Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 24. Dezember 1905

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, Heiligabend 1905
Lieber Bruder Aksel!

Deine sehr lieben Briefe habe ich bekommen und mit großer Dankbarkeit im Geist gegenüber Gott, unserem Vater durch unseren Herrn Jesus Christus, denke ich an deine Übergabe an den Willen Gottes. Von dem Tag an, als du dich selbst mit allem, was in dir ist, aufgabst, hast du einen Frieden gefunden, der allen Verstand übersteigt. Jetzt kannst du ganz ruhig in der Salbung ruhen und in ihm bleiben, wie sie dich gelehrt hat. Du hast es nicht nötig, etwas zu fragen, denn dieselbe Salbung lehrt dich alles und ist wahr. So wie du nun Christus angenommen hast, so fahre damit fort, in ihm zu wandeln. Beim ersten Mal sagtest du „Ja“ zu Jesus, aber jetzt ist deine Kraft dahingeschwunden, sodass du nicht einmal mehr dazu imstande bist, „Ja“ zu ihm zu sagen; sondern dein Alles ist auf seinem Altar und du wartest auf sein Feuer. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ein anderes Leben gibt es nicht. Er wurde unter dem Gesetz geboren, um diejenigen freizukaufen, die unter dem Gesetz waren. Solange der Erbe ein Kind ist, besteht kein Unterschied zwischen ihm und dem Knecht, obwohl er Herr über alle Güter ist. Aber er steht unter Vormündern und Zuchtmeistern bis zu der vom Vater bestimmten Zeit. Doch nun sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister, denn das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden. Doch nachdem wir in Christus hineingekommen sind, sind wir freigemacht vom Zuchtmeister. Wie kostbar! Wir befinden uns im Gesetz des Geistes, das uns vom Gesetz der Sünde und des Todes freigemacht hat. Selig ist der Mann, der so redet und so handelt wie diejenigen, die nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen.

Wem etwas anvertraut ist, der wird nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet, und diejenigen, die sich als Knecht abmühen und arbeiten, werden nach dem Gesetz gerichtet. Wenn jemand unter dem Gesetz sündigt, so wird er durch das Gesetz gerichtet werden und wenn jemand ohne das Gesetz sündigt, so wird er auch ohne das Gesetz gerichtet werden.

Der Unmündige wird vom Vormund gezüchtigt, doch der Mündige wird vom Gesetz der Freiheit gerichtet. Christus wird im Herzen geboren, während wir uns noch unter dem Gesetz befinden. Aber er ist unter dem Gesetz geboren, um die freizukaufen, die unter dem Gesetz sind. Gott kann uns nicht sofort volle Freiheit geben, da wir nicht erzogen sind. Daher steht jeder von uns für die vom Vater bestimmte Zeit unter dem Zuchtmeister. Der Zeitraum ist so unterschiedlich – je nachdem wie Gott sieht, dass wir dazu fähig sind, selbst etwas als Eigentum zu bekommen. Manche bekommen es nie. Jetzt werden einige höhnisch lachen und sagen: Du Narr, weißt du nicht, dass Christus vor 1900 Jahren unter dem Gesetz geboren wurde usw.? Einem solchen will ich antworten: Zuerst das Natürliche, danach das Geistliche. Jetzt sind wir Söhne und Gott hat den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater! Dieser Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass du schon ins Gefecht gekommen bist. Denn Christus ist uns zu einem Zeichen gegeben, dem widersprochen wird. Und es ist offenkundig, dass diese Sekte überall auf Widerstand trifft. Christus ist nicht gekommen, um Frieden zu schaffen, sondern Zwietracht, denn 2 wird er gegen 3 erregen und 3 gegen 2 in ein und demselben Haus.

Jeremia sagt: Ich bin für den Frieden; doch wenn ich rede, so sind sie für den Krieg. Ich gedachte, sagt er, nicht mehr im Namen Gottes zu reden; doch dann wurde sein Wort in mir eine Kraft, die meine Gebeine verzehren wollte. Hier kommt es nicht auf die Anzahl der Jahre an, sondern darauf, in wem der Geist des Herrn ist.

Nun weiß ich davon, dass in Christus Ermahnung ist. Und darum will ich dich bitten, lieber Bruder, felsenfest zu stehen in der Freiheit, mit der Christus dich befreit hat. Ich weiß wohl, dass es Tausende von Zuchtmeistern in Christus gibt, aber Väter gibt es nicht viele. Auch die Väter können züchtigen, doch sie züchtigen nicht wie die Zuchtmeister, denn sie züchtigen mit Schmerzen und in liebender Hoffnung. Den Zuchtmeistern dagegen geht es nur darum, sich selbst zu gefallen.

Es freut mich unsagbar, dass Gott dich in die Salbung und Kraft seines Geistes hineinbringen konnte und dass er dir den Geist der Weisheit und der Offenbarung in seiner Erkenntnis geschenkt hat. Er ist eine feurige Mauer rings um sein Volk her.

Die Freiheit in Christus kann niemandem aufgezwungen werden. Man kann predigen, soviel man will, ohne verstanden zu werden, wenn die vom Vater bestimmte Zeit noch nicht gekommen ist. Wenn Gott den Gottlosen freisprechen würde, so würde dieser im Land der Gerechten übel tun. Daher muss man eine Zeit unter dem Gesetz bzw. unter dem Zuchtmeister sein.

Es freut mich sehr, dass du die Wahrheit mehr liebst als dein eigenes Leben und dass du das verwirfst, was nicht bestehen kann. Denn wie geschrieben steht: Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen.

Lass uns immer in der ersten Liebe bleiben und uns in der Hoffnung auf die Auferstehung freuen und darin fröhlich sein.

Glaube nicht einem jeglichen Geist, denn viele geben sich damit ab, von Freiheit zu predigen, aber es ist die Freiheit Satans. Denn wenn du ihnen gegenüber das Wort „Gehorsam“ nennst, dann fauchen sie vor Wut, denn ihre Freiheit ist eine Freiheit, um zu sündigen. Zerschlage die Rede solcher Menschen und mache sie zunichte und du wirst eine Freude im Geist über eine wohl ausgerichtete Arbeit haben. Du sollst niemals untertänig vor jemandem zurückweichen; sondern du sollst sie schlagen und nicht verschonen. Denke an Saul, weil er verschonen wollte, verlor er seine Königskrone. Verstehe mich recht im Geist, lieber Aksel. Deine Berufung und Auserwählung werden festgemacht, wenn du Gott gehorsam bist. Lass dich durch das Beispiel Bileams warnen. Er wollte um Gewinnes willen ein vertrautes Verhältnis mit Gottlosen haben und die Auserwählten des Herrn verfluchen. Liebe zu Gott bewirkt, dass man die Welt hasst. Die Liebe Bileams und die Liebe Simsons führen dazu, dass es schiefgeht.

Willst du dich selbst rein bewahren, dann beachte diese Ermahnungen. Wenn du dich jedoch beschmutzen und deinen Frieden verlieren willst, dann kannst du nur zu allen denen Ja sagen, die sich selbst einbilden und anderen einreden, dass sie Freiheit haben.

Lebe nun von Herzen wohl und bleibe immer in ihm, dann lebst du gut und hast es gut.

Dein in ihm bewahrter

Johan

Grüße zuhause.