Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 9. November 1905

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 9. November 1905
Geliebter Bruder Aksel,

Gottes Gnade und Friede in Christus Jesus, unserem Herrn. Keine Macht vermag das Band zu zerreißen, das von Gott ist und uns fest an den Sohn bindet. Das Wirken seiner Kraft in uns führt zu einem ewigen Leben. Sein Dienst in uns ist ein Mittlerdienst, damit Gottes Natur allmählich über uns und in uns kommt durch die Erkenntnis dessen, der uns mit einem heiligen Ruf berufen hat. Gottes Wort ist nicht tot, sondern lebendig; daher kann Gottes Wort nur von Lebendigen verkündigt werden. Der geistlich Tote kann zwar aus der Bibel lesen, aber er kann nicht lebendige Worte reden. Der zweite Adam ist zu einem lebendigmachenden Geist geworden. Aber dies wäre er nie geworden, wenn er nicht die Sünde durch Tod und den Tod durch Leben zunichtegemacht hätte. Darum ist es eine Notwendigkeit, dass sein Werk in uns geschieht, sodass die Sünde in uns durch Tod zunichtegemacht werden kann und der Tod durch Leben zunichtegemacht wird. Nur auf diese Weise geht in Erfüllung, was geschrieben steht: Wir werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleisch.

Es ist ein Gräuel und eine große Feigheit, zu jammern und zu heulen, wenn Ehre und Leben in dieser Welt vergehen sollen, denn dadurch quillt das Leben hervor und bringt einen unaussprechlichen Trost in der Trübsal. Die Trübsal wiederum wurde uns dadurch zum Nutzen, dass aufgrund der Leiden die Versuchung Satans keine Macht bekommen konnte, die darin bestand, dass er uns aufgrund des Lichts, das im erhaltenen Leben liegt, hochmütig machen wollte. Darum heißt es: Wenn wir denn mit ihm leiden, werden wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Erkenntnis bringt Schmerz, doch Schmerz bewahrt vor Hochmut. Wenn aber der Schmerz seinen Höhepunkt erreicht hat, so gebiert er den Tod, der Tod aber gebiert Weisheit. Weisheit wiederum ist Licht und im Licht ist das Leben. Du Narr! Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Der Tod ist notwendig, damit die Erkenntnis von Gut und Böse vollkommen wird. Erst durch den Tod haben die Früchte vom Baum der Erkenntnis ihre volle Wirkung getan und wir haben das Recht, vom Baum des Lebens zu essen und ewig zu leben. Der Erstling ist Christus, danach die, die ihm bei seiner Wiederkunft angehören. Genauso wie Eva von Adam genommen wurde, werden wir von Christus genommen, sodass wir Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein sind. Darum sollen wir als Christi Braut Männin genannt werden, denn wir sind vom Mann genommen. Ebenso wie Adam zuerst geschaffen wurde und danach die Frau, so ist auch jetzt Christus der Erstling geworden, danach die, die ihm bei seiner Wiederkunft angehören. Aber genauso wie alle Erstlingsfrucht kräftiger als die weitere Frucht ist, so ist auch der Mann kräftiger als die Frau und Christus kräftiger als die Braut. Daraus wiederum geht hervor, dass niemand größer werden kann als sein Meister.

Wofür wir zuallererst Sorge tragen müssen, ist, dass wir uns nicht Gottes Gnade entziehen. Sich der Gnade zu entziehen bedeutet, sich dem Gehorsam und den Leiden zu entziehen. Kein Wesen kommt um den Feuerofen herum. Will man in diesen nicht freiwillig hineinspazieren, dann bekommt man keine Gnade. Lasst euch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung. Wenn einem die Versuchung hart vorkommt, dann ist gemeinsames Schicksal ein Trost. Und dass das Schicksal gemeinsam ist, sehen wir daran, dass dieselben Leiden über unsere Brüder in der Welt gehen.

Es ist teuer und kostbar, darüber zu schreiben. Ich weiß, lieber Bruder, dass dir die Prüfung – die Feuerprobe – bevorsteht. Verzage nicht, wenn du von ihm gezüchtigt wirst, denn er schlägt jeden Sohn, den er annimmt. Entziehe dich nicht, sondern ertrage in Geduld Leiden und Trübsal, damit Gottes Natur tief in dein Bewusstsein gepflanzt werden kann, damit du nicht nur eine oberflächliche Person wirst, sondern ein Pfeiler Gottes in seinem Tempel. Folge nicht denen nach, die Feinde des Kreuzes Christi sind und die nichts von Gott wissen. Sondern lass Gott seine Operation an den Wurzeln deines Herzens durchführen, sodass Friede, Freude und Weisheit für immer und ewig dein Eigentum werden können.

Mein Zeugnis in Christus ist, dass ich mich selbst hasse. Da ich aber weder mir selbst leben noch mir selbst sterben kann, hat Gott sich meiner Sorge annehmen müssen.

Die Kraft, die uns in der Erkenntnis Christi vorwärtstreibt, ist Eifer. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts. Darum müssen diejenigen, die Kinder des Tages sind, arbeiten, solange es heute heißt. Man muss an seiner Seligkeit mit Furcht und Zittern arbeiten, indem man sich bewusst macht, dass es Gott ist, der in uns beides, das Wollen und das Vollbringen, wirkt. Darum gilt es für uns, der Stimme Gottes gehorsam zu sein. Das ist die einzige Art und Weise, auf die wir an unserer Seligkeit arbeiten können. Eine solche Arbeit bringt Früchte des Glaubens im Gegensatz zu den Gesetzeswerken, die Knechtschaft sind.

Es gibt keine Finsternis, die Licht ist, doch macht die Finsternis das Licht herrlich. Doch soll die Finsternis deswegen nicht mehr geehrt werden als das Licht, da das Licht soviel kräftiger als die Finsternis ist, wie auch das, was nichts ist, schwächer ist als der Vater der Kraft. Hieraus schließen wir, dass, wenn wir einen Kampf gegen die Mächte der Finsternis haben, dies allein daher kommt, dass wir in uns selbst Finsternis sind, und dass das Licht, das so nach und nach hervorkommt, die Finsternis in uns tötet. Diesen Verlust an Finsternis nennen wir Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Aber um die Wahrheit zu sagen, unser Kampf ist gegen Gott, wie auch Jakobs Kampf gegen Gott war. Daher wird auch das Licht, das in uns offenbart wird, Gnade genannt, denn wir haben einen Kampf der Verzweiflung gegen das Licht gekämpft und haben verloren, und dieses Verlieren wird Gnade genannt. Ist dies nicht verdreht? Oder ist das richtig und wir sind verdreht? Ja, krumm kann nicht gerade sein, daher hat Gott sich dazu entschlossen, etwas Neues zu schaffen, und nur das Neue gilt.

Lebe von Herzen wohl. Grüße zuhause.

Dein der Trübsal, der Hoffnung und der Verherrlichung mitteilhaftiger Bruder

Johan

Schreibe wieder.