Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 2. Mai 1906

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

(Original fehlt)

Horten, 2. Mai 1906
Lieber Bruder Aksel,

Gottes Gnade und Friede mögen dich stärken nach Leib, Seele und Geist. Gott ist unsere Stärke, denn in der Ruhe und im Vertrauen auf ihn liegt unsere Stärke.

Ich höre, dass du körperlich schwach bist, aber Gott wird deinen Leib stärken; auch, dass du dich schwach in der Seele fühlst, aber Gott wird deine Seele stärken. Die Luft am Voksenkollen alleine vermag nicht, dir Stärke in der Seele und Kraft in den Gliedern zu geben, doch Gottes Kraft vermag es. Du brauchst nicht nach Genf zu reisen, um Erquickung zu finden, denn Gott ist dir nahe in deinem Herzen und in deinem Mund. Man muss jetzt nicht mehr nach Jerusalem oder zum Berg Garizim reisen und ebenso wenig hat man es nötig, Christus vom Himmel oder aus dem Abgrund herzuholen, denn er ist in Wahrheit nicht weit von einem jeglichen von uns. Verstehe mich nicht falsch, denn die Reise, die du zum Voksenkollen unternommen hast, hat dir wohl bewiesen, dass du weder von Christus wegnoch zu ihm hingereist bist.

Vielen Dank für die 770,00 Kronen, die du mir geschickt hast, jedoch hoffe ich, du wirst nicht so hartherzig sein und mir die Frucht rauben, die mir im Herrn dadurch zuteil wird, dass ich dir die in den vergangenen Jahren angefallenen Zinsen zusende. Meine Zinsen sind mehr als bezahlt, weil du das Geld so nützlich verwendet hast, und durch deine gute Herzensgesinnung gegenüber deinem Bruder Ludvig. Der Herr, der Augen hat wie Feuerflammen, lasse dir an jenem Tag Barmherzigkeit widerfahren, weil du die Frucht deiner Hände auch anderen zugute kommen ließest.

Also erlaube ich mir, dir 210,00 Kronen zurückzusenden.

Ich befürchtete, dass du mir böse warst, weil du nicht schriebst; aber das ist ja nicht der Fall. Ich gebe zu, dass ich sehr hart und ungestüm vorgehe. Aber Gott hat mich so geschaffen und ich fühle, dass es meine Aufgabe in Christus ist, schonungslos vorzupreschen, wo es erforderlich ist, denn dadurch finde ich einen kostbaren Frieden und Sieg. Und alle, die etwas von Gott bekommen haben, werden verstehen, dass ich es nicht tue, um ihnen zu schaden, sondern um den bösen Geist oder das Verkehrte, mit dem sie beschäftigt sind, von ihnen zu reißen. Lebe wohl und schreibe bald.

Grüße alle daheim und ruhe geborgen im Herrn, denn es ist kein Untergang, wenn du nicht immer überall dabei bist.

Ich bin jetzt zur Mittagszeit an Land, denn Pauline hat gestern eine Tochter bekommen – groß und kräftig.

Grüße von Pauline und Christian, sowie von deinem allezeit hingegebenen Bruder

Johan