Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 4. Februar 1906

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 4. Februar 1906
Lieber Bruder Aksel,

vielen Dank für deinen lieben Brief. Meine Tinte ist verschwunden, deswegen schreibe ich mit Bleistift. Heute sitze ich an Bord. Wir haben noch nicht den Befehl zum Auslaufen erhalten, warten aber jeden Augenblick darauf. Gottes Treue steht mir mächtig bei mitten in der Trübsal, die ich so sehr nötig habe. Darum bin ich ganz zufrieden, denn der Herr wird mich in der ihm angenehmen Zeit befreien. Gott gibt mir Gelingen in meinem Dienst an Bord – aber niemals zu viel und niemals zu wenig, wie es letztes Mal in „Det gode budskap“ (Die gute Botschaft) stand. Denn obenauf zu kommen, würde mich hochmütig machen, und zu unterliegen würde mich verzagt machen. Daher sind alle Wege Gottes ebene Wege und gebahnte und richtige Wege. Hochmut und Verzagtheit haben in seinen Auserwählten keine Zukunft, aber mit Demut und Kraft gelingt es.

Du schriebst von den Jungs in der Tordenskiolds Straße und nanntest sie „unsere Jungs“. Hast du richtig darüber nachgedacht? Wäre es nicht besser, dass du und die Clique, in der du bist, „ihre Jungs“ wären, sodass die Jungs sich darin freuen könnten, dass alles ihnen gehörte? Aber wenn ihr sie „unsere Jungs“ nennt, dann fühlen sich die Jungs wie Sklaven unter euch. Wenn ihr sie dagegen verstehen ließet, dass ihr ihre Jungs seid, dann würden Freiheit und Jubel entstehen. Und dann würdet ihr selbst eine Grundlage für die Jungs sein; denn ihr wärt unter sie gegangen und hättet sie höher als euch selbst sein lassen. Auf diese Weise sind die Propheten und die Apostel der Grund geworden und Jesus Christus der Eckstein. Wenn wir zu Pfeilern im Tempel Gottes ausgebildet werden wollen, dann müssen wir ertragen, dass jemand auf uns ruht; denn die Pfeiler sollen das Gewicht tragen. Aber um das Gewicht zu tragen, muss man selbst darunter gehen, und dann wird man auf diese Weise einer der Größten. Paulus sagte nicht „unsere Jungs“, sondern er sagte: Alles ist euer: Paulus, Kephas, die Welt, Leben, Tod; alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes. Auf diese Weise wird Gott alles in allen.

Du tust gut daran, dich mit Macht in Gottes Reich hineinzudrängen, um es auf diese Weise an dich zu reißen. Alles muss geopfert werden. Das Herz muss beschnitten werden – ganz rundherum. Alle Verbindungen zur Welt werden aufgehoben und abgeschnitten. Die Augen und Ohren werden für die Welt verschlossen und für die Dinge von droben geöffnet. Dann kann es so werden, wie geschrieben steht: Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht, und so taub wie mein Bote, den ich sende? Seine fleischlichen Sinne zu verlieren bedeutet, in den Tod hingegeben zu werden um Jesu willen. Aber dann wird auch sein Leben offenbar werden an unserem sterblichen Fleisch. Auf dieser Grundlage nimmt Gottes Geist nie Rücksicht auf Fleischlichkeit und Ehre. Daher ist Christus ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses geworden. Und alle, die an seinen Namen glauben, werden nach demselben Bild gestaltet. In Gottes Reich ist der am größten, der nichts ist, dagegen ist der nichts, der am größten sein will.

Ihr sollt nicht begehren, euch Wegleiter nennen zu lassen, denn einer ist euer Wegleiter, Christus, ihr aber seid alle Brüder. Alle diese Dinge werden erst wirksam, wenn man Gottes Geist in seiner Pfingstkraft als Leben und treibende Kraft bekommt. Ein Mensch, der nur Sündenvergebung bekommen hat, kann nicht in Christus heranwachsen, denn dazu muss man wiedergeboren werden. Man kann zwar so predigen, dass Sünder Vergebung ihrer Sünden bekommen; aber jemanden in Christus großziehen kann man nicht. Wie ist es mit der „Clique“? Sie haben wohl ihre Sünden vergeben bekommen, aber sind du und sie wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung? Könnt ihr als Gottes Wort reden? Habt ihr alles verkauft? Hat der Diener der Beschneidung, Christus, das Herz 360° beschneiden können? Du wirst vielleicht wie Frau Rasmussen antworten: Ich lasse mich nicht examinieren. Nun, ich glaube nicht, dass du so antwortest, denn ich habe das sichere Gefühl, dass du die Wahrheit liebst.

Es kostet, wenn man von Herzen sagen soll: Mein alles ist auf deinem Altar, ich warte auf dein Feuer.

Truslev und ich haben einiges miteinander gesprochen. Aber ich persönlich habe einen solchen Dienst, dass ich fast nie sicher sein kann. Es ist Freude über jeden einzelnen, der Ja zu Jesus gesagt hat – Gott segne sie – ich will ihnen in keinster Weise etwas nehmen. Doch ich will nur daran erinnern, dass, nachdem Israel durch das Rote Meer vom Pharao und von den Ägyptern errettet war, durch den Jordan von der Wüste errettet wurde. Die Früchte des Landes waren herrlicher als das Manna der Wüste. Aber keiner von der alten Generation kam in das Land hinein außer den beiden, die glaubten. Die neue Generation kam zwar hinein, aber sie war in ihren Vätern gestorben, denn ein Tod war notwendig. Doch weil sie nicht persönlich tot waren, konnte Josua sie nicht zu einer geistlichen Ruhe führen. Doch Josua hatte geistliche Ruhe durch seinen Glauben, denn er scherte sich nicht darum, dass er in den Augen der Einwohner wie eine Heuschrecke war. Und dies konnte er nur dadurch tun, dass er von sich selbst und seiner eigenen Stärke abgestorben war.

Simsons Stärke lag in seinem Glauben und sein Glaube und seine langen Haare waren Glaube und Werk. Als er sich das Haar schneiden ließ, war er ungläubig und die Kraft verschwand. Als er den Löwen erwürgte, war der Kampf zwar hart, aber die Früchte des Sieges lagen in dem toten Körper des Löwen (Honig). Hieran sehen wir, dass nach dem Tod der Honig hervorkommt und was ist süßer?

Neulich bekam ich einen Brief von Bruder John Wintersborg. Er hat es gut alleine in der Stille.

Sei auf das Herzlichste gegrüßt von deinem Bruder.

Johan

Grüße zuhause!