Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 7. Mai 1906

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 7. Mai 1906
Lieber Bruder Aksel,

danke für die Karte von den Jungs in Egsheien. Möge Gottes Geist sein Werk in ihnen tun dürfen. Ich hoffe, dass du den Brief mit den 210 Kronen erhalten hast. Wir sind noch an Bord, werden aber am 15. dieses Monats abmustern. Ich hoffe, dann an Land zu kommen.

Gestern war ich an Land und es war eine große Freude für mich, mit Bruder Ellefsen und seiner Frau zu sprechen. Sie sind eifrig und haben Fortschritt im Verständnis der Wege Gottes mit ihnen. Die Liebe nimmt in dem Maß zu, wie die Korrespondenzfähigkeit zunimmt. Die Korrespondenz mit Gott nimmt mit dem Wachstum des Lebens zu. Christus hat alles für uns aufgegeben, dadurch hat er seine Liebe bewiesen. Wir beweisen unsere Liebe zu ihm dadurch, dass wir alles aufgeben, um ihn zu gewinnen. Unser Leben ist nur ein Hauch im Weltraum, daher sollten wir unser Leben auf die nutzbringendste Weise auskaufen. Denn das Ergebnis unseres Lebens, wenn es in dieser Welt abgeschlossen wird, besteht in der Geistesfülle, zu der wir in Christus gelangt sind. Unser Reichtum sind die Schätze, die wir im Himmel gesammelt haben. Und unsere Zinsen sind die Anzahl Pfunde, die wir uns erwuchert haben. Ringet danach, heißt es. Lasst ab von der Sünde in jeder Gestalt. Was groß ist in der Welt, ist ein Gräuel in Gottes Augen. Darum sollst du nicht das für groß ansehen, was die Welt für groß hält. Du sollst dich nicht von Satan in Samt und Seide betören und faszinieren lassen. Du sollst den Hochmutsgeist nicht verschonen; du sollst ihn zermalmen. Du sollst nicht zu Personen aufsehen, die sich im Hochmut ergehen, sondern sie in deinem Herzen verachten – jedoch nicht sie, sondern diesen. Die Sprache ist unbeholfen und kantig, aber der Geist ist behende, scharfsinnig und klar. Darum kann die Sprache nur bezeichnen, was man meint – wie dunkle Striche, die in Figuren einen Umriss des Wirklichen abmalen. Als ich kürzlich in Kristiansand war, littet ihr alle ohne Ausnahme unter einem gehörigen Schuss Größenwahn. Ihr wart von einem Hochmutsgeist Satans umgarnt und teilweise gefangen.

Selbst Vater, der am längsten von allen durchgehalten hat, war in hohem Maß angegriffen. Möge Gottes Erlösung auch dies wegräumen. Ihr werdet von dort nicht herauskommen, bevor ihr nicht den letzten Heller bezahlt habt. Ich hoffe, dass du, Aksel, verständig bist und den Wahnsinn abweist, denn es sind die Geringen und Unbeachteten in der Welt, die Gott erwählt, um das zu beschämen, was meint, etwas zu sein.

Vergiss dies nie. Christus leidet nicht unter Größenwahn. Er bewundert nicht Samt und Seide und glänzende Kleider und diejenigen, die einen Ring am Finger tragen. Denn alles Silber und Gold gehört dem Herrn. Lass dich nicht betrügen, lieber Bruder, werde kein Narr. Jage und verfolge sie bis an die äußersten Grenzen der Philister. Verschonst du sie, so werden sie dich nicht verschonen. Alle Feinde sollen aus dem Land ausgerottet werden. Ansehen der Person innerhalb der religiösen Kreise ist von einem Vater, dem Teufel. Fliehe diese, die das praktizieren. Schlage sie mit dem Schwert des Geistes, sie und ihre Kinder. Denn in Christus Jesus gilt nicht arm oder reich, Jude oder Grieche, sondern eine neue Kreatur. Das, was nicht gilt, soll auch nicht angesehen werden, als ob es etwas sei.

Es wäre interessant, mit dir mündlich über viele Dinge zu sprechen. Grüße zuhause und sei selbst aufs Beste gegrüßt von deinem Bruder

Johan

Schreibe bald.

Die Kleine ist gesund und munter. Ebenso Christian und Pauline.