vielen Dank für deinen willkommenen Brief. Gott ist mit uns an guten und an schlechten Tagen. Er tröstet uns mit seinem Trost auf der Grundlage eines ewigen Lebens in Christus Jesus, unserem Herrn. Nichts ist so ärmlich, dass er nicht zugegen ist, und nichts ist so prachtvoll, dass er nicht zugegen ist. Gott im Menschen ist Christus Jesus, aber Gott außerhalb des Menschen kann man nicht begreifen. Der Sohn hat den Vater offenbart und der Vater ist offenbart im Sohn. Der Sohn ist der Menschensohn, um den Menschen zunichtezumachen, und er ist Gottes Sohn, um einen Gottesmenschen hervorzubringen. Das, was der Mensch für das Beste hält, befindet sich im Bereich der Natur. Aber weil es etwas noch Besseres gibt, muss der Mensch das Beste, was er weiß, loslassen, um das zu ergreifen und festzuhalten, was ewig und göttlich ist. Sünde ist Eigenwille. Eigenwille ist ein Wille außerhalb vom Willen Gottes. Für den Eigenwillen ist nicht Gott das Haupt, sondern man stellt sich selbst als Haupt hin. Dies tat auch der Teufel. Er sonderte sich mit all seiner Herrlichkeit ab und fand seine Herrlichkeit in sich selbst anstatt in Gott. Dies war Sünde. Er spaltete sich von Gott ab und da Gott nicht gespalten ist, kam er aus Gott hinaus und in sich selbst hinein. Denn anstatt seine Herrlichkeit in Gott zu betrachten, bewunderte er seine Herrlichkeit in sich selbst. Der Wille Gottes war, dass Adam nicht von dem Baum essen sollte, aber Adam nahm in sich selbst einen Willen an und schuf eine Basis, die außerhalb von Gott war. Er wurde sich seiner selbst bewusst und bewunderte sich selbst. Darum erkannte er auch, dass er nackt war. Dies merkte er nicht, solange er nur auf Gott schaute.
Die Gestaltung nach dem Bild Gottes besteht nun darin, dass wir unseren Eigenwillen aufgeben und im Willen Gottes aufgehen. Wenn dies geschieht, dann ist der, dessen Willen wir gehorchen, unser Haupt und wir befinden uns in dem Reich, in dem der Wille Gottes geschieht, nämlich dem Himmelreich. Im Himmelreich ist das Gewissen gut, da nur sein Wille geschieht. Alle eigene Ehre und Eigenliebe sind außerhalb von Gott; sie dienen nur zur Erhöhung des Ichs. Gott ist ein Ganzes und er ist nicht mit sich selbst zerstritten. Daher ist die eine Parteiung, die mit einer anderen Parteiung in Disharmonie steht, nicht von Gott, es sei denn, dass einer der beiden streitenden Teile sich in Gott befindet und gegen die Macht der Finsternis streitet.
Du liest den Römerbrief, höre ich. Ja, darin ist die Rechtfertigung ohne Gesetzeswerke klar dargestellt. Doch darin gibt es vieles, was schwer zu verstehen ist. Das Gesetz kam ja, damit die Sünde erkannt werden sollte, und wenn unsere besten Werke wie ein besudeltes Kleidungsstück sind, dann kann man sich denken, wie die schlechtesten sind. Also kann man auf diesem Weg nichts gewinnen. Aber durch vollkommene Selbstaufgabe und ohne es durch Gesetzeswerke zu versuchen, sondern indem man Gott in sich das Wollen und das Vollbringen wirken lässt, geschieht der Wille Gottes. Wenn ich so gut sein will, dass ich Gottes Gebote schon halten werde, dann verstehen wir, dass die Kraft in mir selbst liegt. Aber wenn ich alles aufgegeben habe, dann ist klar, dass, wenn etwas getan werden soll, dann muss Gott das selbst wirken und selbst die Kraft geben. Wenn dann Gott die Kraft gibt, so kommt sie im Überfluss, denn das ganze Himmelreich besteht nur aus Kraft.
Derjenige, der sich nach dem Gesetz abmüht, hat festen Glauben an seine eigene Tüchtigkeit. Und er reagiert bis zur Raserei beleidigt, wenn man ihm sagt, dass er zusehen muss, vom Glauben an sich selbst weg zu kommen und hin zum Glauben an Gott zu kommen. Wer sich selbst kennengelernt hat, hat das Vertrauen auf sich selbst aufgegeben und hat aufgehört, Christ zu spielen, sondern er lebt Christus. Und dann können die anderen ihn nennen, wie sie wollen.
Die meisten Christen sind unter dem Gesetz – nicht unter dem Gesetz Mose, sondern sie sie mühen sich als Knechte unter dem Gesetz ab, das in die fleischernen Tafeln des Herzens eingeschrieben ist. Sie versuchen mit ehrlicher Gesinnung, es zu halten. Doch ach und weh, je mehr sie sich als Knechte abmühen, desto strenger wird das Gesetz. Und müht man sich weiter ab, dann muss man schließlich zu dem Ergebnis kommen: Hier stimmt etwas nicht, denn jetzt habe ich mich dermaßen abgemüht, dass es über alle guten Grenzen geht, und dennoch hageln die Vorwürfe auf mich herab. Jetzt höre ich auf mit der ganzen Knechterei, denn die nützt doch nichts. Alles zusammen von mir selbst ist nur Teufelei, Heuchelei und Humbug. Wenn dies soweit ist, dann ist man mit ihm gestorben. Bist du mit ihm gestorben? In solchen offenbart sich das Leben, das ewige. Früher waren sie selbst das Leben, aber nun ist Gott ihr Leben, denn sie fanden ihr eigenes Leben unwürdig. 2,5 Jahre lang ging ich umher und mühte mich so gewaltig ab, dass ich zum Schluss die ganze Prächtigkeit aufgab und zu Gott sagte, dass ich es nicht schaffen könne, ein Christ zu sein. Und genau daran halte ich bis heute fest. Wer es schafft, ist ein Prachtkerl. Aber das ist im Grunde genommen nur Heuchelei. Versuche, dich selbst auszuschimpfen, und du wirst dadurch mehr Freude finden, als du ahnst. Denn wenn du das Schlechteste über dich selbst redest, wirst du der Wahrheit am nächsten kommen.
Predige dieses teure Evangelium denen, die meinen, etwas zu wissen, sodass auch dir vielleicht die Türen hinaus aus den verschiedenen Synagogen geöffnet werden. Doch dann würden die Worte in Erfüllung gehen: Ihr werdet aus den Synagogen ausgeschlossen und von allen gehasst werden um meines Namens willen. Ich selbst bin überall ausgeschlossen, doch es geht mir gut dabei. Gott hat mir vom Reichtum seiner Gnade gegeben und das ist genug. Satan hat seine Netze ausgelegt, aber Gott hat mich aus ihnen allen befreit. Manchmal sagen sie, dass ich den Teufel habe, ein andermal sagen sie: Hast du schon mal so etwas Herrliches gehört? Aber ob sie nun dieses oder jenes sagen, so vertraue ich auf Gott, der mich in Ehre und Schande, in bösen Gerüchten und guten Gerüchten erlösen wird. Mein Zeugnis in Christus Jesus ist, dass er mein Erlöser ist und Satan mein Feind. Mein Fleisch ist mein Feind und mein Wunsch ist, dass der Hass darauf vollkommen werden möge. Die Herren der Welt und die Brut der Ungerechtigkeit schmerzen mich in meiner Seele und schaffen darin eine grimmige Kraft, deren Stärke mich selbst in meinem eigenen Eifer verzehrt. Solche Gottesfurcht habe ich und niemand wird mir meine Freude nehmen und niemand kann mir meinen Glauben nehmen und niemand kann mir meine Lehre nehmen und niemand vermag, mich in den Staub zu drücken und niemand vermag, mich in diesem meinem Glauben zu übermannen, der der Glaube Christi ist. Ist dies Ruhm, so ist es Christi Ruhm. Ist dies Ehre, so ist es Christi Ehre. Und ist dies Kraft, so ist es Christi Kraft. Wenn jemand sagt, dass ich mich nach dem Fleisch rühme, so versteht der Betreffende wenig von Gottes Kraft.
Schreibe bald.
Dein Bruder
JohanIch bekam jetzt deinen Brief, schicke diesen aber trotzdem. Die Weisheit ist die Mutter der Liebe und nicht die Liebe die der Weisheit.
Bitte Vater, mir zu schreiben, wie viele Arsenalverwalter es im Land gibt. Grüße zuhause.
