Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Eltern und Geschwister, 19. Mai 1898

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, den 19. Mai 1898
Liebe Eltern und Geschwister!

Vielen Dank für euren Brief, den ich erhalten habe. Nun bin ich an Bord der Thor, aber heute Nachmittag habe ich Landgang (Christi Himmelfahrt). Heute haben wir ein großes Sängertreffen mit Sängern von beiden Seiten des Fjords. Und heute Nachmittag um 3 Uhr werden sie im Exerzierhaus eintreffen. Nun kann ich euch, liebe Eltern und Geschwister, eine große Neuigkeit berichten, nämlich die, dass ich so glücklich bin. Und weshalb? Ja, weil ich Jesus als Freund und Bruder bekommen habe; er ist jetzt mein Alles. Früher konnte ich sein, wo ich wollte – nirgends hatte ich Frieden, aber Gott im Himmel sei gedankt, nun habe ich überall Frieden. Wie bekamst du diesen Frieden, werdet ihr wohl fragen? Ich habe schon länger verstanden, dass es ohne Gott keine wahre Freude gibt. So traf es sich an einem Sonntagnachmittag, dass ich Hans Olausen begegnete, der am gleichen Tag wie ich den Dienst in der Marine angetreten hatte. Wir gingen zusammen in die Methodistenkirche. Während wir dasaßen, fragte ich ihn, ob er mit mir nach Hause kommen und dort zu Abend essen wolle, was er gerne annahm. Zuhause erzählte er dann, wie krank Adolf Olsen (Sohn des Klempners) ist und erwähnte, wie er ihm von Gott erzählt hatte. Ich wurde sehr bewegt, weinend fassten wir uns an den Händen und er betete zu Gott für uns beide. Ich kann nicht vergessen, was ich dabei empfand, denn der Teufel kam natürlich, wie es seine Gewohnheit ist, aber das Gebet hatte doch seine Wirkung. Denn in der folgenden Nacht hatte ich „Hundewache“ an Bord des Monitors und in einem kleinen runden Turm betete ich zu Gott. Es sah so finster aus, doch plötzlich wurde ich so froh, dass ich beim Gehen meinte, das Deck fast nicht zu berühren. Ja, allein Gott kann uns so froh machen, er sei über alles gepriesen! –

Es ist sicherlich nicht einfach für uns, die wir im Berufsleben mit so vielen zusammen sind, aber Gott wird uns helfen, stets festzuhalten. Ihr könnt mir glauben, dass mir sonderbar zumute war, als ich von der Wache zum Essen runterkam, denn meine Absicht war, Gott für das Essen zu danken, doch ich hatte keinen Mut dazu. Hinterher wurde ich deshalb innerlich zurechtgewiesen und das nächste Mal faltete ich inmitten der Unteroffiziere erstmals meine Hände und dankte Gott. Jetzt ist es nach zwei Uhr und um 3 Uhr fängt das Singen an. Betet zu Gott für mich, dass er mich bewahren möge.

Grüßt meine Geschwister und bittet sie, den Herrn zu suchen, denn erst dann bekommen wir etwas, wofür wir leben und arbeiten können.

Einen freundlichen Gruß

Johan

Adr. Monitor «Thor»
Horten