

Hebr. 13, 10: Wir haben einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. Auf diesem Altar befindet sich Christi Leib, sein Fleisch und sein Blut. Unser Geist isst von diesem Altar, nicht unser natürlicher Mensch. Unser natürlicher Mensch ist in dem sterblichen Leib Christi auf dem Altar eingeschlossen. Denn unsere Speise ist, den Willen Gottes zu tun, und der Wille Gottes ist unsere Heiligung. Wir gehen mit ihm zugrunde und werden mit ihm lebendig gemacht. Dieser Altar ist inwendig in uns; und wir haben das Recht, davon zu essen. Denn je mehr wir essen, desto mehr werden wir nach dem Geist lebendig gemacht und desto mehr werden wir nach dem Fleisch verzehrt und getötet. Aber derjenige, der nur äußerlich von den Sünden außerhalb des Leibes gereinigt ist, dient der Stiftshütte und hat keinen Altar in sich, von dem er essen kann. Denn man muss mit ihm gestorben sein, um mit ihm leben zu können. Dieses Sterben ist das Opfer auf dem Altar (Christus). Das wiederum, was gestorben und auf dem Altar ist, soll aufgegessen werden. Dies bedeutet, immerdar in den Tod gegeben zu werden. Jetzt kam gerade Pauline heim und erzählte, dass Sigurd Kristoffersen gestern im lutherischen Gemeindeverein in Zungen geredet habe. Der Pfarrer war zugegen (Bugge), er befahl Kr. zu schweigen; doch Kr. fuhr damit fort, in Zungen zu reden. Sie fingen dann an zu singen „Lobet den Herren, den mächtigen König“ usw. Als er fertig war, bekam er (Kr.) Bescheid, dass im Saal des Gemeindevereins in Zukunft verboten sei, in Zungen zu reden. Wenn er kommen wolle, könne er das gerne; aber er sollte nicht in Zungen reden.

Ich hörte, dass sie in dieser Sache eine Vorstandssitzung machen wollten; dies war vermutlich das Ergebnis. Ein prächtiges Ergebnis.

Man kann die Feindschaft spüren, doch der feste Grund Gottes besteht dennoch. Ihr werdet von den Synagogen ausgeschlossen werden und werdet von jedermann gehasst werden um meines Namens willen. Halleluja, dass die Kraft nun so groß zu werden beginnt, dass dies geschieht.

Halte fest in Christus! Fürchte dich nicht, wenn Satan rast! Binde die Schar in dem gesunden Glauben und der gesunden Lehre zusammen! Niemand verachte deine Jugend! Beschütze die Herde! Und Gott wird dir mehr als genug Kraft und Weisheit geben.

Herzliche Grüße an dich und die Brüder und Schwestern im Herrn. Leiden miteinander bringt Liebe zueinander. Halleluja.

Dein in Christus streitender

Johan
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Mit dem Arsenalverwalter Sande habe ich heute auf der Werft lange über viele Dinge gesprochen. Er hatte Halvorsen (Methodistenpfarrer) verweigert, im Saal der Abstinenzler gegen Zungenrede zu reden; denn er ist nämlich Vorsteher. Er hatte bei dieser Gelegenheit eine längere Auseinandersetzung mit dem hiesigen Methodistenpfarrer Wiel. Jetzt will er gerne Barratt hier haben. Er war sehr offen. Er sah selbst, welche Auswirkungen die Zungenrede hatte, sagte er. Und er war einig mit Joakim Pettersen in der Zeitung „Kristelig Tidende“. In der Zeitung

„Hortens Avis“ hat er auch feindliche Artikel widerlegt.