jetzt habe ich Gelegenheit und ich will sie dazu benützen, dir ein paar Worte zu senden. Ich soll dich von Bergs Vater und Mutter grüßen. Ich las ihnen deinen letzten Brief vor und sie freuten sich sehr über das, was darin stand. Es war ganz richtig, was du über den hochgepriesenen freien Willen schriebst. Es gibt nur einen Willen im Himmelreich und das ist der Wille Gottes. Aller Wille außerhalb vom Willen Gottes ist Abfallen und Sünde. Innerhalb des Horizonts des Willens Gottes sind Friede, Freude und ewiges Leben. Innerhalb dieses Rahmens befinden sich alle Heiligen Gottes aus allen Zeiten. Der Wille Gottes ist unsere Heiligung. In deinem Haus willst du, dass dein Wille geschehen soll. Gibt es in deinem Haus noch einen anderen Willen oder einen Willen in Disharmonie mit deinem Willen, dann wird der Betreffende dein Feind und du wirfst ihn hinaus. So auch in Gottes Haus. Das Gesetz ist wirksam gegen den, der sein eigenes Leben und seinen eigenen Willen hat. Doch das Gesetz ist kraftlos gegenüber dem, der das Leben Christi und den Willen Gottes hat, denn die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Nachdem wir in Christus hineingekommen sind, sind wir nicht gesetzlos, sondern wir befinden uns im Gesetz des Geistes. Denn das war das Gesetz, das uns vom Gesetz der Sünde und des Todes befreite. Daher heißt es: Wir sind nicht ohne Gesetz vor Gott, sondern im Gesetz Christi. Das Gesetz des Geistes, in dem wir uns jetzt befinden, ist weitaus kraftvoller als das Gesetz, das unser Zuchtmeister auf Christus hin war. Das überführende Gesetz war nur gegen die äußerlichen Werke; Trunkenheit, Diebstahl, Prügelei usw. Doch was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. Das überführende Gesetz ist außerhalb des Leibes. Daher heißt es, dass alle Sünde, die ein Mensch begeht, außerhalb des Leibes ist. Das Gesetz des Geistes dagegen ist im Leib, Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Das überführende Gesetz war die Hand, die auf die bösen Früchte des Baumes zeigte, mehr konnte es nicht. Aber was dem Gesetz unmöglich war, das tut nun das Gesetz des Geistes, das die Sünde im Leib zunichtemacht – oder, wenn du willst – die Wurzel des Baumes tötet und dann fallen nie mehr Früchte von einem solchen Baum. Darum heißt es auch in Röm. 6, 6: Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Dies ist ja ganz klar und einfach.
Wenn wir nun von dem Gesetz, das zu Christus führte, weitergelangt sind hinein in das Gesetz des Geistes, dann haben wir ihn und die Kraft seiner Auferstehung kennengelernt. Das Nächste, was wir dann kennenlernen, ist „die Gemeinschaft seiner Leiden“, sodass wir ihm in seinem Tod gleichgestaltet werden. Phil. 3, 10. Dies ist etwas Wundersames und Kostbares. Was ist die Gemeinschaft der Leiden Christi? Das ist das Leiden, das in der Wurzel des Baumes entsteht, wenn sie zunichtegemacht werden soll. Oder anders ausgedrückt: Das ist das Leiden, das im Sündenleib entsteht, während der Sündenleib zunichtegemacht wird. Untersuche und prüfe, ob nicht diese Lehre zur Gottesfurcht führt. Ich habe meine Lehre nicht von mir selbst, sondern Gott hat mich gelehrt und vor seinem Angesicht gebe ich diese Lehre weiter. Dies ist eine kostbare Unterweisung, von der die allerwenigsten wissen. Aber es ist wahr, was geschrieben steht: Wenn wir mit ihm leiden, so werden wir auch mit ihm verherrlicht werden. Paulus sagte mit Tränen in den Augen, dass die meisten Feinde des Kreuzes Christi waren. Und was bedeutet das, ein Feind des Kreuzes Christi zu sein?? Das bedeutet, sich vor den Leiden zu scheuen, die während der Zunichtemachung des Sündenleibes entstehen. Und wenn man sich ihnen entzieht, dann muss man seinen Sündenleib behalten. Genauso wie einer, der sich seine vereiterte Zahnwurzel wegen der Schmerzen nicht herausziehen lassen will, diese behalten muss.
Der Teufel ist am allerwenigsten demjenigen gewachsen, der Leiden ertragen kann. Die Welt legt es ja nur darauf an, sich selbst zu umhegen, sich selbst zu ehren und sich selbst zu gefallen. Dies bedeutet zu versuchen, sein Leben in dieser Welt zu erhalten. Aber wer sein Leben verliert, findet sein Leben, das ewige.
Nachdem du von Gott gelehrt bist, bedenke dies gut in deinem Herzen, sodass du dich niemals Christi Leiden entziehst. Die Leiden sind in Christus vollbracht und sollen in uns vollbracht werden.
Gewöhnlich wird gesagt, dass Christus an unserer Statt gestorben ist. So eine Rede ist Lüge; denn wenn Christus an meiner Statt gestorben wäre, dann würde ich leben können. Jetzt heißt es aber so: Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Er ist der Weg durch den Tod in das Leben.
Im Volksmund kursiert eine ganze kleine Bibel lügenhafter Schriftstellen: z.B. Jeder wird durch seinen Glauben selig. Man soll alles in bester Weise auffassen usw. Diese Sätze können auch der Wahrheit entsprechen, wenn man sie richtig versteht. Darum heißt es: Dem Reinen ist alles rein; dem Unreinen aber und Befleckten ist nichts rein. Aber dass alle diejenigen rein sind, die alle diese Ausdrücke benützen, stimmt wohl kaum mit der Wirklichkeit überein. Daher muss man versuchen, es so zu verstehen, wie sie es verstehen, und davon ausgehend erklären, was daran verkehrt ist. Denn es ist eine wahre Freude, dem Juden ein Jude zu sein, dem unter dem Gesetz, als wäre man unter dem Gesetz, und dem ohne Gesetz, wie einer, der ohne Gesetz ist, obwohl wir nicht ohne Gesetz sind vor Gott, sondern in dem Gesetz Christi. Und Letzteres können wir aus dem Grund sein, dass der Mittler (Christus) nicht nur für einen ist, Gott aber ist einer. So ist unser vorwärtsschreitendes Leben in Christus nicht nur für einen, aber die Vollkommenheit ist eine.
Nun will ich für diesmal schließen. Schreibe bald, denn es ist immer eine Freude, von dir zu hören. Grüße zuhause von Bergs Eltern bei uns hier.
Dein Bruder
Johan