Deinen sehr lieben Brief habe ich heute erhalten. Es war eine wahre Freude, deinen Brief zu lesen, denn er war mehr als je zuvor mit einsichtsvollen Wahrheiten gespickt. Pauline war voll und ganz mit dir einig, ebenso Br. Berg, dem ich den Brief vorlas.
Es ist gut, selbständig zu denken. Man kann die eine Schlussfolgerung aus der anderen ziehen. Die Weisheit ist erfahren in den Dingen, die geschehen sind, und zieht daraus Schlüsse für zukünftige Dinge.
Du sprachst vom Licht und vom Schatten. Je näher man dem Licht käme, desto schärfer und markanter würde der Schatten. Wenn man sich in der Finsternis befindet, gibt es keinen Schatten, und wenn man sich im Inneren des Lichts befindet, dann gibt es auch keinen Schatten. Darin sind wir einig. Aber nun fragen wir: Was ist das, was zwischen dem Licht und dem Schatten steht? Nun, das ist der Leib der Sünde. Oder, wenn du willst: Christus am Kreuz, als er für uns zur Sünde gemacht wurde. Was ist dieser Schatten?? Das ist ja ganz einfach das Abbild von Christus am Kreuz oder vom Leib der Sünde. Auf welche Weise werden wir dann dieses Licht zu sehen bekommen? Dadurch, dass er uns einen neuen und lebendigen Weg bereitet hat durch den Vorhang, das ist sein Fleisch. Wenn in dem, was den Schatten warf, eine Öffnung entsteht, dann verstehen wir, dass auch der Schatten in dem Maß verschwindet, wie die Öffnung größer wird.
Nun kommen wir zu einem weiteren Punkt, der Beachtung verdient. Das Gesetz hat nur einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht die Gestalt der Dinge selbst. Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden. Nachdem wir zu Christus gekommen sind, sind wir nicht mehr unter dem Gesetz oder dem Zuchtmeister, sondern wir sind in einen neuen Prozess hineingekommen, nämlich diesen: Die aber Christus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Lüsten und Begierden. Und wir wissen, dass wir mit ihm gekreuzigt sind, damit der Leib der Sünde zunichtegemacht werde und damit wir ausgebildet werden, ihm in seinem Tod zu gleichen. Nun soll die Wurzel selbst zugrunde gehen! Das Gesetz konnte den sündigen Handlungen beikommen, aber das Werk Christi am Kreuz zerstört den Ursprung der sündigen Handlungen – oder wie es heißt: den Leib der Sünde. Das Gesetz konnte nur die schlechten Früchte vom Baum pflücken, aber was dem Gesetz unmöglich war, das tat Gott, als er den Baum mit seinen Wurzeln ausriss.
Nun wieder zurück zum Schatten, wobei wir im Gedächtnis behalten, dass alle Sünde, die der Mensch begeht, außerhalb des Leibes ist. Du siehst, dass das Kreuz auf dem Schatten abgebildet wird. Um den Schatten herum ist das Licht.
Alle Übertretungen, die außerhalb des Leibes sind, kann das Licht erreichen, nicht wahr, aber nicht den Schatten des Sündenleibes selbst. Um den ganzen Schatten wegzubekommen, muss man den Sündenleib zunichtemachen, dann – und erst dann – verschwindet der Schatten. Hieraus wiederum ist ersichtlich, dass das, was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. Außerhalb des Fleisches konnte das Gesetz verdammen, aber im Fleisch konnte es nichts ausrichten.
Schreibe mir, lieber Bruder, ob du diese wertvolle Wahrheit erfasst. Wenn du sie erfasst, dann wirst du gleichzeitig verstehen, dass Gott mir in seiner Gnade Einsicht in Christi Geheimnisse gegeben hat. Dies ist auch mein einziger Ruhm in dieser Welt, aber ich halte Gottes Weisheit für kostbarer als Gold und Edelsteine. Ich habe Gott um Einsicht und Verstand gebeten und mein Gebet ist erhört, denn er selbst hat durch Jakobus gesagt: Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt. Es freut mich, dass du dasselbe begehrt hast. Du hast es mir nicht gesagt, aber ich sehe aus deinem letzten Brief, dass der Geist der Weisheit über dich gekommen ist, denn er lässt sich leicht erkennen von denen, die ihn haben. Du hast eine gute Wahl getroffen, lieber Aksel. Gehorche stets ihrem Rat und achte auf ihre Fingerzeige und sie wird dir eine liebe Lebensbegleiterin sein. Nun brauchst du nicht mehr zu glauben aufgrund der Rede von diesem oder jenem, denn du hast selbst die Quelle der Weisheit, aus der du schöpfen kannst. Fürchte nicht die Widersacher, denn die Weisheit wird jede Sache lösen und alles in die rechte Spur bringen.
Gott gibt mir Gelegenheit, mit dem einen und anderen zu sprechen, und das, worum ich sie am inständigsten bitte, ist, Gottes Weisheit zu suchen.
Alle Dinge haben ihren Gegensatz, wie du sagtest. Gott hat das so gemacht, daher sollen wir über die Bedrängnisse nicht murren, denn Bedrängnisse bringen Geduld, Geduld aber einen bewährten Sinn und ein bewährter Sinn bringt Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Ein erwachsener Mann in Christus Jesus hat einen geübten Sinn, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Adam vor dem Fall kannte nur Gut, aber Gott kannte Gut und Böse. Daher sind wir herrlicher gestellt als Adam vor dem Fall.
Genau wie eine elektrische Batterie einen positiven und einen negativen Pol hat, so verhält es sich auch im geistlichen Leben. Das eine Leben nimmt ab im Verhältnis dazu, wie das andere zunimmt. Und ihr reziprokes Verhältnis ist Hass; denn wer nicht auch sein eigenes Leben in dieser Welt hasst, kann nicht sein Jünger sein.
An dem Tag, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben, sagte Gott zu Adam. Christus musste für uns des Todes sterben. Er starb, das heißt, sein Leib entschlief, doch es fand noch ein anderes Sterben in ihm statt, denn der Leib der Sünde wurde zunichtegemacht und starb. Halleluja. Satans Haupt wurde zertreten, denn Satan kann nur durch das Fleisch (den Sündenleib) mit dem Menschen korrespondieren. Wenn aber der Sündenleib tot ist, so ist auch Satan tot oder unter unsere Füße zertreten.
Christus ist Gottes Weisheit, das bedeutet: Seine ganze Weisheit hat Gott entfaltet in dem Werk, das er in und mit Christus tat. Daher wohnen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis leibhaftig in ihm. Dieses Herrliche erfüllt nun seinen Leib, doch am Kreuz erfüllte Sünde seinen Leib. Wenn wir nun allezeit das Sterben Christi an uns tragen, dann müssen wir verstehen, dass, wenn der Tod der Tod Christi ist, dann Christus auch die Ursache des Todes auf sich genommen hat, nämlich die Sünde. Jedoch ist er nie ein Diener der Sünde gewesen.
Nun will ich für diesmal mit einem brüderlichen Gruß schließen. Grüße zuhause und grüße Ludvig.
Dein in Christus mit dir verbundener Bruder
Johan