Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 8. März 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 8. 3. 1907
Lieber Bruder Aksel,

deinen sehr lieben Brief vom 5. 3. habe ich erhalten, vielen Dank dafür. Ich höre, dass du bereits an dem Leiden um seines Namens willen teilhaftig geworden bist. Im Morgenblatt vom 5. des Monats steht ein Artikel aus Kristiansand über Zungenrede – ein Zahnarzt redete im Versammlungshaus in Kristiansand in Zungen usw. Es ist gut, nicht zurückzuweichen, lieber Bruder. Denn nach einer kurzen Zeit Leiden – wenn es sein soll – gehen wir in eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit ein.

Ich kann dich mit demselben Trost trösten, mit dem du mich getröstet hast: Jer. 1, 17 bis zum Ende des Kapitels. Glaube nur – und die Pforten der Hölle werden nicht die Oberhand gewinnen.

Bezüglich dem, was du schriebst, dass du das Weinen des Geistes in deinem Inneren gefühlt hast – habe ich dasselbe empfunden. Br. Klingsaid hat das auch empfunden. Denn wem gegenüber seufzt der Geist, sagst du, eben gegenüber dem Propheten. Denn der Herr offenbart alle seine geheimen Ratschläge seinen Dienern, den Propheten. Alle Leiden können in einer Summe als die Leidensgemeinschaft Christi bezeichnet werden – das heißt, wenn man die Lehre und das Leben hat, das zur Gottesfurcht führt. Aber trotzdem verstehen wir stückweise und prophezeien stückweise auch von dem Leiden. Um die tiefste Ursache des Leidens zu verstehen, müssen wir klar vor Augen haben, dass niemand zum Himmel hinauffährt, außer demjenigen, der vom Himmel herabgefahren ist – Jesus Christus, der im Himmel ist. Er fuhr herab, um alles zu erfüllen. Um alles in allen werden zu können, musste er zur Sünde gemacht werden. Um alles wieder mit Gott in Harmonie bringen zu können, musste er sich selbst verleugnen und gehorsam sein bis zum Tod. Er heiligte sich in der Wahrheit, damit wir in Wahrheit heilig sein sollten. Der ganze Weg von dem, Sünde zu sein, bis dahin, in Wahrheit heilig zu sein, ist Christi Mission hier auf der Erde. Während dieses Prozesses kommen die intensivsten Leiden vor. Von diesen Leiden steht in Phil. 3 geschrieben. Wir sollen Christus in seinem Tod gleichgestaltet werden. Dies ist ein persönliches Leiden, das jeder Einzelne von uns für sich selbst ertragen muss; denn es gehört zu unserer Zubereitung. Das kann als mit ihm leiden bezeichnet werden. Wenn man aber um seines Namens willen verspottet wird, dann leidet man direkt um seines Namens willen. Aber dieses Leiden wird das Leiden mit ihm vermehren, sodass der Sündenleib noch mehr zugrunde geht. Dann gibt es ein Leiden im Geist; der Geist weint. Der Geist Christi ist bei der Zunichtemachung des Sündenleibs hervorgekommen. Denn dort war er vollkommen gemacht worden, heißt es. Er wurde also vollkommen gemacht. Jetzt bildet uns derselbe Geist auf dieselbe Weise aus, wie er Christus ausbildete oder wie er in Christus ausgebildet wurde. Er kann sich nicht selbst verleugnen. Dieser Geist Christi lebt davon, dass der Leib der Sünde zugrunde geht. Meine Speise ist, den Willen des Vaters zu tun. Wenn dann jemand, für den man betet – nicht in der richtigen Verfassung ist (denn der Geist wirkt auch das Gebet), dann weint der Geist; denn er bekommt keine Nahrung, sodass er wachsen kann.

Paulus wollte, dass sie wissen sollten, welch großen Kampf er um sie und die zu Laodizea hatte. Er ermahnte sie drei Jahre lang unter Tränen. Der Geist weint durch seine Diener, denen er sich mit seinem geheimen Schmerz anvertrauen kann. Man muss hier in der Welt mit einem Menschen ein sehr vertrautes Verhältnis haben, damit der Betreffende uns unter Tränen seine geheimsten Sorgen erzählen will. Welch unendliche Gnade dann, dass der Geist uns seinen Schmerz offenbaren will. Welch ein Beweis an Hingabe. Er, der Geist der Wahrheit, will uns unter Tränen seine tiefste Sorge offenbaren. Dieses Leiden ist ein Leiden mit Christus der allerheiligsten Art, denn es ist ein Leiden in Geistesgemeinschaft. Leide ich im Fleisch, um dort zunichtegemacht zu werden, damit sein Leben in meinem sterblichen Fleisch offenbar wird, dann ist das ein Leiden als eine Person – für meine eigene Erlösung. Aber Leiden mit ihm, wenn der Geist weint, ist ein Leiden als Diener Christi. Also kann ich als Person leiden – für mich selbst – und als Diener – für andere (Jes. 33, 7).

Jetzt habe ich dies so erklärt, wie Gott es mir zu verstehen gegeben hat. Und Gott, der dich in seiner großen Gnade Wahrheit hat verstehen lassen, wird es dich prüfen und beurteilen lassen.

Einmal wirkt der Geist, von der Weisheit zu reden, ein anderes Mal wirkt er, in Zungen zu reden, ein drittes Mal, von der Erkenntnis zu reden usw. 1. Kor. 12, 7 ff.

Jetzt muss ich dir erzählen, dass Br. Ellefsen gestern während einer Versammlung hier bei uns die Gabe bekam, Zungenrede auszulegen. Ich redete mehrmals in Zungen und Ellefsen legte aus. Er wurde dadurch so im Glauben gestärkt, dass sein Gebet voller Kraft wurde. Br. Berg spürte die Kraft über sich. Eine Frau wurde mit dem Heiligen Geist getauft und rief und jubelte aus voller Kraft, dies war gestern. Vorgestern bekam ein Mädchen im Alter von 18 Jahren – nehme ich an – den Geist. Sie redete in Zungen* und pries Gott aus vollem Herzen. Gott arbeitet und wirkt an mehr Personen, als man ahnt.

Grüße alle Geschwister in der heranwachsenden Gemeinde mit Ps. 112 und Ps. 133. 8. 3.

*) Sie redete heute Abend im Versammlungshaus in Zungen, ich komme gerade von dort. Grüße zuhause. Möge Gottes Geist auch Mutter zu stark werden.

Dich selbst grüße ich mit nur diesem einen Vers in Joel 2, 16. Dein in Christus allezeit verbundener Bruder

Johan

Grüße Helga