euren Brief habe ich gestern erhalten, vielen Dank dafür. Ich bekam auch einen alten Brief, der aus Freetown kam. Ich bin gesund und munter, aber aus allen Briefen, die mich hier an Bord erreicht haben, sehe ich, dass ihr zuhause gesundheitlich angeschlagen seid. Ich höre, dass Ludvig Lust hat, zur See zu fahren. Das ist besorgniserregend, und ich will dir, Ludvig, raten, die Gedanken an die See fahren zu lassen. Genau jetzt ist die Zeit, in der du wählen kannst, ob du entweder für den Lebensunterhalt Böses in der Welt leiden willst oder ob du ihn auf eine leichte Weise verdienen willst. Wenn du Handwerker oder dergleichen zuhause wirst, kannst du, wenn du mit deiner Arbeit fertig bist, ruhig ins Bett gehen, die Decke übers Kinn ziehen und schlafen, bis der Kaffee bereitsteht und dir in die Nase duftet. Gehst du aber zur See, triffst du eine Menge rücksichtsloser Menschen, die vielleicht die eine oder andere Macke haben, und denen du als Jüngster an jeder Ecke aufwarten musst. Wenn du es nicht richtig machst, bekommst du vielleicht einen Tritt von dem einen, einen Schlag von dem anderen und eine Verrenkung von dem Dritten. Und wenn du in einer dunklen Herbstnacht auf der Rahe liegst, dir der Regen ins Gesicht peitscht, der Orkan heult und dir die Segelfetzen um die Ohren schlagen, würdest du vielleicht dazu kommen, die Wahrheit meines einfachen Briefs zu erfahren und dich nach Hause in dein weiches Bett wünschen. Als ich damals mit der Durango heimkam und im Bett hörte, wie die Segel im Sturm schlugen, kam ich mir vor wie im Paradies: Niemand kam zur Tür herein und schrie: „Alle Mann an Deck! Kommt in den Kleidern, die ihr gerade anhabt!“ Denk nicht an die See, Ludvig, hab sie immer als einen Schrecken vor Augen! Lass dir nichts vormachen von so dummen Jungs, die kurz draußen waren und sich, kaum wieder an Land angekommen, eine Schirmmütze kauften, um Seemann zu spielen. Sie wissen nicht mehr von der Seefahrt als du selbst. Aber ich will hoffen, dass du meinem Rat folgst, dann tust du deinen Eltern und Geschwistern etwas Gutes, aber am allermeisten dir selbst. Ich höre, dass Torkildsen und Marius in die Marine eingetreten sind, das ist schön, wenn weitere Bekannte kommen. Hier ist es nachts kalt, und das ist nun ungewohnt, wo wir aus der Wärme des Südens kommen. Hier gibt es eine Menge Norweger. Sobald wir mit dem Schiff am Kai anlegen, kommen Alte und Junge und sprechen norwegisch mit uns. Sie erzählen davon, wie lange sie schon in Amerika sind und woher sie sind, und es gibt viele Seeleute in der Küstenschifffahrt. Nun habe ich nichts mehr zu berichten, bis wir auf die andere Seite des Atlantiks kommen. Wir machen nicht so viel Aufhebens davon, nach Amerika zu fahren, wie manche andere. Als nächstes laufen wir Ponta Delgada auf den Azoren an. Zum Schluss wünsche ich Mutter, Selma und allen Kranken zuhause gute Besserung von eurem Sohn
Johan Oscar SmithDampfkanonenboot Ellida
Adr: Brest, Frankreich
Grüßt Großvater und berichtet mir, ob Sevrin und J. Berg zuhause sind.
