vielen Dank für deinen Brief vom 26. 6. Ich sehe daraus, dass du dasselbe Verständnis hast, dass Christus das Menschliche und Sündige in seinem Leib zu überwinden hatte, doch dass er stets über die Begierde siegte. Ja, wir haben Christi Geist und dieser Geist verhält sich in uns, wie er sich in ihm verhielt. Daraus können wir schließen, dass er mit dem zu kämpfen hatte, wogegen wir Kampf haben. Dieser Geist ist es, der die Welt überwunden hat, denn der in euch ist, ist stärker als der in der Welt ist. Durch eben diesen Geist werden wir weit überwinden. Aber Gott fordert absoluten und bedingungslosen Gehorsam und Unterwerfung unter seinen Willen. Dadurch, dass wir Ton in seiner Hand sind, erhalten wir eine wundersame Kraft und Fülle. Diese Kraft schwindet, wenn man das Allergeringste für sich selbst hat. Die Salbung des Geistes gibt einem Kraft und Durchhaltevermögen für die Arbeit. Aber sobald der Mensch angefangen hat, etwas in der Welt als groß anzusehen oder etwas zu haben, das er nicht aufgeben will, ist derselbe Mensch untauglich als Werkzeug und nur ein Wrack in der Welt, obwohl die ganze Welt im Argen liegt. Daher ist es von allergrößter Bedeutung, in ihm zu bleiben, wie die Salbung es uns gelehrt hat.
Die Apostel hatten viel Erkenntnis, aber sie sollten nicht in den Dienst hinausziehen, ehe sie mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet waren. Jesus selbst musste zuerst Kraft aus der Höhe annehmen, bevor er mit seinem Werk anfing. Nie zuvor habe ich ein solches Verständnis darüber gehabt, umsichtig zu sein und in der Salbung des Geistes zu bleiben, wie gerade jetzt. Denn ich sehe viele, die ins Abseits geraten sind, weil sie im einen oder anderen Punkt vom Weg abgeglitten sind. Abwege gibt es viele, aber Weg nur einen. Bis zu diesem Tag hat Gott mich in der Salbung seines Geistes bewahrt und Gottes Kraft ist über mir, wie sie von der Zeit an da war, als ich auf den richtigen Weg kam. Esau verachtete sein Erstgeburtsrecht und Simson sein Haar. Sie ließen es fahren. Dies bedeutet, dass sie ihre Weihe für Gott fahren ließen. Esau war durch die Geburt geweiht und das Band von Simsons Weihe war sein Haar. Nun verachtete er dieses göttliche Band und die Kraft verschwand. Wenn wir die Führung des Geistes verachten und nicht voll und ganz gehorsam sind, dann zerreißen wir das Band des Bundes – das Band der Verheißung – und die Kraft entschwindet zu dem, der sie gab. Will man diese Kraft zurückerhalten, dann muss man das Haar wachsen lassen, die Bande, die man zerrissen hat, müssen von Neuem geknüpft werden, und die Kraft kommt zurück. Gott ist unheimlich genau. Denn so, wie Christus den Weg gehen musste, so treibt uns Gottes Geist. Kann man sich etwas Radikaleres vorstellen?
Gestern kaufte ich ein aus dem Englischen übersetztes Buch, das heißt: „Die Taufe mit dem Heiligen Geist“ von R. A. Torrey. Das Buch kostet 65 Öre und ist unheimlich gut zu lesen, weshalb ich es wärmstens empfehlen möchte. Es ist leicht zu lesen und einfach zu verstehen und beinhaltet viele kostbare Weisheiten. Es war hier im Schaufenster einer Buchhandlung ausgestellt und ich ging mehrmals hin und habe das Buch angesehen, bevor ich es schließlich kaufte. In dem Buch wird erklärt, wie man die Kraft (die Geistestaufe) erhält, wie sie wirkt und wie man sie verlieren kann. Dies wird einfach, klar und deutlich erklärt, schnörkellos und ohne Umschweife.
Es gibt allerlei, worauf man achten muss. Welch eine ungeheure Trockenheit herrscht doch überall in den Versammlungen. Warum ist das so? Das ist so, weil die Kraft und die Salbung des Geistes weg sind. Es gibt nur einen hier und einen dort, der mit Kraft und Vollmacht Gottes Wort verkündigen kann. Gottes Wort hat in sich selbst Vollmacht, denn der Herr ist Herr, und ein Herr gebraucht Vollmacht, insbesondere dann, wenn es nur einen Herrn gibt – eine Taufe – einen Gott und Vater aller. Die Geistestaufe, sagt Torrey, ist eine Sache, will man aber etwas ausrichten, dann ist eine besondere Ausgießung des Geistes nötig. Denn nachdem die Apostel an Pfingsten mit dem Geist erfüllt waren, kam etwas über sie, was heißt: Sie wurden voll Geistes. Das bedeutet: Sie empfingen Kraft, um das auszurichten, was bevorstand. Er sagt auch, dass ein Mensch von Gott geboren sein kann, ohne etwas von der Geistestaufe zu wissen. Dieselbe Erfahrung habe ich gemacht. Jesus war auch von Gott geboren, ehe er die Geistestaufe als Kraft für die Arbeit empfing; ebenso die Apostel, Apollos und die in Samaria. Die Geistestaufe macht nicht, wie manche lehren, unsere sündige Natur zunichte, sagt er, und damit hat er recht.
Gerade kommt Pauline herein und sagt: Christian ist der aufgeweckteste Junge, den ich je gesehen habe. Ja, er ist ein stattlicher kleiner Kerl, kannst du mir glauben. Runde, rote Backen und kräftige, dicke Arme. Er legt sich mit kleinen Buben an, die größer sind als er selbst. Er ist der Liebling von allen im Hof und er hat für alle zusammen, die mit ihm sprechen, einen Namen. Manchmal ruft er „Paula“ zu seiner Mutter und dann lacht er herzlich. Er hat gehört, dass sie so genannt wird. Er kann auch schon viel sprechen und macht sich auf alle Weisen verständlich. Johanne hat viele gleiche Eigenschaften wie Christian und sie gleicht ihm sehr. Aber sie ist ja erst 2 Monate, sodass es nicht so leicht zu beurteilen ist. Christian hat eine lebhafte Natur und er hat einen kräftigen Geist an sich, sodass man spüren kann, dass er in der Nähe ist, so klein er auch ist. Für uns sieht es so aus, dass er ein großes Pfund zu verwalten bekommen hat. Seine Geistesanlage ist stark entwickelt, sodass er unterbrechen kann, wenn Erwachsene sich unterhalten, und er gibt zu erkennen, dass er verstanden und gut zugehört hat.
Mama ist ihm sehr wichtig und sie kümmert sich ja auch am meisten um ihn. Er hat auch seine Urgroßmutter sehr lieb, denn sie steckt ihm immer etwas zu. Jetzt habe ich gelernt, die Schreibmaschine im Korpsbüro zu benutzen. Rosenqvist ist der Korpschef. Nachmittags arbeite ich an den Häusern und im Garten. Dieses Jahr habe ich fast 300 Kr. abbezahlt und eine ganze Reihe Arbeiten selbst ausgeführt. Im Garten haben wir ausgezeichnete Erde. Es ist ein wahrer Segen Gottes, dass ich dieses Anwesen zu so guten Bedingungen bekam. Und das ich, der es zuerst gar nicht haben wollte. Es ist finanziell gut tragbar, vor allem, wenn ich die meisten Reparaturen selbst ausführe. Dieses Jahr haben wir eine neue Steintreppe zur Straße hin und einen neuen Schleifstein bekommen und immer noch habe ich ca. 70 Kr. für weitere Reparaturen übrig, wenn man insgesamt 5% Zinsen und Tilgung rechnet. Es ist, wie gesagt, ein Segen Gottes. Mein Herz freut sich, dass ich etwas habe, woran ich arbeiten kann, und ich glaube, dass Gott mir dies gegeben hat. Deshalb habe ich das Anwesen letztes Jahr mitten in der Krise gekauft – trotz dessen, dass es mitten in der Schusslinie liegt, und trotz dessen, dass sie davon reden, die Station zu verlegen. Wenn etwas von Gott ist, dann habe ich verstehen gelernt, dass alle Mächte der Hölle es nicht umstürzen können. Daher kann ich zuversichtlich loslegen, selbst wenn alle Welt abwinkt: „Du bist verrückt“. Vielleicht ist dieser Ruhm übertrieben, aber etwas Kräftiges ist nötig, um aufzuzeigen, was einem in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Lebt nun wohl.
Euer JohanSchreibt bald.
Es ist lange her, dass ich von Aksel etwas gehört habe.
Mutter und Anna werden eventuell eine Rundreise über Moss, Horten usw. machen. – Die Brevikroute?
