Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 26. Mai 1906

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

(Original fehlt)

Horten, 26. Mai 1906
Lieber Bruder Aksel,

vielen Dank für deine Briefe und das Foto. Ich hatte schon an dich geschrieben und eine Briefmarke auf den Brief geklebt, ihn aber nicht abgeschickt. So mache ich es übrigens oft. Tagsüber habe ich Arbeit damit, im Garten Wurzeln auszugraben. Christian wächst und wird geradezu ein Löwe, denn er beobachtet alles Mögliche und ist unheimlich aufgeweckt. Die Kleine spricht noch nicht viel, aber sie ist lieb.

Ich hoffe, dass der Eifer noch in dir ist und dass du in Weisheit und Erkenntnis vorwärtsgehst. Was mich betrifft, haben viele Weissager prophezeit, dass ich mir bald die Hörner abstoße, dass ich mich bald müde laufe, dass der Eifer bald nachlässt usw. Und was sie meinen, ist wohl, dass auch bald der Teufel siegt und der Schlaf eintritt. So haben es mir die, die sich Christen nennen, prophezeit. Aber Gott sei Lob und Ehre: Der Eifer ist genauso groß, vielleicht größer, die Hörner stoßen genauso stark und die Kraft ist größer als je zuvor, sodass diese Weissager Lüge geweissagt haben. Gottes Reich besteht in Kraft, lieber Aksel. Es sind enorme Kräfte in Gott. Tore aus Kupfer taugen nichts, eiserne Mauern sind zu schwach, denn nichts, was geschaffen ist, kann bestehen vor dem, der es geschaffen hat. Gott ist ein Held gegen seine Feinde und der Schrecken vor ihm bringt die Sünder zum Erbleichen. Ich hoffe, dass du dich ganz und gar Gott hingibst, sodass du nicht einfach nur ein religiöser Taugenichts und religiöser Landstreicher wirst, für den in Ewigkeit tiefe Finsternis bereitet ist. Wache richtig auf, schlafe nicht so, wie diejenigen schlafen, die nichts von Gott wissen und doch vorgeben, etwas zu wissen. Bilde dir nie ein, dass du Gott und Menschen gefallen kannst. Gott widersteht solchem Humbug. Aber aus dem Staub ruft er uns in seinem Sohn. Es hilft nicht, Gott Sand in die Augen zu streuen. Eine religiöse Maske ist ihm ein Gräuel. Er hasst Lauheit, denn er selbst brennt vor Eifer. Wenn wir alles getan haben, wie es getan werden soll, dann sind wir nur unnütze Knechte gewesen. Ein vollkommenes Eingeständnis darüber, dass wir in allem zu kurz kommen, führt dazu, dass wir in nichts zu kurz kommen. Wir sind irdene Gefäße aus Staub, in denen Gott das Wollen und das Vollbringen wirkt. Und meistens wirkt er in uns eine solche Rede, dass man glaubt, wir hätten den Teufel und seien verrückt. Die Sache ist aber, dass der Teufel und das Verrückte so deutlich zur Schau gestellt werden, dass der Mensch meint, dass derjenige, der so redet, vom Teufel besessen und verrückt sei. Wenn man sich aber „bekehrt“, dann wird auch alles solche umgekehrt.

Mein Wunsch ist, dass du dich ernsthaft abmühst und ernsthaft strebst, um durch die enge Pforte hineinzukommen, und nicht anfängst, dumm zu sein und den Freigemachten zu spielen, bevor dich das Gesetz auf Christus hin gezüchtigt hat. Von solchen gibt es jetzt viele. Eine gründliche Zunichtemachung geht allem Herrlichen voraus. Gottes Geist musst du gehorchen durch dick und dünn – selbst wenn dir das so sehr zusetzt, dass dir schwarz vor Augen wird, denn dies ist der Weg des Lebens. Lass dir nie einfallen, Rat von den Religiösen anzunehmen, denn die meisten sind im Fleisch mehr bewandert und erfahren als im Geist. Sprich über Kartoffeln, Speck und Fleisch, da sind sie daheim und können mitreden. Gehst du aber über das Greifbare hinaus, dann stehen sie da und schauen dich mit großen Augen an und wissen weder ein noch aus. Frage sie daher nie um Rat, sondern gehe im Geist geradewegs vorwärts, dann wird es dir gut gehen. Wenn es dann schiefgeht, so musst du das mir zuschreiben, denn unter vielen Mühen hat Gott mich dazu gebracht zu gehorchen. Und dadurch ist Gottes Kraft über mich gekommen, sodass ich geradezu platzen könnte vor Kräften in Gott und gut gegen ganze Regimente von Philistern kämpfen könnte. Grüße nun alle zusammen, die sich für einen Gruß in Christus würdig fühlen.

Dein im Stein des Anstoßes ruhender Bruder

Johan